Ausstellungen

Arbeiten von Jinran Kim im Su de Coucou

LenaBraunOb Lena Braun (Foto) auf die Knie gehen wird, ist noch nicht sicher. In jedem Fall will sie gemeinsam mit Jinran Kim eine Seifenperformance zeigen. Die koreanische Künstlerin Kim hat die zu ihrem „Soap Project“ gehörende „Übung in Vergeblichkeit“, bei der ein Performer einen aus 2?500 Stück Seife bestehenden Boden mit einem nassen Tuch wischt, schon in Tokio, Amsterdam und auch in Berlin gezeigt. Doch das Knien, diese Übung in Demut, ist nicht Lena Brauns Sache. Deshalb arbeitet sie noch an der Dramaturgie. Angefangen hat sie 1988 mit der Galerie Bichette in der Fürbringer Straße in Kreuzberg. Sie war mit ihrem Barbie Deinhoff‘s am Schlesischen Tor, bevor alle gemerkt haben, wie toll es da ist („Ich bin aus dem Wrangelkiez weg wegen der 800-Euro-Kinderwagen.“). Und auch Nord-Neukölln hat sie entdeckt, bevor die Bioläden kamen. „Ich mag ein intaktes Umfeld“, sagt sie. Im Juli 2009 zog sie mit ihrer Galerie Su de Coucou in die ehemalige Tuk Tuk Thai Karaokebar. Hier wird sie im April ihren 50. Geburtstag feiern, zu ihrem Alter stehen und trotzdem gern das Kompliment hören, sie sehe sehr viel jünger aus. Was auch stimmt.

Lena Braun aka Barbie Deinhoff ist nicht nur Kuratorin, sondern auch bildende Künstlerin und vor allem unerschrockene Performerin. Als Galeristin fördert sie vor allem junge, noch unbekannte Künstler, die sie beispielsweise auf UdK-Rundgängen entdeckt. Bei ihr beginnen die Preise für ein Werk bei 160 Euro. Und sie stellt in der Mehrzahl Arbeiten von Frauen aus, ohne das zum Programm zu erheben. Jinran Kim, Jahrgang 1968, passt nur bedingt in dieses Profil, denn die in Seoul und Berlin lebende Künstlerin ist durch viele Ausstellungen schon relativ bekannt und ruft deutlich höhere Preis auf. Lena Braun hat sie trotzdem für eine Soloschau ausgewählt, weil sie Verbindungen zu ihrem eigenen Werk erkennt. „Wir arbeiten beide mit biografischen Elementen von uns und anderen. Es geht um die Integration der eigenen Biografie und Person ins Werk, ausgehend vom Körper, von seiner Präsenz und Stofflichkeit.“

Jinran Kim macht „Zeitmöbel“: aus edlen Hölzern geschnitzte Schautruhen für abgeschnittene Fuß- und Fingernägel und benutzte Slips. Sie schafft mit der Serie „Last Matress“ Matratzen, die wie schöne Gemälde an der Wand hängen, obwohl die Leinwände die Körperflüssigkeiten ihrer Benutzer über Jahre aufgesogen zu haben scheinen – was Kim mit Farben aus Erdmaterialien erreicht. Und sie arbeitet mit Seife, einem Material, das in der Kunst kaum Verwendung findet, aber beim Vorgang des Waschens die Grenzen des Körpers umfließt und kleine Teile der Haut einfach abträgt. Intimität und Erinnern, das sind zwei Themen, die das Werk von Jinran Kim durchziehen. Die arbeitet dabei immer auf mehreren Ebenen. Ihre Kunst ist sinnlich und unmittelbar zugänglich, dahinter stehen aber ganz genau durchdachte Konzepte.

Text: Stefanie Dörre

Remember me: Jinran Kim WerkschauSu de Coucou, Weserstraße 202, Neukölln,
Mo–Sa 14–19 Uhr, 4.3.–28.4.

Mehr über Cookies erfahren