Kommentar

„Ateliers: Eine Frage der Lage“ von Iris Braun

Es gibt Bieterwettbewerbe, die sind von der öffentlichen Hand nicht zu gewinnen, nicht in Berlin und schon gar nicht, wenn es um innenstadtnahe Flächen mit altem Industriecharme wie die Weddinger Uferhallen geht

Iris Braun

Die ehemaligen BVG-Werkstätten haben, erst verkauft, dann kreativ aufgewertet durch dort arbeitende Künstler, ihren Wert jetzt bis weit über die Schmerzgrenzen der Senatskasse hinaus vermehrfacht. Projektentwickler mit größeren Schatullen dagegen haben nicht lange gefackelt – und jetzt fragen sich 50 Künstler auf dem Gelände, wie es nach dem Verkauf weitergeht. Von der „behutsamen Entwicklung“, die das Ganze laut Investorengruppe nehmen soll, ist man dort nicht überzeugt, ebenso wenig wie von der „weiteren kulturellen Nutzung“, hinter der sich doch meist eher die Idee der Co-Working-Spaces verbirgt als die des wenig rentablen Künstlerateliers.
Dabei hatte der Senat kurz vorher noch in der Atelierfrage einen Punktsieg errungen, konnte sich mit den sichergestellten und sogar erweiterten Atelierflächen in einer großen Platte an der Prenzlauer Promenade näher an das Ziel, bis zum Jahr 2020 stolze 2000 neue Ateliers zu schaffen, heranarbeiten. Aber wie schwierig es wirklich wird, wenn Saurons Blick erst einmal auf eine denkmalgeschützte Preziose wie die Uferhallen gefallen ist, zeigt sich jetzt – und was Investoren unter „Weiterentwicklung ohne Eile“ verstehen dann sicher auch bald.

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