Comic

Anerkannte Kunstform

Drei Ausstellungen würdigen aktuell auf unterschiedliche Art und Weise die Kultur des Comics – Es geht um Feminismus, die Geschichte der deutschen Demokratie und die Relevanz zeitgenössischer Gestaltung

Ein Wimmelbild des Berliner Grafikers Henning Wagenbreth Foto: Henning Wagenbreth

Comics im Bundestag –das hätten sich die Urväter des deutschen Parlamentarismus wohl nicht träumen lassen, nicht nur weil der Comic, wie wir ihn kennen, vor gut 150 Jahren gar nicht existiert hat. Noch vor einer Generation wäre eine Ausstellung wie die des Hamburger Zeichners Simon Schwartz in den heiligen Hallen der deutschen Demokratie eher schwer vermittelbar gewesen. Zu verpönt, zu populär, zu banal, hätten viele geschimpft.

Heute ist die Situation denkbar anders, wovon aktuell drei Ausstellungen zeugen, die die Vielfalt der Comics feiern. Ob als einzigartigen visuellen Informationsträger, nationales Kulturgut oder eigenständige Kunstform. 

Im Auftrag des Kunstbeirates des Deutschen Bundestags wählte Simon Schwartz, der zuvor Comics über Republikflucht, Polarforscher und Zarentöchter gezeichnet hat, die Biografien von 45 Politikern und Politikerinnen aus, vom Parlament der Paulskirche im Jahre 1848 bis zur Wiedervereinigung 1990. Vom Revolutionär Robert Blum über den Agitator und Reformer Otto Rühle bis zu Regine Hildebrandt und Petra Kelly. Den Parlamentariern widmet Schwartz jeweils eine einseitige
Comicbiografie, die bei Avant in Buchform erschienen ist und von der Ausstellung im Bundestag ergänzt wird.

Etwas weniger staatstragend, aber nicht minder wichtig, kündigt sich die Ausstellung „Transit-Zonen: Henning Wagenbreth in der Kunstbibliothek“ an. 

Der Berliner Grafiker und Comickünstler hat ausgehend von der Frage: „Welche Relevanz haben Vorlagensammlungen in Zeiten der elektronischen Bilderflut für zeitgenössische Gestaltung“ 40 historische Werke neben 80 eigene Arbeiten gestellt. Damit schuf er einen individuellen Bilderkosmos, der Bezüge zwischen unterschiedlichen Bildtraditionen herstellt und eine künstlerische Erforschung der Sammlung erlaubt. Katalog und Veranstaltungen ergänzen das Vorhaben.

Auch in Schweden hat man die Bedeutung von Comics erkannt und sie als exportfähiges Kulturgut auserkoren. „SIE kommen! …mit neuen Comics aus Schweden“ heißt die neue Ausstellung im Felleshus. Dabei stehen vor allem weiblichen Comicfiguren sowie Comicautorinnen im Fokus, deren Bücher teilweise auch ins Deutsche übersetzt wurden. Wie jene von Daria Bogdanska oder die feministisch aufgeladenen Comics von Liv Strömquist („Der Ursprung der Welt“ und zuletzt „Im every woman“). Hier sind ebenfalls ergänzende Veranstaltungen geplant.

Simon Schwartz: „Das Parlament“
Abgeordnetenlobby des Reichstagsgebäudes, Platz der Republik 1, Mitte, bis 31.8., Infos unter www.kunst-im-bundestag.de

„Transit-Zonen: Henning Wagenbreth“
Kunstbibliothek, Matthäikirchplatz 6, Tiergarten, Di–Fr 10–18 Uhr, Sa+So 11–18 Uhr, bis 28.7.

„SIE kommen! … mit neuen Comics aus Schweden“
Nordische Botschaften, Rauchstr. 1, Tiergarten, Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa+So 11–16 Uhr, bis 19.6. 

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