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Art dйco im Bröhan Museum

Art dйco im Bröhan Museum

Die funktionale Ästhetik des Art dйco hat vor allem in der Zwischenkriegszeit Designklassiker erschaffen – mit richtungsweisenden Produkten wie Hermann Gretschs weißem Kaffeeservice für Arzberg oder Wilhelm Wagenfelds Aufbewahrungsset Kubus.
Trotzdem ist eine genaue Abgrenzung zu den anderen Richtungen der Zeit, wie Bauhaus oder Funktionalismus, nicht so einfach. Zu fließend sind die Übergänge, zu unterschiedlich die Strömungen in den anderen europäischen Ländern. Auch der genaue Übergang von Jugendstil zum Art dйco in den 1920er-Jahren ist schwer festzulegen.
Im Bröhan-Museum wurde bis vor Kurzem beides zusammen präsentiert, dann hat Kurator Tobias Hoffmann den Art dйco vom Jugendstil im Erdgeschoss getrennt, die Sammlungen neu geordnet und zeigt ihn jetzt im 3. Obergeschoss allein. Die Verbindung ignoriert er dabei nicht: „Natürlich haben schon Jugendstil-Künstler mit Geometrieformen gearbeitet. Aber gerade in Deutschland setzten Technik, Kunst und Massenproduktion doch eine Zäsur hin zum funktionaleren Art dйco.“
Für die Neuorientierung der Sammlungspräsentation hat der Kurator die unterschiedlichen Entwicklungen in Frankreich, Österreich und Deutschland seit dem Ersten Weltkrieg verglichen. Allein an den gezeigten Luxus-Silber-Objekten aus Frankreich lässt sich das selbstbewusste Auftreten der Gewinnernation ablesen: Das französische Bürgertum hatte wieder Geld und Statusbewusstsein.
Frankreich gegenübergestellt sind im Bröhan jetzt Keramik-, Glas- und Metall-Produkte aus Österreich -das gerade seinen Weltreich-Status verloren hatte. Die gezeigten Objekte der Wiener Werkstätte sind entsprechend zurückhaltend: „Ein wenig wie Objekte auf der Sinnsuche“, so Hoffmann.
Oberhalb auf der umlaufenden Galerie dann Deutschland, ebenfalls auf der Kriegsverliererseite, mit viel Keramik und Porzellanware. Von künstlerischer Seite war oft bereits eine möglichst günstige Massenproduktion im Entwurf mitgedacht worden, was in Frankreichs Silberschmieden niemanden interessierte. Aber trotz oder gerade weil Mangel herrschte, war deutsches Design in dieser Zeit oft innovativ und zukunftsorientiert.
Ebenfalls neu im Haus ist die Sonderausstellung zu einem der wichtigsten Protagonisten des Jugendstils, Hans Christiansen, der lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Dabei ist der Mitstreiter von Peter Behrens und Joseph Maria Olbrich auch Mitgründer der Darmstädter Künstlerkolonie und Cover-Gestalter der Zeitschrift „Jugend“ gewesen.
Zu sehen sind 50 Gemälde, Plakate, Modeentwürfe, Tapisserien, Gläser, Keramiken, Schmuck und Möbelensembles des gebürtigen Flensburgers, der schon zu Lebzeiten als Künstler verschwand: Wegen der Treue zu seiner jüdischen Frau Claire Guggenheim wurde er ab 1933 nicht mehr veröffentlicht oder gar ausgestellt.

Text: Iris Braun

Foto: Ronald Gerhardt, Broehan Museum Berlin

Bröhan-Museum Schloßstraße 1a, ?Charlottenburg, ?Di-So 10-18 Uhr, ?ab 19.2.: Retrospektive ?Hans Christiansen

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