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„Alles hat seine Zeit. ?Rituale gegen das Vergessen“ im Jüdischen Museum?

JMB_AllesHatSeineZeit_kamm_c_DavidPeters_SammlungArialMuzikantDie Besucher der ersten großen Judaica-Ausstellung im Jüdischen Museum werden von einem über den Eingang projizierten Tierkreiszeichen in Empfang genommen. Dahinter erstreckt sich auf der linken Seite, durch alle Räume fortlau-fend, eine mit dun-kelblauem Samt bespannte Wand. Gegenüberliegend geben weiß-transparente Stoffbahnen, schräg von oben nach unten gezogen, einen kühlen Kontrast. Gemeinsam bilden die Elemente gewissermaßen einen Korridor der Erinnerung.

Die Sonderausstellung „Alles hat seine Zeit. Rituale gegen das Vergessen“, eine Übernahme aus dem Jüdischen Museum München, will zwei Zeitkonzepte miteinander verbinden. Einerseits zeigen Exponate wie der oben abgebildete Kamm, der den Totenritualen dient, die sakrale Ebene des Erinnerns. Daneben werden Objekte alltäglicher Traditionsriten der jüdischen Kultur gestellt, welche auch im Alltag stattfinden und so in die profane Zeit übergehen. Die Erinnerungs-segmente wollen mehrere Themen ins Bewusst-sein bringen, die Endlichkeit genauso wie die Erinnerung an die Liebe, an das Böse und vieles mehr. Dem gegenüber stehen die Fotoarbeiten der New Yorker Künstlerin Quintan Ana Wikswo, die sich in gelbstichigem Sepia auf dem blauen Hinter-grund abheben.

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Mit teilweise beschädigten Agfa-Kameras, die Zwangsarbeiterinnen in Dachau fertigten, fotografierte sie das Lager, welches auch einen sogenannten „Sonderbau“ umfasste – ein Bordell für die Häftlinge. Dass diese existierten, wurde lange totgeschwiegen. Die so entstandenen, mehrfach belichteten und rauschigen Bilder zeigen das Lager aus verschiedenen Perspektiven und sollen den Blick von innen nach außen leiten und so auch an das Tabu erinnern. Diese beiden Ausstellungsteile lassen sich miteinander kombinieren, könnten aber auch jeweils für sich stehen.

Text: Lea-Maria Brinkschulte

Foto: David Peters / Sammlung Arial Muzikant

tip-Bewertung: Sehenswert

Alles hat seine Zeit. ?Rituale gegen das Vergessen Jüdisches Museum, ?Lindenstraße 9–14, Kreuzberg, ?Mo 10–22 Uhr, Di–So 10–20 Uhr, bis 9.2.

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