Ausstellungen

Alicja Kwades im Hamburger Bahnhof

Alicja Kwade

Wie viel etwas wert ist, beruht zu einem großen Teil auf gesellschaftlichen Vereinbarungen. Wie leicht der Konsens nicht nur über materielle, sondern vor allem auch über soziale und ethische Werte zu erschüttern ist, haben die osteuropäischen Kulturen in den letzten 20 Jahren noch in einem wesentlich schärferen Maße als hierzulande erfahren. Das große Interesse, mit der die aus Katowice stammende junge Bildhauerin Alicja Kwade Statussymbole und andere Zeichen des sozialen Aufstiegs bearbeitet, ist sicher nicht zuletzt vor diesem Hintergrund entstanden. Sie erhält den Piepenbrock Förderpreis für Skulptur, der mit einer Gastprofessur an der UdK, einem Preisgeld und einer Ausstellung im Werkraum des Hamburger Bahnhofs verbunden ist.

Das Geringgeschätzte erhält bei ihr einerseits die Fassung des Wertvollen. Sie lässt Kieselsteine wie Diamanten schleifen und zeigt sie als ?Bordsteinjuwelen? und lackiert alte Paletten aus Holz, bis sie wie ein edles, minimalistisches Designelement aus dem Luxusloft glänzen. Andererseits breitet sie das diebische Vergnügen an der Entwertung aus, wenn sie mit dem Glasmehl von 555 leer getrunkenen Champagnerflaschen arbeitet, das sie zu einem geheimnisvoll graugrün schillernden kleinen Hügel aufschüttet. Fragt sich nur, wer soff all den Champagner?

Text:Katrin Bettina Müller 


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