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„Agoraphobia“ im Kunsthaus Tanas

Tanas_Amal_Kenawy_Silence_of_Sheep_c_CourtesyTheAmalKenawyEstateEine junge Frau im Overall scheucht die Gruppe der auf allen Vieren kriechenden Männer über die belebten Straßen von Kairo. Passanten fotografieren, manche bleiben erstaunt oder schockiert stehen. Immer mehr Männer verfolgen das Geschehen sichtlich erbost, die Atmosphäre lädt sich auf. „Silence of the Sheep“ nannte die ägyptische Künstlerin Amal Kenawy ihre mutige Performance von 2009 im Stadtraum einer ultrapatriarchalischen Gesellschaft. Aus bösen Blicken wurden Worte, Auseinandersetzungen, dann kam die Polizei. Eine Nacht hat die Künstlerin in der Zelle verbracht. Ebenso spielerisch geht die Brasilianierin Cinthia Marcelle in ihrer Performance „Confronto“ vor, bei der sie Jongleure mit Fackeln während der Rotphase auf eine belebte Kreuzung im Stadtzentrum von Belo Horizonte schickt. Sie ziehen sich anfangs wieder zurück, wenn die Ampel auf Grün schaltet. Doch mit jeder Rotphase werden es mehr Jongleure, zum Schluss behindern sie mit ihren Feuerfackeln die Weiterfahrt der Autos. Lärmendes Hupen, Fahrer steuern aggressiv auf die Blockierer zu.

Die Aufzeichnungen dieser beiden Aktionen gehören neben neun weiteren künstlerischen Positionen, darunter Jimmy Durham, Latoya Ruby Frazier, die Gruppe Freee und Christoph Schäfer, zur Ausstellung „Agoraphobia“ im Kunstraum Tanas, die bereits einen Vorgeschmack auf die diesjährige Istanbul-Biennale gibt. Kuratorin Fulya Erdemci macht den Stadtraum als politisches Forum zum Thema und spielt mit dem Titel auf Ängste vor freier Meinungsäußerung, öffentlichen politischen sowie künstlerischen Aktionen an und untersucht dabei die Rolle der Kunst. Angesichts der aktuellen Ereignisse auf dem Taksim-Platz und im Gezi-Park, beides vorgesehene Ausstellungsorte der Biennale, kündigt sich eine brisante Veranstaltung an.

Text: Constanze Suhr

Foto: Courtesy The Amal Kenawy Estate 

tip-Bewertung: Sehenswert

Agoraphobia Tanas, Heidestraße 50, Tiergarten, bis 27.7., Di–Sa 11–18 Uhr; jeweils Sa, 14 Uhr: Veranstaltungsreihe „Tanas im Dialog“

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