Ausstellungen

Aram Bartholl und der öffentliche Raum

bartholl_aramDank unzähliger Street Artisten verzieren auffällige Plakate, riesige Installationen und Schablonen die Straßen und Wände der Großstädte weltweit. Wesentlich dezenter sind da Aram Bartholls sogenannte „Dead Drops“, digitale tote Briefkästen. Im letzten Jahr begann der seit den 1990er-Jahren in Berlin lebende Künstler, auf den Straßen New Yorks USB-Sticks in Wänden und Mauern zu befestigen. Leere Datenträger, lediglich versehen mit einer Textdatei, in der er sein Konzept erläutert: Die Sticks sind für jeden, der sie findet, für den freien Datenaustausch zugänglich. „Spontan, aber in einer Linie mit bisherigen Arbeiten“ sei ihm die Ideen dazu gekommen, sagt der 38-Jährige. Ein dead drop gleicht also einer Wundertüte: Man weiß nie, was man kriegt. Ein Bruch mit den sonst eher analogen Konzepten seiner Künstlerkollegen. Und da Bartholl auch andere dazu einlädt, dead drops zu kreieren, beläuft sich die Zahl der Wundertüten mittlerweise auf 460 Stück weltweit, 16 davon in Berlin. Ist er selbst neugierig und schaut, was sich auf den Sticks befindet? „Manchmal“, erklärt er.

Die Auseinandersetzung mit der Kombination von Digitalem und Realem ist seit jeher Thema in Aram Bartholls Werken. Bereits 2006 begeisterte er Ausstellungsbesucher mit selbstgebastelten Brillen, die den Träger in die Perspektive eines EgoShooters versetzten. Nun lässt er das, was tagtäglich millionenfach über das Internet geschieht, in der Realität stattfinden: der anonyme Datenaustausch. Nahezu jeder hat mal etwas im Internet heruntergeladen, fast keiner weiß, wer oder was die Quelle dieser Daten ist. Bei den dead drops handelt es sich um das gleiche Prinzip, nur eben jenseits der digitalen Weiten des Internets, auf der Straße.

Eine Begleiterscheinung, die dem Konzept der Vereinigung von Digitalem und Realem zuträglich ist, viele potenzielle Nutzer aber abschreckt, ist die Angst vor Computerviren. Denn davor ist man hier, genauso wie im Internet selbst, nicht gefeit. Die Lösung liegt selbstverständlich in vernünftiger Antiviren-Software. Sollte man also jemanden erspähen, der seinen Laptop mit einer Wand verbindet, sollte man ihn nicht gleich für verrückt erklären, sondern lieber den eigenen Laptop herausholen, und sich überraschen lassen.

Text: Josef Dube

www.deaddrops.com, www.datenform.de

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