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Auf Augenhöhe begegnete die Fotografin Ursula Böhmer Kühen aus 25 Ländern

UB_GB_Highland_03_c_UrsulaBoehmerMit ihrem strubbeligen Fell und den langen nach oben gebogenen Hörnern sieht das flämische Rind noch seinem Vorfahren, dem Auerochsen, ähnlich. In den 1980er-Jahren kamen Ursula Böhmer zum ersten Mal heimische Kühe vor die Linse. Und sie staunte später beim Entwickeln der Bilder über den ausdrucksstarken Tierblick. „Kuhäugigkeit“ war für Frauen im antiken Griechenland noch eine schmeichelhafte Bezeichnung, mit der sogar die Gattin des Zeus bedacht wurde. Doch aus dem Mitgeschöpf oder sogar göttlichen Wesen wurde industriell gefertigtes Nutzvieh, Kapital auf Beinen, eine effiziente Maschine zur Umwandlung von Gras in Milch oder Fleisch. Außer in der hinduistischen Gesellschaft genießt es kein hohes Ansehen mehr.

In Böhmers Porträts erhalten die Kühe nun wieder Individualität. Mit stoischem Blick oder leicht schräg gestelltem Kopf, gefurchten Augenbrauen oder mit Grasresten und Spucke an den Lippen wenden sie sich der Linse zu, manche mit Glocken behängt oder mit Ketten fixiert. Etwa das bulgarische Rind mit seinen großen dunklen Augen oder die spanische Kuh mit der leicht versetzten Beinhaltung, als überlegte sie, ob sie zurückweichen oder in den Angriff übergehen sollte. Durch die auffallende Untersicht, mit der Böhmer die Kühe im Bild festgehalten hat, entsteht nicht nur ein intensiverer Blick. Es wirkt fast wie eine Verbeugung vor dem Tier, das vom Menschen derart degradiert wurde.

Text: Constanze Suhr

Foto: Ursula Böhmer

tip-Bewertung: Sehenswert

Ursula Böhmer – All Ladies Museum Neukölln, Gutshof Britz, Alt-Britz 81, Di–So 10–18.30 Uhr, bis 20.4.

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