Ausstellungen

„Ausgewählt: Gina Burdass“ in der Akademie der Künste

BurdassGina Burdass hat einen Führerschein. Das ist die wichtigste Qualifikation, um Assistentin von Bridget Riley zu werden. Und ein Workaholik sollte man auch sein. Die führende Vertreterin der Op-Art, inzwischen 80 Jahre alt, arbeitet achtzehn Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Da konnte Burdass mithalten und hatte den Job. So kam es, dass sie und Bridget Riley zwischen 1986 und 1991 häufig zusammen mit dem Auto in Südfrankreich unterwegs waren – die Britin Riley hat ein Atelier im Vaucluse-Tal –, die Landschaft betrachteten und über Farbe sprachen.

Wobei man sich einen Trip mit der von Farbe besessenen Bridget Riley nicht so vorstellen darf, dass man sich Blumen ansieht, und sagt: schönes Rot. Sie kann in einer kargen Felslandschaft die verschiedensten Schattierungen von Pink erkennen. „The art of looking“, nennt Riley das. Und diese Kunst des Sehens hat Gina Burdass bei ihr gelernt.
Riley ist seit 2004 Mitglied der Akademie der Künste, die letzten Sommer mit der jährlichen Ausstellungsreihe „Ausgewählt“ begann. „Artist’s Choice“ ist ein angelsächsisches Format, Künstler stellen Künstler vor. So sind die Arbeiten von Gina Burdass nach Berlin gekommen.

Ihr Werk ist nicht allein in Deutschland relativ unbekannt. Nur eines der jetzt ausgestellten Gemälde hing jemals in einer Galerie, wie sie freimütig erzählt. Alle sind sie noch im Besitz der Künstlerin. Orange, Gelb, Grün, Violett, viel Weiß – die abstrakten Gemälde zeigen klare, frische, heitere Farben. Die Leinwand ist immer in Quadrate oder Rechtecke aufgeteilt. Burdass will verstehen und zeigen, wie Farben wirken und sich im Nebeneinander verändern, in den Vordergrund oder Hintergrund treten. Dabei folgt die 1951 geborene Londonerin keinem vorgefassten Plan. „Ich beginne mit Blättern, auf die ich die einzelnen Farben aufgetragen habe, und halte sie nebeneinander, um herauszufinden, wie sie im Zusammenspiel wirken“, erklärt sie. Zum Himmel strebend erscheint eines ihrer Bilder, in dem die weiße Farbe die Vertikale dominiert. Auf dem um 90° gedrehten Zwillingsbild – die weiße Linie in der Horizontalen – sehen die identischen Farbflächen bedeutend schwerer aus.

Die Schau präsentiert auch Rileys Wandgemälde „Composition with Circles 5“ zum letzten Mal, bei der Sanierung des Hauses im kommenden Jahr wird es zerstört. Noch bilden auf der großen weißen Fläche schwarze Kreise, im Format von Hula-Hoop-Reifen, Schnittmengen. Bei Riley bringt nicht nur die Farbe, sondern auch die geometrische Anordnung die Bilder zum Tanzen. Das machen die rechteckigen Flächen bei Burdass nicht. Doch es sind gerade die Strenge und Hartnäckigkeit, sich immer wieder mit dem gleichen Grundmuster den Fragen und Möglichkeiten der Farbe zu stellen, die Riley an Burdass‘ Werk wichtig findet.             

Text: Stefanie Dörre

Foto: Peter Abrahams/Gina Burdass

Ausgewählt: Gina Burdass Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Mitte, Di–So 11–20 Uhr, bis 14.8.2011, Eintritt frei

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