Ausstellungen

Atelierförderung in Berlin

misha_bolourie_atelier_reichenbergerstrasse_kreuzberg2_c_MishaBolourieErst als die grün bemalten Nackten auftauchten, erhellte sich das Gesicht des offensichtlich genervten Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen. Zur Eröffnung der Otto-Dix-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie hatte eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern die gut besuchte Vernissage genutzt, um auf den Ateliernotstand in Berlin aufmerksam zu machen. „1925 hatte Otto Dix ein Atelier in Berlin, 1991 hätte er keins“, stand auf den nackten grünen Bäuchen. Die Protestperformance vor über zwanzig Jahren war einer der zahlreichen Auftritte der damals gerade gegründeten Initiative gekündigter Künstlerinnen und Künstler, die mit fantasievollen Aktionen für den Erhalt und die Schaffung von Künstlerateliers in Berlin kämpfte.

Als im Zuge des Berliner Gründerrausches Bezirke wie Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg plötzlich heiß begehrt waren, stiegen die Gewerberaummieten sofort auf das Drei- bis Zehnfache. Im Oktober 1991 wurde die Stelle des Atelierbeauftragten geschaffen, zuerst besetzt mit Bernhard Kotowski, heute Geschäftsführer des Kulturwerks im bbk Berlin. In Zusammenarbeit mit der Künstlerinitiative und dem Kultursenat entstand dann 1993 das damals noch „Ateliersofortprogramm“ genannte Atelierprogramm, das zurzeit über 830 geförderte Ateliers und Ate­lierwohnungen verfügt. Angesichts der Nachfrage ist das bei Weitem nicht genug. „Liegenschaften zu finden ist ein zähes Geschäft“, so Bernhard Kotowski. „Wichtig wäre, dass sich die Bauverwaltung des Senats um Atelierstandorte kümmert und den Flächenbedarf für Kunst und Künstler berücksichtigt.“

Die neue streitbare Künstlerinitiative Koalition der Freien Szene fordert eine substanzielle Aufstockung der disponiblen Mittel im Kulturetat sowie einen Anteil der zu erwartenden Einnahmen durch die City Tax für die freie KünstlerInnenszene. Denn die ist es, die den besonderen Reiz und die Identität der Hauptstadt ausmacht. Es gibt noch viel zu tun, doch das zwanzigjährige Bestehen des Atelierprogramms, das in Deutschland einmalig ist, wird das Kulturwerk der Künstlergewerkschaft mit einer großen Party ordentlich feiern.

Text: Constanze Suhr

Foto: Misha Bolourie

20 Jahre Atelierprogramm Party am Fr 11.10. ab 19 Uhr in der Bildhauerwerkstatt, Osloer Straße 102, Wedding.

Am gleichen Tag Start der Internetseite www.berlin-studio-program.de mit einer Dokumentation und Interviews von Vadim Schäffler

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