Ausstellungen

„Absalon“ im KW Institute for Contemporary Art

AbsalonWie eine ratlos stumme Versammlung stehen die weißen geometrischen Figuren („Disposition“) im Raum, jede eingefroren in ihrer Form. Nicht weniger beklemmend wirkt die wie eine riesige Schraube geformte „Cellule No.5“ eine Etage tiefer. Als blickten wir in einen Kernspintomografen, der unsere Schwachstellen aufspüren soll, von innen grell beleuchtet und gerade groß genug, um einen Menschen aufzunehmen. Daneben die ebenfalls mit Neonlicht aufgehellten weißen „Cellule No.3“ und „Cellule No.4“ erinnern an moderne Sarkophage. Manche der auf dem Boden versammelten Bauklotzskulpturen gleichen auf unheimliche Weise mit weiß überzogenen Teilen zerbrochenen Spielzeugs ebenso wie Relikten militärischer Maschinen. In die Stille dieser atmosphärisch geladenen Objekte dringen die Schreie des Künstlers aus dem Video „Bruits“ durch das Treppenhaus. Absalons gefilmte Performances beschäftigen sich häufig mit Aggression, Langeweile oder Sinnlosigkeit. In einer Aufnahme schlägt der Künstler ungelenk um sich, als wolle er in einem hilflosen und verzweifelten Versuch die Luft um sich herum reinigen, seinen Raum verteidigen oder sich von unsichtbaren Geistern befreien. Die Berliner Kunst-Werke präsentieren in der untersten Ausstellungshalle begehbare Nachbauten der sechs Zellen, die Absalon als seine zukünftigen spartanischen Wohnwaben in Paris, Tokio, Zürich, Frankfurt am Main, New York und Tel Aviv vorgesehen hatte. Sein früher Tod verhinderte die Durchführung dieses Projekts. 1964 in Israel geboren, starb Absalon 1993 in Paris, wo er nach seinem Militärdienst ab 1987 lebte, studierte und arbeitete. Ausgestellt sind auch frühe Objekte Absalons, weiß angestrichene Möbel und weiß übermaltes Kitschmobiliar auf den Seiten eines Einrichtungsmagazins. Wie um Klärung in ein mit Tand überfrachtetes Leben zu bringen, begann Absalon Farben zu überdecken, Formen zu vereinfachen. Als Extrem entstanden zum Schluss die bis auf das Minimum an Bewegungsmöglichkeit reduzierten Wohnkapseln, weiß allesamt und immer mit diesem unheim­lichen inneren Strahlen. Es wird oft betont, wie sehr Absalon darauf achtete, seine Biografie vom Werk zu trennen. Bis kurz vor seinem Tod sollen nicht einmal Freunde von seiner Krankheit erfahren haben. Doch es wäre dem Künstler sicher unmöglich gewesen, ohne die Erlebnisse eines Krieges und das Wissen um sein baldiges Ende solche Intensität und Ausstrahlung in diese weißen Kisten zu bringen.

Text: Constanze Suhr

tip-Bewertung: Herausragend

Foto: dreusch.loman,2010

Absalon
KW Institute for Contemporary Art, bis 20.2.2011

 

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