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Ausstellung zum 100. Geburtstag von HAP Grieshaber

HAPSpektakulär vollzog sich HAP Grieshabers Osterritt. Im Jahre 1963 sattelte er sein Pferd und trabte wie ein Mythos zu Lebzeiten durch Schwaben – 150 Kilometer von seinem Wohnort Reutlingen bis zu seinem Geburtsort Rot an der Rot, machte Station bei Klöstern und Dorfkirchen des Mit­telalters, wobei er um den Barock einen großen Bogen machte. Abends saß dann der schwäbische Kauz und Don Quichotte mit den Bauern gemeinsam am Tisch und philosophierte.

Die Erträge dieser viel gerühmten wie viel belächelten Aktion flossen ein in seine Mappe „Der Osterritt“ mit 39 Holzschnitten. Der Osterritt war nicht zuletzt ein Ausflug in die Vergangenheit der schwäbischen Bauernkriege, wobei er seinem großen Vorbild Jörg Rathgeb (1480–1526) begegnete. HAP Grieshaber (1909–1981) gilt als der bedeutendste Holzschneider der Nachkriegszeit. Ihm kommt das Verdienst zu, den als altfränkisch geltenden Holzschnitt neuerlich mit einer Bedeutung und Aura aufgeladen zu haben, die dieser seit seiner Blüte in der Reformationszeit nicht mehr genossen hatte. Schon Ernst Barlach hatte erkannt, dass der Holzschnitt eine Affinität zur Botschaft und zum Bekenntnis besaß. Die markante Rolle des Holzschnitts in unruhigen und hochpolitischen Zeiten, die Direktheit seiner Bildsprache – das zog den jungen Helmut Andreas Paul Grieshaber instinktiv an. In seinem Blatt „Berolina“ widmet er sich der legendären Luftbrücke für Berlin 1948/49, als die Rosinenbomber die Versorgung der Bevölkerung gewährleisteten. Übrigens zählt Grieshaber zu den ganz wenigen Künstlern, die nach 1949 auch in die Kunst der DDR hineinwirkten. Seine Bildsprache machte dort nachhaltig Schule: In vielen Kinderbüchern finden wir seine Kompositionen zu Texten von Pablo Neruda.

Text: M. Jammers

HAP Grieshaber 100 – Zeitgeschehen und Natur Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank, Budapester Straße 35, Tiergarten,
tgl. 10-18 Uhr, bis 19.4.2009

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Stefan Panhans in der Galerie Olaf Stüber

Jozef Robakowski im Polnischen Institut

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