Ausstellungen

Albert Watson bei Camera Work

Kate Moss tastet sich bereits 1993 an den durch sie später repräsentierten Nude Look auf dem Sand von Marrakesch heran. Mick Jaggers Physiognomie überblendet er mit einem lauernden Leopardenantlitz. Der 1942 in Schottland geborene Albert Watson zählt zu den großen Stars der Porträtfotografie. Sein Betriebsgeheimnis ist ein möglichst flexibles Studio, das erlaubt, jedem Modell seine ganz eigentümliche Aura zu verleihen. Dies ist das unbedingt Positive an Watson. Er folgt keinem einmal erfolgreichen Schema, setzt vielmehr auf seine fotografische Inspiration, die sich aus der Situation ergibt. Allenfalls eine gewisse Unterkühltheit lässt sich als Markenzeichen heraus­lesen. Die jetzt in der Galerie Camera Work gezeigten Serien verraten etwas vom Aufwand eines Shooting. Selbst Altprofi Hitchcock übt sich noch angesichts des Federviehs im mitleidheischenden Blick und Gestus. Über zwei Jahre lang inszenierte Watson die Domina „Miss Behaying“ in der Spielhölle Las Vegas. Das Ergebnis zeigt dann viel Latex, mal hingestreckt als Akt auf Raubtierfell oder als cooler Vamp beim Linsen in den Kühlschrank. Watson wagt sich an alles heran, ob Orchideen-Stillleben, Landschaft oder Werbefotografie. Auf über 250 „Vogue“-Covers prangten seine Porträts. Watson hat als Grafikdesigner be­gon­nen –, und diese Mitgift prägt sein fotografisches Auge. Es ist tatsäch­lich nur eines, auf dem er gut sehen kann. Daher wird er auch „Zyklop“ genannt. Was er uns wohl mit dem Schimpansenhändchen zeigen will, dass lässig einen Colt in die Luft hält? Das haarige Ärmchen wirkt er­schre­ckend menschlich.

Text:
Martina Jammers

Albert Watson
Camera Work,
Kantstraße 149,
Di-Sa 11-18 Uhr,
bis 17.1.2009

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