Ausstellungen

Via Lewandowsky mit „Applaus“ im Haus am Waldsee

Lewandowsky_Foto_Bernd_BorchardtWaren Sie schon einmal in einem Museum und haben vor einem Bild innegehalten und Beifall geklatscht? Waren Sie schon einmal in einer Galerie und haben mitangehört, wie bei einer Eröffnung das staunende, ergriffene Publikum die Rotweingläser, Sektkelche oder Bierflaschen abstellte, um gemeinsam einer Skulptur, einem Bild in Öl auf Leinwand, einer Videoinstallation oder einer anderen Form bildender Kunst zu applaudieren? Sind Sie vielleicht schon einmal in einer Kirche gewesen und haben klammheimlich vor einem Altarbild die Hände zusammengeschlagen?
Nein? Dann sind Sie in bester Gesellschaft von uns Ignoranten, die wir schweigend vor der großen und kleinen Kunst stehen und uns innerlich verneigen, hier und dann einen Satz der Bewunderung oder Verachtung von uns geben, aber ansonsten still das Weite suchen.
Natürlich hinken all die Vergleiche, und es ist ungerecht, dass nur Musikern oder Schauspielern die Ehre des Beifalls zuteil wird. Sicher, man könnte lachend abwinken bei der Vorstellung, man könne im Atelier eine Zuschauertribüne aufbauen und das Publikum applaudiere bei einem besonders gelungenen Pinselstrich, obwohl man ja nicht wissen kann, was in der Kunst noch alles passieren wird. Es hat zwar schon Action-Painting gegeben. Aber durchgesetzt hat sich das nicht.
Es gibt also gute Gründe, die Beifall und bildende Kunst ausschließen. Man sollte aber durchaus darüber nachdenken, ob die beiden Teile, Kunst und Publikum, nicht doch so kommunizieren könnten. Schließlich weiß man ja, wie unterschiedlich Beifall sein kann. Man kann sogar mit Beifall seine Enttäuschung ausdrücken. Das hört sich dann so an, wenn ein Publikum nach kurzem gemeinsamen Klatschen gleichzeitig diese Tätigkeit einstellt. Man kennt den enthusiastischen Beifall, der nicht enden will, wenn das Publikum mehr haben will, als es schon bekommen hat. Man kennt selbstverständlich den ehrenden Beifall, der die seriöse Variante der Zustimmung ist. Wer hat nicht schon Beifall geklatscht und zwischendurch gegähnt, wer hat nicht das Gefühl genossen, nach einem ausdauernden Begeisterungssturm langsam ermüdend mit immer weniger Schlägen die Orgie einzeln tröpfelnd zu beenden? Und dann steht immer noch einer auf und will immer noch keine Ruhe geben.
Ach, es gibt so viele Gemeinschaftserlebnisse, die in rhythmischem Klatschen endeten, in auf- und abschwellendem Geräusch, das nur entsteht, wenn man sich in die Hände schlägt. Und all die schönen Erinnerungen soll man nicht haben, wenn man vor einer Skulptur von Jeff Koons kniet, vor Alberto Giacometti verharrt und Albert Oehlens Gemälden erstarrt?
Via_Lewandowsky_SelbsporträtDas kann und darf nicht sein und muss sich ändern, dachte sich Via Lewandowsky. Er ließ durch das Haus am Waldsee in der Berliner Kulturszene herumtelefonieren, um zu erfragen, ob dieser oder jener bereit sei, Besuch von dem Künstler zu bekommen, um ein paar Takte individuellen Beifalls zu bekommen. Bewaffnet mit einem kleinen Tonbandgerät stand er dann auch in meinem kleinen Redaktionsstübchen und bat um Beifall. Er hat ihn bekommen und war durchaus von meiner Performance begeistert, sodass er äußerte, daraus könne ein Solo werden. Er habe nämlich schon bei so einem Termin erlebt, dass ein Mitarbeiter im Kulturbetrieb einmal in die Hände klatschte und das schon für eine solche Aktion angemessen hielt.

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Text: Qpferdach

Foto: Bernd Borchardt

Via Lewandowsky Applaus,
Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, Zehlendorf, tgl. 11-18 Uhr,
So 9.11. bis 28.12.2008,
Eröffnung: Sa 8.11., 12 Uhr

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