Ausstellungen

„Asia Looking South“ in der Galerie Arndt

FX_Harsono_Writing_in_the_rainAuf einer gewaltigen 2,75 Meter langen Schaufel hocken drei Krähen, die bedrohlich an Hitchcocks „Vögel“ erinnern. Der Indonesier Agus Suwage erweist sich als ausgesprochen vielseitig in der aktuellen Schau der Galerie Arndt, doch das Memento mori scheint ihn nicht loszulassen: Da ein Schädel, dort räkelt sich ein Skelett mit übergroßen Gliedmaßen auf dem Parkett.

„In Thailand, auf den Philippinen, in Malaysia, Singapur und Indonesien hat sich eine der weltweit aufregendsten Kunstlandschaften entwickelt, die mir in den letzten Jahren begegnet ist“, resümiert Galerieleiter Matthias Arndt. Die erheblichen Umwälzungen, verursacht durch die Globalisierung in diesen Ländern, spiegeln sich in ausdrucksstarken Werken. So schreibt der chinesischstämmige FX Harsono unablässig seine Signatur auf eine Scheibe, bis der Regen sie tilgt – Spiegel der unterdrückten Identität, wie sie die fast acht Millionen Überseechinesen in Indonesien jahrzehntelang erleiden mussten. Sein Landsmann Entang Wiharso spielt den clash of cultures ironisch durch: Sein „Temple of Hope“ zitiert asiatische Schreine, in die mannigfaltig die Amerikanisierung einer alten Kultur Einzug gehalten hat in Gestalt von Pin-up-Girls und einer durch den Omnibus verursachten Delle. Dem Tsunami von 2004 setzt Wiharso ein Denkmal in seinem riesenhaften Gemälde „Second skin and second landscape“, das in einen darwinistischen Alptraum ausartet. Ein hochspannender Ausflug in eine produktive Kunstlandschaft.

Text: Martina Jammers

Foto: FX Harsono/Writing in the rain (Galerie Arndt)

tip-Bewertung: Herausragend

Asia Looking South Galerie Arndt, Potsdamer Straße 96, Tiergarten, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 27.10.2011

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