Ausstellungen

Ausstellung: Moving Images from India

Es zirpt, quakt und trillert von der Fassade des Deutschen Guggenheim Unter den Linden. Und irritiert Passanten: Wo sind wir hier, im Großstadtdschungel? Die indischstämmige Künstlergruppe Desire Machine Collective hat für ihre interaktive Soundinstallation „Trespassers Will Be Prosecuted“ Urwaldgeräusche aus den heiligen Wäldern von Mawphlang im Nordosten Indiens eingefangen und nach Berlin getragen. Der Hintergrund der sinnlichen Arbeit ist ernst. Die Region ist Austragungsort eines erbitterten Konflikts um Kohle und Öl. Die Klänge versetzen die Vorbeigehenden in einen weit entfernten Urwald, der dem Kampf um Rohstoffe weichen wird.

Die Ausstellung „Being Singular Plural“ kommt alles andere als typisch indisch rüber. Es gibt keine Tempel, keine Ghandi-Spinnräder. Vielmehr präsentiert Kuratorin Sandhini Poddar, die 2008 mit ihrer „Anish Kapoor“-Schau Aufmerksamkeit erregte, aktuelle Positionen indischer Film- und Videokünstler in einer klug durchdachten, bewusst kühlen Ausstellungsarchitektur. Die vier künstlerischen Positionen bedienen keine Bildklischees, sondern widmen sich drängenden Themen des asiatischen Raumes. Wobei jeder Künstler seinen ganz eigenen Ansatz verfolgt.

Wohl der politischste und international bekannteste der Künstler, Amar Kanwar, beschäftigt sich in seiner vierteiligen Video-Arbeit „The Torn First Pages“ (2004/08) mit der birmanischen Diaspora in den USA und erzählt, dank geschmuggelter Footage, vom zivilen Widerstand unter dem brutalen Militärregime in Birma, heute Myanmar. Etwa die Geschichte eines Buchhändlers, der aus Protest gegen die Diktatur aus allen Publikationen in seinem Geschäft die erste Seite herausriss, auf der die Regierung dem Volk die politischen „Regeln“ einbläut. Der Buchhändler wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.Kanwars aktivistische Bilder, elegant projiziert auf in Stahlkonstruktionen schwebenden Papierbögen, knüpfen an die Ästhetik des Kinos an, kombiniert mit den Mitteln der Installation und den Strategien von Videokunst.
Auch den räumlichen Gegebenheiten geschuldet, kann die Schau nicht viel mehr als Appetit anregen, und gibt doch einen klaren Eindruck von der spannenden Kunstszene Indiens jenseits von Bollywood und heiligen Kühen.    

Text: Laila Niklaus
Foto: Guggenheim/Desire Machine Collective and Mriganka Madhukaillya

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Being Singular Plural: Moving Images from India
Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13/15, Mitte, tgl. 10-20 Uhr,
bis 10.10.2010

weitere Rezensionen:

AMPERSAND IN DER DAIMLER KUNST SAMMLUNG

HAITIANISCHE VODOU-KUNST IM ETHNOLOGISCHEN MUSEUM (bis 10.10.)

FISCHGRÄTENMELKSTAND IN DER TEMPORÄREN KUNSTHALLE (bis 31.8.)

KUNST UND MUSEEN IN BERLIN VON A BIS Z 

 

Mehr über Cookies erfahren