Ausstellungen

Aktuelle Ausstellungen in Berlin: Was sich lohnt, neu ist und endet

Die wichtigsten neuen Ausstellungen: Berlins Kunstwelt ist immer in Bewegung. Was es Neues gibt, was sich weiter lohnt und wo ihr noch unbedingt hin müsst, bevor es zu spät ist, lest ihr hier. Claudia Wahjudi und Ina Hildebrandt geben Tipps für Kunst und die besten aktuellen Ausstellungen in Berlin.


Neu: Sounds of Water

Roger Alsop: „We are Water“

Nachdem sie das Gelände der ehemaligen Australischen Botschaft in Ost-Berlin 2019 einem Investor überlassen mussten, ist ein Teil der Künstler:innen aus dem dortigen Atelierhaus  zusammengeblieben. Sie veranstalten interdisziplinäre Ausstellung an verschiednen Orten. Mit dem mehrtägigen Festival „Sounds of Water“ bespielt die Ateliergemeinschaft Australische Botschaft (Ost) ab 19. August den Kleinen Wasserspeicher in Prenzlauer Berg. Künstler:innen wie Steffi Weismann und Adrian Gutzelnig spielen in Sound, Video und Performances mit dem Urelement des Lebens in all seinen Formen – vom natürlichen Wassertropfen bis zu mythologischen Wasserwesen. Dazu gibt es Lesungen und Konzerte. Während Workshops können Besucher:innen sich im Sirenengesang üben. Oder bei Aguahara, bei Aufmerksamkeitsübung im Wasser, die entspannende Wirkung dieses Elements auf Körper und Geist erleben.

  • Kleiner Wasserspeicher Diedenhofer Str., Prenzlauer Berg, 19.–28.8., Ausstellung 15–20 Uhr, Eröffnung der Ausstellung Fr 19.8. 18 Uhr, Eintritt frei, Programm hier

Neu: Goya. Yo lo vi – Ich sah es – I saw it

Francisco de Goya: „Los desastres de la guerra“, 1810-1820 80 Radierungen, gebunden Blatt 2: „Con razon ó sin ella“/ „ Zu recht oder zu unrecht“, Sammlung Julietta Scharf, Berlin Foto: Dietmar Katz, Berlin / Francisco de Goya / Sammlung Julietta Scharf, Berlin

Was Menschen Menschen antun, hielt vor Einführung der Fotografie Francisco de Goya fest. Anlässlich des Kriegs gegen die Ukraine zeigt das Museum Sammlung Scharf-Gerstenberg rund 35 originale Druckgrafiken und die vier berühmten Druckzyklen von Goya zu Krieg und gegen Armut, darunter „Los desastres de la guerra“, 1810-1820 (Abb.). Arbeiten, die in der Buchfassung vorliegen, sind als Projektion zu sehen, zudem gibt es eine Filmreihe.

  • Sammlung Scharf-Gerstenberg Schloßstr. 70, Charlottenburg, Di–Fr 10–18, Sa/So 11–18 Uhr, 10/ 5 €, bis 18. J. frei, Tickets hier, 19.8.–6.11.

Neu: Die 27. Rohkunstbau in Brandenburg

Rohkunstbau 2022, Isa Melsheimer „Walherz“, 2018, Keramik, Glasur, Stoff, 80 x 80 x 120 cm
Foto: Roland Horn / © Isa Melsheimer / Courtesy: Esther Schipper Galerie Berlin

Die Rohkunstbau ist umgezogen: in das Schloss von Altdöbern, Oberspree-Lausitz. Unter dem Titel „Zukunft – ins Offene“ zeigt Kuratorin Heike Fuhlbrügge 16 internationalen Künstler:innen und Architekt:innen. Unter anderem sind organisch-architektonischen Skulpturen von Isa Melsheimer (Abb.) dabei und Bronzen von Rainer Fetting, Fotografien von Zanele Muholi, die vor kurzem im Berliner Gropius Bau zu sehen war, und ein Beitrag von Ahmet Ögüt aus der Türkei, der öfter in Berlin ausstellt. Um das Schloss wächst ein herrschaftlicher Park, ein Café gibt es in der Orangerie des Schlosses, ein weiteres am Markplatz.

  • Schloss Altdöbern Am Park, 03229 Altdöbern, Sa–So 12–18 Uhr, 12/erm. 7 €, bis 12 J. frei, pro Stunde werden 50 Tickets online verkauft. An der Kasse gibt es dann nur die Tickets, die noch übrig sind.

Letzte Chance: On Equal Terms

Zentrale Ausstellungshalle der Uferhallen, Wedding © Uferhallen e.V. 2020

Und noch einmal, solang Sommer ist: am Sonntag, den 21 August, laufen auf dem Gelände der Uferhallen Filme aus dem Videoarchiv des Neuen Berliner Kunstvereins (.n.b.k.). Und das ist mit seinem rund 1.700 gesammelten Arbeiten berühmt, soll es doch, 1971, das älteste Europas sein. Die heutige Auswahl hat die Kultur- und Medienwissenschaftler Sophia Gräfe getroffen: Sie lässt Filme von Nevin Aladağ, Christoph Girardet / Volker Schreiner laufen und – von Wolf Kahlen, einem Berliner Videopionier, der in Berlin-Dahlem die Ruine der Künste gründete und dem in Bernau noch zu Lebzeiten ein Museum gewidmet ist.

  • Uferhallen Uferstraße 8, Wedding, Eintritt frei, Einlass ab 20 Uhr, Start 21 Uhr

Letze Chance: Die Neuen 2022

Fumiari Ogawa, „EROS“ 2018 Foto: Fumiari Ogawa

Acht neue Mitglieder hat der Verein Berliner Künstler dieses Jahr aufgenommen. Jetzt präsentiert er ihre Arbeiten in seiner neuen Ausstellung „Form.Vielfach – Die Neuen 2022“. Die Werke reichen von klassischer Holzbildhauerei über experimentellen Siebdruck bis zu digitalen Collagen. So druckt die polnisch-deutsche Künstlerin Kama Jackowska ihre abstrakten Bilder auf zartes Chinapapier. Katrin Salentin formt menschliche Körper mittels Bildmanipulationen zu grotesken Kreaturen, während Fumiari Ogawas Plastiken (Abb.) aus lackiertem Kunststoff geradezu davonzulaufen scheinen. (LMK)

  • Verein der Berliner Künstler Schöneberger Ufer 57, Tiergarten, Di–Fr 15–19/ Sa + So 14–18 Uhr, bis 21.8.

Letzte Chance: Fragmente des Krieges

Johanna-Maria Fritz/OSTKREUZ aus der Serie „Im Garten ein Grab“

Wenn auf einer geblümten Tischdecke neben Keksen wie selbstverständlich Patronenhülsen liegen, dann hat die maßlose Gewalt das alltägliche Leben in ihrem erdrückenden und zerstörerischen Griff. Die Fotografinnen Johanna-Maria Fritz, Helena Lea Manhartsberger und Laila Sieber machten sich zu Beginn des russischen Angriffskrieges auf in die Ukraine. In ihren Aufnahmen sind sie ungefiltert und ganz nah bei den Menschen.

  • Willy-Brandt-Haus Wilhelmstr. 140, Kreuzberg, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 21.8.

Letzte Chance: Opera Opera. Allegro man non troppo

Grazia Toderi: „Random“, 2001 Projektion, 4:3, Farbe, Loop 21:09 min Projection, 4:3, color, Loop, 21:09 min.
Foto: Grazia Toderi/VG Bild-Kunst, Bonn 2022 / Courtesy Fondazione MAXXI

Im Palais Populaire soll eine top besetzte Ausstellung Opera Opera ein Musikgenre zerlegen und wiederbeleben zugleich: die Oper. Sie ist großes Theater und Kulturerbe, das sich freundlich oder kritisch befragen, variieren, neu interpretieren lässt. So, wie es die 32 Künstler:innen und Architekten getan haben, deren Arbeiten im Palais Populaire der Deutschen Bank zusammenkommen, gleich neben der Staatsoper Unten der Linden. Auch diese Schau ist großes Theater. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Maxxi-Museum in Rom und dessen Kuratorin Eleonora Farina sowie Direktor Hou Hanru (der aktuell in Berlin auch Wong Pings Ausstellung im Times Art Center verantwortet). Die Beiträge sind ebenfalls von Rang und Namen: Modelle von Aldo Rossi und Renzo Piano, Installationen und Videos von Jimmie Durham, William Kentridge und von Rosa Barba. Die Berliner Künstlerin steuert eine neue Auftragsarbeit bei, mit Bild- und Klangfragmenten aus einem Musikarchiv.

  • Palais Populaire  Unter den Linden 5, Mitte, Mi–Mo 11–18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Zeitfenstertickets hier, bis 22.8.

Letzte Chance: New Gay Photography

Aus der Serie „The Pink Choice“: Trinh Quang Hieu mit seinem Freund Vu Toan Thang, Hanoi, Viet Nam am 28.6.2011.
Foto: Clifford Maika Elan

Eine Ausstellung basiert auf dem tollen Fotoband New Queer Photography: Der Berliner Art Director Benjamin Wolbergs hat 2020 in dem Buch „New Queer Photography“ (Kettler) 52 Positionen zum Thema versammelt. Basierend auf diesem Buch ist nun eine Ausstellung im Kreuzberger Fotoraum F3 zu sehen, einem Ausstellungsraum am Engelbecken, der sich der Autor:innenfotografie widmet. Viele der Teilnehmenden der Ausstellung stammen aus dem Underground, können aber inzwischen große Auftraggeber gewinnen, etwa Gucci oder die Vogue. Die Beiträge kommen sind international, dieses Foto machte Clifford Maika Elan in Vietnam.

  • F3 – Freiraum für Fotografie Waldemarstr. 17, Kreuzberg, Mi–So 13–19 Uhr, 5/ 3 €, bis 21.8.

Letzte Chance: Billy Childish

Billy Childish, they wanted the devil but i sang of god,neugerriemschneider, Berlin © neugerriemschneider, Berlincourtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin Foto:Jens Ziehe

Billy Childish ist Musiker und Poet und Maler. Das geht nicht immer gut, aber bei dem multitalentierten Briten schon. Seine introspektiven Gemälde sind mit dynamischer Farbgebung und teils flächigem, sich ins Abstrakte auflösendem Pinselstrich direkt auf rohe Leinwand gearbeitet. In den bei neugerriemschneider präsentierten Werken befasst sich sich der Künstler mit dem Motiv der unberührten Landschaft. Mal sind die übergroßen Gemälde träumerisch und leuchtend-leicht, mal grafisch-expressiv und mysteriös – in jedem Fall ziehen sie einen in sich hinein.

  • neugerriemschneider Linienstraße 155, Mitte, Di-Sa 11–18 Uhr, bis 20.8.

Letzte Chance: Chto Delat /Istvan Kantor

Istvan Kantor Serie „LATEST NEWS“. Foto: Istvan Kantor/KOW

„Was tun?“, heißt der Name des Petersburger Kollektivs „Chto Delat“, das in seiner Praxis Kunst, Aktivismus und politische Theorie zusammenbringt. Ihre einst geduldeten kritischen Stimmen finden dort keinen offenen Resonanzraum mehr – bleibt nur noch der Untergrund zum Denken, Arbeiten und Träumen? Was tun angesichts des Krieges, das verhandeln die Mitglieder zusammen mit anderen russischen Denker:innen in ihrer neuesten Videoarbeit, die sie in einer betretbaren Installation präsentieren. Parallel dazu werden Zeichnungen von Istvan Kantor gezeigt. Der kanadisch-ungarische Künstler bannt mit Kohlestift und kindlichem Strich Bilder aufs Papier, die mit ihrer Spannung zwischen Unbedarftheit und Brutalität eine Tiefe fern der medialen Bilderflut erzeugen.

  • KOW Lindenstraße 35, Kreuzberg, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 20.8.

Letzte Chance: Material Nation

„Licking war wounds“ von Andrii Dostliev, Lia Dostliev, 2016-2021 Foto: Andrii Dostliev, Lia Dostliev

Wie fühlt sich Sehnsucht nach einer Heimat an, die es nicht mehr gibt? Zum Beispiel weil man in einem Land geboren wurde, das nicht mehr existiert oder aktuell besetzt und zerstört ist. In Fotografien und Installationen nutzen Künstler:innen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa Kindheitserinnerungen an die Kriege auf dem Balkan und beschäftigen sich mit Transformationsprozessen der 90er-Jahre in den postsozialistischen Staaten.

  • Urania An der Urania 17, Schöneberg, Mi–So 12–18 Uhr, bis 21.8.

Letzte Chance: Vergoldet / Doré

Eckart Hahn, „Beauteousness“, 2011 Mixed Media. Foto: Eckart Hahn / VG-Bild Kunst Bonn

Es ist nicht alles Gold, was glänzt, aber Schweigen soll Gold sein? Die 25 Künstler:innen der Ausstellung auf Schloss Biesdorf, die von Gastkurator Harald F. Theiss ausgerichtet wird, setzen echtes und falsches Gold ein, um dem symbolischen Wert des Edelmetalls auf die Schliche zu kommen. Clemens Wolf hat einen Fallschirm vergoldet und Via Lewandwosky lässt einen Besen gülden leuchten. Auch Karin Sander, Michael Müller (Abb.) und Antje Blumenstein nehmen teil.

  • Schloss Biesdorf Alt-Biesdorf 55, Biesdorf, Mi/Do, Sa–Mo 10–18, Fr 12–21 Uhr, bis 21.8.

Letzte Chance: Marx und der Kapitalismus

„Das Kapital“, persönliches Exemplar von Karl Marx mit handschriftlichen Anmerkungen Verlag von Otto Meissner Hamburg, 1867 Foto: International Institute of Social History, Amsterdam / Verlag von Otto Meissner Hamburg, 1867

Der Denker Karl Marx war ein Mann der Widersprüche. „Im Werk von Karl Marx hat es kein theoretisches Gesamtkonzept gegeben“, sagt Sabine Kritter, wissbegierige Kuratorin, über die Ausstellung „Karl Marx und der Kapitalismus“ im Deutschen Historischen Museum. Eine steile These über das Gedankengut eines Philosophen, der die Gesellschaft bekanntermaßen säuberlich in Proletariat, Bourgeoisie und Kapital sortierte. Zudem hat er mit seinen Baukästen sehr statische Systeme wie die Planwirtschaften im kommunistischen Block des 20. Jahrhunderts hervorgebracht.

Die Ambivalenzen in seinem Werk herauszuschälen, soll hingegen das bestimmende Motiv im Parcours der DHM-Ausstellung sein. Marx verurteilte etwa Bluträusche von Konterrevolutionären, goutierte aber potenzielle Gewalt der Kommunarden aus der Arbeiterklasse. Seine Schrift „Zur Judenfrage“ war antisemitisch, zugleich war feindliche Gesinnung gegenüber Juden nicht wesentlich für sein Schaffen. Ausstellungsbesucher:innen müssen keine nerdigen „Kapital“- Scholastiker sein. „Es geht darum, das Marx’sche Denken und Handeln auch auf einfache Weise nachzuvollziehen“, sagt Sabine Kritter. Marx im Deutschen Historischen Museum: Das sagt die Kuratorin.

  • Deutsches Historisches Museum Unter den Linden 2, Mitte, tägl. 10–18 Uhr, 8/4 €, Infos & Tickets, bis 21.8.

Camilla Engström

Installationsansich Camilla Engstroem Foto: Roman MärzCourtesy of the artist and König Galerie Berlin|Seoul|Vienna

Von Camilla Engströms Gemälden geht eine geradezu glühende Hitze aus _ das lässt sich in den angenehm temperierten Räumen der König Galerie St. Agnes gut aushalten. Dabei muten die Landschaften in fluoreszierenden Geld- und Rottönen psychedelisch und spirituell an, sind von Arbeiten der schwedischen Künstlerin Hilma af Klint und der US-Amerikanerin Georgia O’Keeffe inspiriert. Die in Los Angeles lebende Engström verbindet die digitalen Techniken der flachen Paintbrush-Paintings mit klassischer Malerei, und erschafft so trotzdem eine Tiefe, der man sich hingeben möchte wie der wohligen Wärme der Sonne.

  • König Galerie St. Agnes Alexandrinenstr. 118–121, Kreuzberg, Di–So 12–18 Uhr, bis 4.9.

Alec Soth

Falter auf Orange. Foto: Alec Soth / Magnum Photos/Courtesy of LOOCK Galerie

Mit Reisegefährt:innen und seiner Großbildkamera fuhr Magnum-Mitglied Alec Soth 2019 erneut in die Mitte der USA, diesmal nicht nur, um zu fotografierten, sondern auch, um alte Fotos zu kaufen. Seine in den Reinbeckhallen luftig gehängte Ausstellung über diese Reise gleicht einem Road Movie in Standbildern, und ist doch ein Essay über Wert, Gewicht und Sinn von Fotos. Denn in Soths Bildern machen auch die Fotografierten Fotos, Selfies vor den Niagarafällen etwa. Und weil Soth sich fragt, warum Menschen ihr Leben festhalten wollen, weil er seine Motive nicht jagt, sondern diese seine Kamera zu finden scheinen, ist es ein ruhiger Essay geworden und eine optimistische Arbeit über das Älterwerden. Soths bereits eröffnete Ausstellung ist Teil der Berlin Photo Week, die am 2. September beginnt.

  • Stiftung Reinbeckhallen Reinbeckstr. 11, Schöneweide, Do/ Fr 16–20, Sa/ So 11–20 Uhr, 5/ 3 €, bis 4.9.

Fedir Tetyanych

Fedir Tetyanych, „Everywhere Is My Endless Body“, Ausstellungsansicht. Foto: CCA Berlin, 2022/Diana Pfammatter /© Fedir Tetyanych

Wenigen ist Fedir Tetyanych bekannt, dieser ukrainische Künstler (1942–2007), der so ziemlich aus allem Kunst zu machen vermochte. Tetyanych schrieb Gedichte, Manifeste, malte, schuf aus Müll Kunstobjekte, erfand Kostüme und Raumschiffe, performte auf der Straße und drehte Filme. Ursprünglich zum Künstler für öffentliche Denkmäler in der UdSSR ausgebildet, begann er in den 70er-Jahren mit der Erschaffung seines eigenen visionären Kunst-Welt-Mensch-Systems aus Elementen des Kosmismus, des ökologischen Denkens und des Transhumanismus. In der Galerie CCA ist ein Teil seiner wundersamen, vielfältigen Arbeiten zu sehen, gerettet vor dem Beschuss auf Kyjiw. „Überall ist mein ewiges Zuhause, mein endloser Körper“, schrieb Tetyanych in seinem Manifest. Nun also auch in Berlin.

  • CCA Berlin – Center for Contemporary Arts Kurfürstenstr. 145, Schöneberg, Do–Sa 11–18 Uhr, bis 3.9.

Sumpf der Wunder

„Sumpf der Wunder“ von Barnabás Sebessy. Foto:Barnabás Sebessy

Wie könnte das richtige Leben im falschen aussehen oder das wunderbare in dunklen Krisenzeiten? Oder sollten wir einfach der gewaltvollen Gegenwart ins Gesicht schauen? Künstler:innen wie Benjamin Busch, Anne Duk Hee Jordan, Jeewi Lee oder Barnabás Sebessy (Abb.) setzen sich mit unserer Realität und aktuellen dystopischen Zukunftsvisionen auseinander, während sie in hypothetischen, absurden und pseudo-dokumentarischen Szenarien Neuordnungen unserer Welt erproben.

  • Kunstbrücke am Wildenbruch Weigandufer/ Ecke Wildenbruchbrücke, Neukölln, Mi–So 12–18 Uhr, bis 30.10.

Keine Flagge in der Sonne

Zinny / Maidagan, „Such a good cover“, 2003, Foto: Jens Ziehe/Zinny/Maidagan

Dolores Zinny und Juan Maidagan zeigen in ihrer Ausstellung „Keine Flagge in der Sonne“ Werke, die seit der Ankunft des Duos aus Südamerika im Berlin Anfang der 2000er-Jahre entstanden sind. Ihre Installationen, Zeichnungen und skulpturalen Objekte thematisieren Nutzung und Aneignung von Räumen. Und dabei kommt ihre These heraus, dass das Vergehen von Zeit nicht zwingend eine Veränderung oder Demokratisierung unseres Handelns und Denkens mit sich bringt. Darüber geben vor allem die ausgelegten Bücher wie „Luftkrieg und Literatur“ des Germanisten W.G. Sebald Auskunft. Höchst interessante Lektüretipps!

  • Daad-Galerie Oranienstr. 161, Kreuzberg, Do–So 14–19 Uhr, bis 25.9.

Wolf Vostell/ Boris Lurie

Boris Lurie „Immigrant’s NO Suitcase (Anti-Pop)“, 1963 Foto: Boris Lurie Art Foundation

Das ist keine leichte Kost. Aber die wollten Wolf Vostell (1932–1998) und Boris Lurie (1924–2008) auch nie vorsetzen. Die beiden Künstler verband eine tiefe Freundschaft und ein schweres Thema: die Shoah und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Während Wolf Vostell aus Berlin mit Installationen und Gemälden dem Horror des Holocaust nachzuspüren versuchte, wollte Boris Lurie aus New York, selbst KZ-Überlebender, mit seinen Collagen und Objekten (Abb.) das Fortbestehen inhumaner Systeme in neuem Gewand zeigen.

  • Kunsthaus Dahlem Käuzchensteig 12, Dahlem, Mi–Mo 11–17 Uhr, 8/ 5 €, bis 30.10.

Dissonance

Oska Gutheil „Vergangene Welten“. Foto: Matthias Kolb, Berlin/© Oska Gutheil/Courtesy Miettinen Collection, Berlin

Die beiden Kuratoren Christoph Tannert, Leiter des Künstlerhaus Bethanien, und Mark Gisbourn haben das Buch „Dissonance. Platform Germany“ herausgegeben. Um 81 Maler:innen geht es darin, die die gegenwärtige Malerei in Deutschland prägen, deren Namen aber noch nicht unbedingt jedem/jeder ein Begriff sind. Oska Gutheil (Abb.), Grit Richter und Tegene Kunbi (Gewinner des Hauptpreises der Biennale von Dakar Dak’Art 22) gehören zu den 40 ausgewählte Positionen, die in der Ausstellung zum Buch gezeigt werden.

  • Künstlerhaus Bethanien Kottbusser Str. 10, Kreuzberg, Di–So 14–19 Uhr, bis 11.9.

Georg Thumbach

Georg Thumbach „Wald“ in C834 Corbusierhaus. Foto: Ciara-Angela Mission Engelhardt

Zweifellos ist das einer der besonderen Kunstorte in Berlin: das Apartment Nr.838 im Corbusierhaus, einem denkmalgeschützten Wohnhochhaus zwischen Olympiastadion und Grunewald. Im 8. Stock hat Architekt Peter Ottmann eine über zwei Ebenen gehende ehemalige Drei-Zimmer-Wohnung zu einem Ausstellungsraum umgestaltet. Nicht weniger einnehmend als der Ort sind die Kunstwerke des Malers und Bildhauers Georg Thumbach in der Ausstellung „Wald“: großformatige Kohlezeichnungen, die einen ebensolchen zeigen. Auf 2 mal 1,5 Meter großen Papierbögen wechseln sich dichtes Geäst und sonnendurchflutete Laubwälder ab. Und nur ein Blick Richtung der beidseitigen Fensterfronten führt vom schwarz-weißen Mikrokosmos des bayerischen Waldes zum grün-grauen Makrokosmos Berlin.

  • Corbusierhaus C834 Flatowallee 16, Westend, 8. Stock, So 14–18 Uhr oder nach Vereinbarung c834@gmx.de, Eintritt frei, bis 28.8., 19 Uhr

Rust

Installationsansicht „Rust“ bei Sprüth Magers, Berlin July 2–August 27, 2022 Foto: Sprüth Magers

Drei hochkarätige Perspektiven, eine Geschichte: der Niedergang des Rust Belt, einst das Herzland der US-amerikanischen Industrie. Konzentrierte Architektur-Fotografien von Bernd und Hilla Becher treten in Dialog mit Stephen Shore’s subjektiv-dokumentarischen Aufnahmen von Menschen und Städten in der materiellen sowie psychologischen Abwärtsspirale. Den aktuellsten Blick bietet LaToya Ruby Frazier, die politische, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen der anhaltenden Krisen in intimen Porträts festhält.

  • Sprüth Magers Oranienburger Str. 18, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 27.8.

Deborah Poynton

Deborah Poynton, „Home Away from Home“ Foto: Deborah Poynton/Courtesy STEVENSON

Die Bilder der Südafrikanerin Deborah Poynton muten wahnwitzig an und sind wahnsinnig detailliert gemalt. „Folly“, so der Titel von Deborah Poyntons Ausstellung, heißt so viel wie „Narretei“. Tatsächlich liefern ihre Gemälde viel Stoff für Fragen, genauso wie deren ostentative Sinnlichkeit den flüchtigen Blick herausfordert. Denn je länger der Blick verweilt, desto mehr sieht man und desto fragwürdiger (im Wortsinn) wird das bildliche Geschehen.

  • Haus am Lützowplatz Lützowplatz 9, Tiergarten, Di–So 11–18, bis 4.9.

Tabea Blumenschein/Ulrike Ottinger

“Ohne Titel (Liegende Schönheit)“, 1991 Foto: Anja E. Witte/Berlinische Galerie/Schenkung Ulrike Ottinger

Hollywood-Diven, zornige Rebellinnen, androgyne Transwesen.  Die schrillen
Bilder wechseln sich mit kühl-eleganten Fotografien ab. Die Ausstellung „ZusammenSpiel“ erlaubt Einblicke in die Kunst zweier bemerkenswerter Berlinerinnen. Die Zeichnerin, Schauspielerin und Musikerin Tabea Blumenschein, 2010 verstorben, war das It-Girl der Westberliner Kunstszene der 70er und 80er. Dazu sind Aufnahmen der Fotografin und Regisseurin Ulrike Ottinger zu sehen, die nicht nur mit Blumenschein filmte, sondern auch das wilde Leben der West-Berliner Subkultur dokumentierte.

  • Berlinische Galerie Alte Jakobstr. 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 10/ 6 €, bis 31.10.

Louise Bourgeois

Louise Bourgeois, „The Good Mother“, 2003. Foto:Christopher Burke /The Easton Foundation /Louise Bourgeois /VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Aus einem schwierigen Verhältnis zum Vater und einer innigen Liebe zur Mutter speiste sich Louise Bourgeois’ großes Kunstschaffen. In ihren Skulpturen und Installationen wie den übergoßen Spinnen und Käfigen, sogenannten „Cells“, drückte die 2010 verstorbene Künstlerin Angst, Sexualität, Schmerz und Geborgenheit aus. Aus dem Innersten über das rein Persönliche hinaus. In der Schau „The Woven Child“ rückt ihr textiles Spätwerk in den Fokus.

  • Gropiusbau Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, 22.7.–23.10, Mo–Mi 10–19 Uhr, 15/10 €

Haus des Papiers

Ausstellung „Seduce me paper“ im Haus des Paiers. Foto: Haus des Papiers

Das private Museum, gegründet von den Unternehmerinnen Annette Berr und Ul Vohrer, hat im vergangenen Jahr eröffnet und widmet sich ausschließlich der Papierkunst. Dabei geht es nicht um Papier als bloßer Bildträger. Die vornehmlich weiblichen Künstler:innen schöpfen, schaben, schneiden und entfalten so das skulpturale Potenzial dieses alltäglichen und zugleich facettenreichen Materials. In der aktuellen Ausstellung „Seduce me, paper“  zeigt Aja von Loeper, wie sie aus einem weißen Blatt Papier mithilfe eines Buchengriffels reliefartige Strukturen heraus drückt, die zwischen aufgerissen Fasern und marmorartigen Flächen wechseln. Ebenso verführerisch ist die Papierkunst von Christiane Feser, die raffiniert Fotografie und Schnitttechniken zu illusorischen Bildern kombiniert.

  • Haus des Papiers Seydelstr. 30, Mitte, Fr–So 10–17 Uhr, 8,50/ 6 €, bis 30.9.

Pferdemädchen

Blick in die Ausstellung „Pferdemädchen“. Foto: Ludger Paffrath/Galerie Zwinger

Teenagermädchen und Pferde – das ist der Stoff, aus dem sich Filme, Bücher und Klischees von den 1950er Jahren bis heute speisen. Mittlerweile weist die Sozialforschung der Jugendsubkultur der Pferdemädchen sogar subversives Potential zu. Jenseits bekannter Bilder aus Popkultur und wissensschaftlicher Einordnungen, nähern sich Künstler:innen mit feinen Zeichnungen und ambivalenten Skulpturen dem Assoziationsraum Pferdemädchen in dieser gleichnamigen Ausstellung.

  • Galerie Zwinger Mansteinstr. 5, Kreuzberg, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 10.9.

Ergün Çağatay

Vokuhila, Baggy und Deutschland hat dich nicht lieb: Die Jugendgang 36 Boys aus Kreuzberg in den 1990er-Jahren. Foto: Ergun Çağatay

Er zählt zu den bekanntesten Fotografen aus Istanbul. Ergun Çağatay (1937–2018) arbeitete für Associated Press, wurde 1983 bei einem Bombenanschlag in Paris schwer verletzt, er bereiste Zentralasien. In Deutschland porträtierte er Eingewanderte aus der Türkei, fuhr mit ihnen in Kohlegruben des Ruhrgebiets, fotografierte sie bei Ford Köln am Fließband und in den Turbulenzen der deutschen Vereinigung 1990. Das Museum Europäischer Kulturen würdigt Çağatay in einer Retrospektive mit mehr als 100 Aufnahmen, einer Medieninstallation sowie einem Magazin mit Beiträgen etwa von der Schriftstellerin Dilek Güngör und der Fotografin Candida Höfer.

  • Museum Europäischer Kulturen Arnimallee 25, Dahlem, Di–Fr 10–17, Sa/ So 11–18 Uhr, 8/ 4 €, bis 18 J., ALG II + 1. So/ Monat frei, Tickets: smb.museum, bis 7.2.2023

Max Liebermann

Max Liebermann, „Strand bei Noordwijk“, 1908. Foto: Digitalisiert von farbanalyse/Körber-Stiftung, Hamburg

Aufatmen. Der weite Horizont, das Meer, der Strand, ausgelassene Badegäste. Für Max Liebermann waren die Niederlande und speziell das Dörfchen Noordwijk Orte der Wonne, an denen er abseits des Kunstbetriebs selbstvergessen das Leben einfangen konnte. Am 20. Juli jährt sich nun der Geburtstag des Berliner Malers zum 175. Mal. Rund um dieses Jubiläum führt die Liebermann-Villa mit der Ausstellung „Küste in Sicht. Max Liebermann in Noordwijk“ in jene Sommer zwischen 1905 und 1913 zurück und zeigt Ölgemälde und Pastelle, die erstmalig in der Villa zu sehen sind. Mehr zu Max Liebermann in Berlin lest ihr hier.

  • Liebermann-Villa Colomierstr. 3, Wannsee, Mi–Mo 10–18 Uhr, 10/ 6 €, bis 18 J. frei, bis 19.9.

Sibylle Bergemann Reisen

Sibylle Bergemann (1941-2010): „Frieda, New York’“, 1991 © Estate of Sibylle Bergemann / Courtesy Kicken Berlin

Parallel zu Sibylle Bergemanns großer Retrospektive in der Berlinischen Galerie zeigt die Galerie Kicken Berlin eine Auswahl von Aufnahmen der 2010 gestorbenen Berliner Fotografin. Darunter sind selten gesehene Stücke wie das Standporträt der zeitlos melancholischen Benedite Leuwerda (1994) oder von 1991 „Frieda, New York”. Die Ausstellung ist Teil der Reihe „Sheroes of Photography“, mit der die auf Fotos spezialisierte Galerie Künstlerinnen würdigt. Übrigens: Mehr Fotos von Sibylle Bergemann zeigen wir euch hier.

  • Kicken Berlin Kaiserdamm 118, Charlottenburg, Di–Fr 14–18 Uhr, bis 9.9.

Tropez

Wehende Kunst: Fahnen von Grit Burmeister/ Franzi Kleinert, „Schwimmbad heißt Liebe“, Foto: Tropez

Drei Punkte sind im Chatfenster von Messengerdiensten zu sehen, wenn der andere noch seinen Text formuliert. „…“ lautet auch der Titel der neuen Ausstellung im Tropez, einem Kunstkiosk im Sommerbad Humboldthain. Umso krasser der Kontrast zwischen sommerlicher Ausgelassenheit und den Arbeiten der teilnehmenden Künstler:innen, die nach Worten, nach Möglichkeiten in Anbetracht des aktuellen Welt-Status: Krise suchen. So lässt Isa Melsheimer in Werdschen Kästen, eine Art Glas-Biotope mit denen einst koloniale Pflanzenjäger ihre Beute nach Europa transportierten, hübsch arrangierte Croissants oder Kartoffeln kompostieren und spielt damit auf unsere kultivierende und zugleich ausbeuterische Beziehung zur Umwelt an.

  • Sommerbad Humboldthain Wiesenstraße 1, Wedding, Mo–So 10–18 Uhr, Schwimmbad: 5,50/ 3,50 €, bis 4.9.

Sascha Wiederhold

„Bogenschützen“ von Sascha Wiederhold. Foto: Galerie Brockstedt © Sebastian Schobbert © Rechtsnachfolger Sascha Wiederhold

Seine „Bogenschützen“ (1928) hängen seit 2021 in der Dauerschau der Neuen Nationalgalerie, und sein Lebenswerk wird nun wiederentdeckt: Sascha Wiederhold (1904–1962) malte konstruktivistisch, futuristisch, bunt orphistisch-kubistisch. Die Neue Nationalgalerie zeigt rund 50 Arbeiten des Malers, der unter der NS-Diktatur Buchhändler wurde.

  • Neue Nationalgalerie Potsdamer Str. 50, Tiergarten, Di–Mi, Fr–So 10–18, Do 10–20 Uhr, 12/ 6 €, 8/ 4 €, bis 18 J., ALG II + 1. So/ Monat frei, Tickets, bis 8.1.2023

Georg-Kolbe-Museum

Künstliche Biotope Installation „Die Dämmerung“ von Anne Duk Hee Jordan © Georg Kolbe Museum, Foto: Enric Duch/Anne Duk Hee Jordan

Architektur, Bildhauerei und Wachstum der Natur: Diesen Dreiklang räumlicher Anordnungen lässt das Team des Georg-Kolbe-Museums unter dem Titel „Künstliche Biotope“ von zwei Paaren erzählen. Zum einen arrangiert die Berliner Künstlerin Anne Duk Hee Jordan ihre Installationen aus Wasser und Pflanzen neben filigranen Skulpturen des 1919 verstorbenen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck. Das zweite Paar bilden der Architekt Ludwig Mies van der Rohe und der Bildhauer Georg Kolbe, dessen einstiges Atelierhaus im Westen Charlottenburgs Sitz des Museums ist. Somit rückt das Werk Kolbes hier ein weiteres Mal in einen Vergleich mit Arbeiten der Moderne und mit denen zeitgenössischer Künstler:innen. Unsere Reihe „Kunst & Genuss“ verbindet eine Führung durchs Kolbe-Museum mit Apéro und Menü im Café Benjamine. Details hier.

  • Georg-Kolbe-Museum Sensburger Allee 25, Charlottenburg, Mo–So 10–18 Uhr, 7/ 5 €, bis 18 J. + 1.So/ Monat frei, bis 28.8.

Tiina Itkonen – Ice Has a Memory: Greenland’s Vanishing Song Lines

Tiina Itkonen, Home 12, Isortoq, 2017 From the series Home Archival pigment print, Framed 60 x 85 cm. Foto: Tiina Itkonen/Courtesy Persons Projects

Tiina Itkonen arbeitet mit Forschenden des Piniartoq-Projekts zusammen, die in Grönland Effekte der Erderwärmung untersuchen. Die Künstlerin aus Helsinki fotografiert, Wissenschaftlerinnen schreiben Texte dazu. Dabei geht es zwar auch um Eis und Bären, aber vor allem um die Folgen des Eisschwunds für die lokale Bevölkerung. Seit 20 Jahren schon ist Itkonen auf Grönland unterwegs – sie hat Einsicht in das Dänemark unterstellte Land wie wenig andere westeuropäische Künstler:innen. Itkonen bespielt das Erdgeschoss der Galerie Persons Projects, im ersten Stock stellen Ilkka Halso, Sanna Kannisto, Sandra Kantanen, Mikko Rikala Fotografien zum Thema Ökosysteme aus.

  • Persons Projects Lindenstr. 34–35, Kreuzberg, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 3.9.

Mila Teshaieva

Denkmäler in Kiew wurden mit Sandsäcken abgedeckt, um die Zerstörung durch Luftangriffe zu verhindern. Kyjiw, 27. März 2022. Foto: Mila Teshaieva / OSTKREUZ

Alltag in Schreckenszeiten, fotografiert, dokumentiert, kommentiert: Bis zum 15. Januar 2023 präsentiert das Museum Europäischer Kulturen das Kriegstagebuch der ukrainischen Fotografin Mila Teshaieva in der Ausstellung „Splitter des Lebens”. Von Anfang März bis Ende April, also kurz nach der militärischen Eskalation, veröffentlichte die gebürtige Ukrainerin ihre Eindrücke in Fotografien und persönlichen Texten auf der Website dekoder. Aus dieser Arbeit sind nun 18 Beispiele im Großformat auf einem chronologisch sortierten Rundgang zu sehen. Die Fotografin zeigt keine stolzen Soldaten in Uniformen, keine Explosionen oder kreisenden Kriegsflugzeuge. Ihre Bilder beleuchten Zivilist:innen in deren neuem Alltag zwischen Zerstörung und Wiederaufbau.

  • Museum Europäischer Kulturen Arnimallee 25, Dahlem, Di–Fr 10–17 Uhr, Sa–So 11–18 Uhr, 8/ 4 €, 1.So/ Monat frei, bis 15.1.2023

Songlines

Künstlerinnen der Tjanpi Desert Weavers lassen ihre tjanpi Schwestern fliegen, Papulankutja, West-Australien, 2015 Foto: Annieka Skinner, Tjanpi Desert Weavers / NPY Women’s Council

Vom sogenannten fünften Kontinent kommt „Songlines – Sieben Schwestern erschaffen Australien“, eine Ausstellung mit rund 300 Gemälden, Filmen und Objekten, betreut von Margo Neale, Senior Indigenous Curator am National Museum, und einem Indigenen Kuratorium. Die Schau erläutert einen Schöpfungsmythos Australiens: den der „Sieben Schwestern“, die vor einem Verfolger durch Wüsten fliehen und ihm dank Magie entkommen.

  • Humboldt Forum Schlossplatz, Mitte, Mi–Mo 10–20 Uhr, 12/ 6 €, bis 18 J. + ALG II frei, Zeitfenstertickets: humboldtforum.org, bis 31.10.

Zehn Jahre

Nick Dawes, 17th, 2022, 150 x 205 cm, Öl auf Leinwand Foto: ONLINE/SOCIAL MEDIA: Nick Dawes / @kornfeldgalerie PRINT: Nick Dawes / Courtesy of Galerie Kornfeld, Berlin

In der Fasanenstraße, in unmittelbarer Nachbarschaft des Literaturhauses und des Auktionshauses Grisebach, feiert die Galerie Kornfeld zehnjähriges Jubiläum. Mit einem Schwerpunkt auf Malerei (etwa aus Berlin von Christopher Lehmpfuhl, Tammam Azzam und Franziska Klotz) überzeugt das Team vor allem mit guten Kontakten nach Georgien. Zum Jubiläum zeigt die Galerie einen Überblick über Arbeiten von ihr vertretener Künstler:innen, unter ihnen Nick Dawes aus Johannesburg/ London, hier mit „17th”, 2022, in Öl auf Leinwand.

  • Galerie Kornfeld Fasanenstr. 26, Charlottenburg, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 3.9.

Sibylle Bergemann

Sibylle Bergemann: „Unter den Linden“, Berlin 1968 , Foto: Estate Sibylle Bergemann / OSTKREUZ

Etliche dieser Fotos kennt man weniger: Sie sind in Farbe, an Orten aufgenommen, die nicht in der DDR lagen und nicht Berlin heißen, etwa eines aus Dakar, das den Straßenverkehr von oben zeigt. Denn auch chre Reisefotos, die sie nach 1989 aufnahm, sind Teil der Retrospektive mit über 200, teils unveröffentlichten Aufnahmen aus rund 45 Jahren, mit der die Berlinische Galerie die Berliner Fotografin Sibylle Bergemann (1941–2010) würdigt. Ebenfalls zu sehen sind Aufnahmen ihrer Weggefährt:innen wie Arno Fischer und Ute Mahler. Und auch weniger bekannte Aufnahmen aus Bergemanns Anfängen, wie dieses coole Trio 1968 in Ost-Berlin Unter den Linden.

  • Berlinische Galerie Alte Jakobstr. 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, bis 18 J., ALG II und 1. So/ Monat frei, Zeitfenstertickets hier, bis 10.10.            

Skulpturengarten Haus am Waldsee

Thomas Florschuetz: Ohne Titel (E.B.) 27, 2016/2021, 183 x 243 cm, C-Print. Foto: Courtesy © Thomas Florschuetz/VG Bild-Kunst, Bonn 2022 und Diehl, Berlin

Wenn am 26. Juni der Skulpturenpark hinter der Zehlendorfer Villa für das Publikum wiedereröffnet wird, ergänzen sich Bäume, Büsche, Rasen, Wege und See draußen und Thomas Florschuetz’ Fotos drinnen bestens. Und widersprechen sich doch höchst produktiv. Der Garten wurde im englischen Stil der frühen 1920er-Jahre rekonstruiert, Drinnen dagegen zeigt Florschuetz Ansichten der Moderne, Interieurs, Architektur, Stillleben und sogar Pflanzenporträts aus politisch aufgeladenen Gebäuden, die an Fortschritt und Verwerfungen der Neuzeit zugleich erinnern wie das alte Ethnologische Museum in Dahlem kurz vor dem Umzug seiner Ausstellungstücke ins Humboldt-Forum (Abb.).

  • Haus am Waldsee Argentinische Allee 30, Zehlendorf, Di–So 11–18 Uhr, 7/ 5 €, bis 18 J. + ALG frei, bis 28.8., online

No Master Territories

Helena Amiradżibi: „Kobieta to słaba istota (The Weak Woman, 1967)“, Filmstill.
Foto: Courtesy Documentary and Feature Film Studios, Warschau, Polen / Helena Amiradżibi (Filmstill)

Pionierinnen des feministischen Films von den 1970ern- bis in die 1990er-Jahre sind Thema im Haus der Kulturen der Welt. Die Namensliste ist lang: Sie reicht von der 2015 gestorbenen Schauspielerin und Regisseurin Chantal Akerman über die Fotografin Gundula Schulze Eldowy aus Erfurt bis Helena Amiradżibi mit „The Weak Woman“, Polen 1967.  Filme sind in der großen Halle und im Kinosaal in einem Programm zu sehen, das sich wöchentlich wiederholt.

  • HKW John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, Mi–Mo 12–20 Uhr, 7/ 5 €, bis 18 J. + Mo frei, bis 28.8.

Ansehen! Kunst und Design von Frauen 1880–1940

Chana Orloff in ihrem Atelier, Paris 1924 Les Ateliers-Musée Chana Orloff. Foto: Les Ateliers-Musée Chana Orloff / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Eine Bestandsaufnahme nach Geschlechtern haben sie im Bröhan-Museum gemacht, und diese hat ergeben: Von über 20.000 Objekten in der Sammlung des auf Jugendstil und Moderne spezialisierten Museums wurden etwa 1.500 von Frauen gefertigt, rund 7,5 Prozent. Fast 1.000 Künstlern stehen 99 Künstlerinnen, unter ihnen Chana Orloff (Abb.), gegenüber, und die spannende Frage bleibt: Wie haben sich diese 99 Frauen behaupten können? Die neue Sonderschau soll Antworten geben – anhand von Biografien und 300.

  • Bröhan-Museum Schloßstr. 1a, Charlottenburg, Di–So 10–18, 8/ 5 €, bis 18. J, 1. Mi + 1. So/ Monat frei, Zeitfenstertickets hier, bis 4.9.

Grit Richter

„Tree of Life“, 2022, aus Grit Richters Ausstellung „Coping Strategies“ in der Galerie Tanja Wagner

Fast ist es Malerei für die nächste Hitzewelle: Die Hamburger Künstlerin Grit Richter zeigt ihre sechste Einzelschau in der Galerie Tanja Wagner. Und obwohl in der obigen Arbeit von 2022 ein erfrischendes Grün mitschwingt, bleibt Rot die Farbe, die auf Richters Gemälden, Objekten und Schriften in den verschiedensten Nuancen und Mischungen leuchtet. So offen die Kurven und amorphen Formen für Interpretation sind, eines vermitteln sie immer: den Eindruck von Krisenhaftigkeit, davon, dass alles verglühen kann. 

  • Galerie Tanja Wagner Pohlstr. 64, Tiergarten, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 27.8.

POSTOST: Україна / Ukraine

Foto: Stiftung Neue Kunst Berlin-Brandenburg

Was bedeutet es, in einem postsowjetischen Land aufzuwachsen? Wie formt ein osteuropäisches Land seine nationale Identität heute? Was macht man, wenn einen die Luftschutzsirenen wecken? Die Ausstellung „POSTOST: Україна / Ukraine“ zeigt Kunstwerke ukrainischer Künstler:innen zu den Themen Gegenwart im Krieg, Alltag in Bedrohung und Geschichten um Identifikation, Zusammenhalt und Zugehörigkeit. Einige von ihnen leben schon lange in Berlin, wie der große Fotograf Boris Mikhailov, andere wie Musikerin Maria Kebu sind erst seit einigen Wochen da und einige sind in der Ukraine, so wie Sasha Kurmaz, zuletzt Stipendiat der Akademie der Künste Berlin.

  • Karl-Marx-Straße 84 Neukölln, bis 19.9., Di–So 13-21 Uhr, 7€, jeden 1. und 3. Donnerstag des Monats kostenfreier Eintritt

12. Berlin Biennale

In der ehemaligen Stasi-Zentrale: Susan Schupplis „Weaponizing Water Against Water Protectors“, aus der Serie „Cold Cases“, 2021–22, Video, Farbe, Ton, 18′33′′. Foto: Susan Schuppli (Videostill)

Groß ist sie: An der 12. Berlin Biennale nehmen 77 Künstler:innen und Kollektive teil. Sie stellen an fünf Orten aus, in beiden Häusern der Akademie der Künste, den Kunst-Werken (KW) und erstmals zählt auch der Campus der Demokratie in der ehemaligen Stasi-Zentrale zu den Ausstellungsorten einer Berlin Biennale. Hinzu kommt ein Projektraum in der Wilhelmstraße, ungefähr dort, wo im Winter 1884/ 1885 die Teilnehmer der „Kongo-Konferenz“ die Grundlagen zur Aufteilung Afrikas unter den Kolonialmächten beschlossen. Damit ist das Programm der Biennale unter dem Motto „Still present!“ grob umrissen. Kader Attia, 51, Künstler aus Paris und Teilzeit-Berliner, setzt sich auch als Kurator der 12. Berlin Biennale mit historischen Verwerfungen wie der Kolonialgeschichte auseinander.

  • Akademie der Künste Hanseatenweg 10, Tiergarten, Mi–Mo 11–19 Uhr
  • Akademie der Künste Pariser Platz 4, Mitte, Mi–Mo 11–19 Uhr
  • Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt Wilhelmstr. 92, Mitte, 0–24 Uhr (Fenster)
  • Hamburger Bahnhof Invalidenstr. 50–51, Tiergarten, Di–Fr 10–18, Do 10–20, Sa–So 11–18 Uhr
  • Kunst-Werke (KW) Auguststr. 69, Mitte, Mi–Mo 11–19 Uhr
  • Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie Ruschestr. 103, Haus 7 + 22, Lichtenberg, Mi–Mo 11–18 Uhr
  • Alle Orte: 11.6.–18.9.2022,
  • Ticket: 18/ 9 €, Eintritt frei: Dekoloniale Erinnerungskultur und Stasi-Zentrale, bis 18 J., Berlinpass- & 1. So/ Monat online

Filmkunst von Pauline Curnier Jardin

Pauline Curnier Jardin: Szene aus dem Film „the only film“, 2022, 03’18”, Courtesy of ChertLüdde, Berlin and Pauline Curnier Jardin, Berlin

Auch die zweite Ausstellung am neuen Standort von Chert Lüdde setzt sich mit der Nachbarschaft der Galerie auseinander. Pauline Curnier Jardin, Gewinnerin des Preises der Nationalgalerie 2019, widmet sich einem von Frauen betriebenen Schöneberger Kino, den Luna-Lichtspielen, die sogar den Zweiten Weltkrieg überstanden. Als Curnier Jardin den Preis gewann, zeigt sie im Hamburger Bahnhof eine Filminstallation über ein religiöses Fest in Italien zu Ehren der Heiligen Agatha, in der es sehr körperlich zuging. Auch in „the only film“, 2022, fließt wieder Blut.

  • Chert Lüdde Hauptstr. 18, Schöneberg, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 3.9.

Hamburger Sezessionisten

Emil Maetzel: „Ballspieler“, 1955, Öl auf Hartfaser, 71 x 100 cm, Abb: Emil Maetzel

Nicht nur in München, Berlin und Wien gab es eine Sezession, eine Abspaltung fortschrittlicher Künstler:innen vom Akademiebetrieb mit seinem Historismus. Bis zur ihrer Auflösung 1933 (und für kurze Zeit nach dem Ende der NS-Diktatur) existierte auch eine Hamburgische Sezession. Ihr gehörten Künstler:innen wie Alma del Banco, Gretchen Wohlwill, Emil Metzel (hier seine „Ballspieler“, 1955) und Dorothea Maetzel-Johannsen an. Die Salongalerie Möwe erlaubt einen konventionell gehängten, aber eindrücklichen Einblick in das Schaffen dieser Gruppe.

  • Salongalerie Die Möwe Auguststr. 50b, Mitte­, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 27.8.

Form der Freiheit

Morris Louis „Saf Heh“, 1959. Foto: James Bernstein / © Morris Louis/VG Bild-Kunst, Bonn 2022 / ASOM Collection

Radikale Kunst der großen Gesten und satten Farben: Das Museum Barberini zeigt in der Ausstellung Die Form der Freiheit Ikonen und bisher seltener gezeigte Werke der internationalen Abstrakten Malerei nach 1945. Zu sehen sind Jackson Pollocks berühmte „Drip Paintings“ und weitere Werke von Kolleg:innen wie Sam Francis, Mark Rothko und Helen Frankenthaler. Den Größen des Abstrakten Expressionismus in den USA stellt die Potsdamer Ausstellung Arbeiten der Stars des europäischen Informel gegenüber: Jean Debuffet, K.O. Götz und Natalia Dumitresco. Bisher vornehmlich als zwei eigenständige Strömungen betrachtet, stellt Kurator Daniel Zamani diese Entwicklungen neuer, radikaler künstlerischer Ausdrucksweisen als einen transatlantischen Dialog heraus. Zudem beleuchtet die Schau explizit den Einfluss weiblicher Künstler:innen auf beiden Kontinenten.

  • Museum Barberini Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, Potsdam, Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa+So 10–15 Uhr, bis 25.9., Tickets&Infos

Holzschnitt

Carl Moser, Bretonische Hochzeit, 1906, Farbholzschnitt, Foto: Dietmar Katz / © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Carl Moser

Entwicklung des Holzschnitts. Ihren Ursprung hatte diese Drucktechnik bereits im 9. Jahrhundert in Ostasien, um 1400 kam die Technik im süddeutschen Raum auf. Anhand prominenter Werke wie dem „Rhinozeros“ (1515) von Albrecht Dürer lässt sich erfahren, wie diese Technik zur Vervielfältigung eingesetzt wurde, und wie die Schraffuren und Formen der Drucke wurden zunehmend feiner wurden. Mit dem Einsatz von Farben erreichten die Bilder eine höhere Plastizität. Im 20. Jahrhundert beeindruckte auch Carl Moser mit Nachkoloration, die seine „Bretonischen Milchfrauen“ (1906) fast lebendig wirken lässt. Zeitgenössische Künstler:innen wie Matthias Mansen (Abb.) schließlich setzen sich im Holzschnitt mit dem Material und der Geschichte des Genres auseinander. Dafür wenden Karel Appel oder Norbertine Bresslern-Roth neue Schneidetechniken an. (LMK)

  • Kupferstichkabinett Matthäikirchplatz, Tiergarten, Di–Fr 10–18, Sa/So 11–18 Uhr, 6/ 3 €, bis 18 J. frei + ALG II frei, bis 11.9.

Alliierte in Berlin – das Architekturerbe

Neubau der 60er Jahre vom Bundesbauamt Nord im Auftrag der Französischen Militärregierung. Foto: Mila Hacke

Das L’Aiglon ist ein schön geschwungener 1950er-Jahre-Bau mit einer weiten Glasfront. Es zählt zu den vielen Gebäuden, die die Alliierten in Berlin hinterließen und die die Berliner Architekturfotografin Mila Hacke nun für die Nachwelt festgehalten hat. Die Ausstellung „Alliierte in Berlin – das Architekturerbe“ im Militärhistorischen Museum am Flugplatz Gatow zeigt mehr als 70 von Hackes Fotos, die von der Zeit zeugen, als Berlin geteilt war. Die Fotografin, Architektin und Kuratorin Hacke möchte Aufmerksamkeit für diesen Teil der Berliner Geschichte schaffen. Für sie steht weniger die Politik als die Kulturgeschichte im Vordergrund.

  • Militärhistorisches Museum am Flugplatz Gatow Am Flugplatz Gatow 33, Gatow, Di–So 10–18 Uhr, Eintritt frei, bis 31.1.2023

Thomas Florschuetz – Überlagerungen

Thomas Florschuetz: „Ohne Titel (E.B.) 27“, 2016/2021, 183 x 243 cm, C-Print
Foto: Courtesy © Thomas Florschuetz/VG Bild-Kunst, Bonn 2022 und DIEHL, Berlin

Wunderbar geordnet ist diese Schau, die einen Überblick über das Werk von Thomas Florschuetz gibt – wenn auch keinen vollständigen: Die Aufnahmen von Körperfragmenten, mit denen der 1957 in Zwickau geborenen Künstler bekannt wurde, fehlen, ebenso seine Fotos von „Jets“. Dafür finden sich hier Aufnahmen aus Serien, in denen Gegenstände zu leben beginnen scheinen: Häuser oder Fenster beispielsweise oder Museumsobjekte wie hier im ehemaligen Ethnologischen Museum Dahlem (Foto) . Die  Pflanzen dagegen, für die sich Florschuetz begeistern kann, leben sowieso. Dank geschickt angelegter Blickachsen sowie paar- oder serienweiser Hängung kommen die Aufnahmen bestens zur Geltung.

  • Haus am Waldsee Argentinische Allee 30, Zehlendorf, Di-So 11-18 Uhr, 7/5 €, bis 18 J. frei, bis 28.8.

All Hands On: Flechten

Olaf Holzapfel: „Der geflochtene Garten“, 2022 Foto: Jens Ziehe / © Olaf Holzapfel

Endlich schlägt das Museum für Europäische Kulturen (MEK) wieder mit einer großen Ausstellung auf. „All Hands On: Flechten“ präsentiert Meisterwerke au3s Kunst, Handwerk und Design, anonyme Stücke aus Stroh und Rinde genauso wie die neue Arbeit „Der geflochtene Garten“ (Abb.) von Olaf Holzapfel, Teilnehmer der Documenta vor fünf Jahren. Ein willkommener Anlass für eine U-Bahnfahrt nach Dahlem: das auch Biergärten, Buchhandlungen an der Uni, Parks und dem Landwirtschaftsmuseum Domäne Dahlem wenig entfernt vom MEK einen Ausflug wert ist. Perfekt für ein langes Wochenende.

  • Museum Europäischer Kulturen Arnimallee 25, Dahlem, Di–Fr 10–17, Sa/ So 11–18 Uhr, 8/ 4 €, bis 18 Jahre + Berlin Pass frei, Zeitfenstertickets hier, bis auf Weiteres

Das kleine Grosz Museum

Das kleine Grosz Museum von Innen mit George Grosz‘ „American Couple“. Foto: Hanna Seibel

George Grosz, das sind dicke Fabrikanten, scheinheilige Priester und dumpfe Militaristen. Weimarer Personal, das durch seine hartgezeichneten Karikaturen keinen Zacken sympathischer wird. Das war zwar nicht das gesamte Oeuvre des gebürtigen Berliners, aber es ist bis heute dessen Marken-, wenn nicht Wesenskern. Und wenn dieses Werk retrospektiv ausgestellt wird wie zuletzt 2018 gelungen im Bröhan-Museum, dann wird es oft auf knarrenden Holzdielen abgelaufen – und bleibt damit seiner historischen Epoche mehr verhaftet, als vielleicht gut wäre. Und genau da gibt es jetzt einen aufregend klaren Schnitt – im neuen Schöneberger Kleinen Grosz Museum. Denn mehr gebaute Nachkriegs-Leichtigkeit als in Judins ehemaliger Shell-Tankstelle an der Bülowstraße lässt sich kaum finden. So gut sahen die 1950er-/60er-Jahre in Berlin selten aus.

  • Das Kleine Grosz Museum Bülowstr. 18, Schöneberg, Mo + Do 11–18, Fr 11–20, Sa/So 11–18 Uhr, 10/ 6 €, Online-Tickets

Anthropozän: Earth Indices

Evidenz & Experiment: „earth indices“. Foto: HKW

Das Haus der Kulturen der Welt hat mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen zum Thema Anthropozän, also dem menschengemachten Zeitalter, Pionierarbeit geleistet. Die Ausstellung „Earth Indices“ basiert auf den Erkenntnissen einer Gruppe internationaler Wissenschaftler:innen, die Spuren menschliches Wirken in Boden und Sphäre erforsch haben. Die Künstler:innen Armin Linke und Giulia Bruno haben diese Anthropocene Working Group begleitet und kommentieren deren Arbeit nun in der Schau. Damit endet das die Anthropozän-Reihe am HKW, zusammen mit dem der Amtszeit von Intendant Bernd Scherer.

  • Haus der Kulturen der Welt John-F.-Dulles-Allee 10, Tiergarten, Mi–Mo 12–20 Uhr, Eintritt frei, bis 17.10., online

Schliemanns Welten

Büste von Heinrich Schliemann im Neuen Museum, Foto: bpk / Hans Christian Krass

Zu seinem 200. Geburtstag nähert sich eine Sonderausstellung dem schillernden und umstrittenen Archäologen Heinrich Schliemann, geboren in dem Städtchen Neubukow, im 19. Jahrhundert ein bürgerliches Zentrum im Mecklenburgischen. Von hier zog Schliemann (1822–1890) in die Welt und mit seinen spektakulären Ausgrabungen als Entdecker der Stadt Troja schließlich in die Geschichtsbücher ein. Bekannt wurde er mit unkonventionellen Forschungsansätzen in der Archäologie, zugleich wird er wegen widersprüchlicher Aufzeichnungen, rabiater Ausgrabungsmethoden und räuberischer Aneignung archäologischer Funde kritisiert. Die Ausstellung „Schliemanns Welten“ in der James-Simon-Galerie und dem Neuen Museum auf der Museumsinsel beleuchtet Persönlichkeit und Arbeit des deutschen Archäologen mit rund 700 Exponaten. In der James-Simon-Galerie steht die erste Lebenshälfte des Geschäftsmanns, Weltreisenden und Forschers im Fokus. Das Neue Museum präsentiert die Funde der Königsgräber in Mykene und die Trojanische Sammlung Schliemanns.         

  • James-Simon-Galerie und Neues Museum Bodestraße, Mitte, Di–So 11–18 Uhr, 12/ 6 €, bis 18. J. + ALG II frei, Zeitfenstertickets hier, bis 6.11.        

Bieke Depoorter

Agata, Beirut, Libanon, 3. August, 2018, Foto: © Bieke Depoorter . Magnum Photos

Mit den Menschen, die sie porträtiert, geht Magnum-Mitglied Bieke Depoorter langfristige Beziehungen, komplizierte Freundschaften ein, etwa mit der Sexarbeiterin Agata (Abb.), und sogar, wenn einer dieser Menschen verschwindet wie Michael aus Portland, den sie 2015 kennenlernte. Dann sucht die belgische Fotografin geradezu obsessiv nach ihm und hält ihre Fahndung in Fotos fest – inklusive ihrer Fahndungsmethoden, über deren ethische Qualität sich streiten lässt.

  • C/O Berlin Hardenbergstr. 22–24, Charlottenburg, Mo–So 11–20 Uhr, 10/ 6 €, bis 18 J. frei, bis 9.9.

Bruce Nauman

Bruce Nauman: „Practice cropped“. Foto: Bruce Nauman / Artists Rights Society (ARS), New York / VG Bild-Kunst, Bonn /
Courtesy Konrad Fischer Galerie

Ein wenig Geduld sollten Besuchende mitbringen, wenn sie mit Bruce Naumanns neuem Video „Practice“ mitgehen wollen: Die Schwarzweiß-Aufnahmen sind eine Meditation über eine historische Geste, die den Verlauf der kanadischen Geschichte und der Blackfeet Nation entscheidend beeinflusste. Auf den weiteren Etagen der großen Galerie hängen Beispiele aus fast 50 Jahren druckgrafischen Schaffens des US-amerikanischen Konzeptkünstlers.

  • Konrad Fischer Galerie Neue Grünstr. 12, Mitte, Di-Sa 11-18 Uhr, bis 27.8.

Julia Stoschek Collection

Jacolby Satterwhite „Moments of Silence“, 2019. Installationsansicht JSC Berlin. Foto: Alwin Lay

Immer wieder wird das utopische Potenzial der Kunst heraufbeschworen: als Raum, in dem durch Experimente etwas Anderes, Besseres als die Gegenwart entstehen und als Vorlage für uns dienen kann. Wie das gehen könnte, das zeigen 25 Video-Arbeiten von Joan Jonas’ frühen Performance-Videos bis zu den animierten Welten Jacolby Satterwhites. Parallel dazu ist die neuerworbene multimediale und interaktive Installation „Piña, Why is the Sky Blue?“ zu sehen. Stephanie Comilang und Simon Speiser haben durch Interviews mit Aktivist:innen und Heiler:innen auf den Philippinen sowie in Ecuador eine Künstliche Intelligenz geschaffen. Als eine Art spiritueller Speicher bewahrt sie wertvolles Wissen für zukünftige Generationen auf.

  • Julia Stoschek Foundation Leipziger Str. 60, Mitte, Sa/So 12–18 Uhr, 5 €, bis 18 J. frei, bis 4.12.

Susana Meiselas

Motorradbrigade, gefolgt von einer Menge von hunderttausend Menschen, die Los Doce (Die Zwölf), Monimbo, Nicaragua, 05.07.1978. Foto: Susan Meiselas/Magnum Photos

Susan Meiselas interessiert sich für Konfliktzonen. Berühmt wurde die Fotografin der renommierten Agentur Magnum mit der Aufnahme „Molotov Man“. Eine Barrikade aus Sandsäcken ist zu sehen, dahinter steht ein Panzer. Zwei Männer bärtiger Mann mit Waffe hockt im Schatten der Sandsäcke, ein anderer steht gebückt. Beide beobachten einen dritten Kämpfer, der in der einen Hand ein Gewehr hält und mit der anderen anhebt, einen entzündeten Molotow-Cocktail in die Luft zu schleudern. Es handelt sich um einen kleinen Moment der sandinistischen Revolution, der dank des Fotos von Meiselas zu einem ikonischen Bild wurde. Bei C/O Berlin zeigt sie Aufnahmen aus über 40 Jahren.

  • C/O Berlin Hardenbergstr. 22–24, Charlottenburg, Mo–So 11–20 Uhr, 10/ 6 €, bis 18 J. frei, Tickets, bis 9.9.

Michel Majerus

Installationsansicht „gemälde“, Galerie Neugerriemschneider, Berlin (19.11.–23.12.1994)
Foto: © Michel Majerus Estate, 2022 / Courtesy neugerriemschneider, Berlin

Mit nur 35 Jahren starb Michel Majerus (1967–2002) bei einem Flugzeugabsturz. In seiner kurzen Schaffensphase wurde der Luxemburger Maler und Wahlberliner zu einer prägenden Figur der 90er-Jahre (Abb.). Er vermischte Popkultur und Kunstgeschichte, weitete Malerei von der Leinwand auf den Raum aus, nutzte als einer der ersten digitale Tools. Anlässlich seines 20. Todestages wird sein Werk mit der Ausstellungsreihe „Michel Majerus 2022“ in mehreren Berliner Kunstorten gewürdigt. Zum Auftakt zeigt der Michel Majerus Estate Arbeiten des Künstlers zusammen mit Werken seiner beiden Professoren Joseph Kosuth und K.R.H. Sonderborg.

  • Michel Majerus Estate Knaackstr. 12, Prenzlauer Berg, Sa 11–18 Uhr, bis 18.3.2023

Barbara Kruger

Barbara Kruger: „Belief + Doubt“, Hirshhorn Museum, Washington, 2021 Vinyl, ortsspezifische Installation.
Foto: Cathy Carver / Courtesy Barbara Kruger, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden und Sprüth Magers

Sie bringt es gern auf den Punkt, wie hier 2021 im Washingtoner Hirshhorn Museum oder aktuell über den Fenstern des Neuen Berliner Kunstvereins. Mit Kurztexten, oft kombiniert mit Bildern aus der Konsumkultur, hinterfragt Barbara Kruger seit den 1970er-Jahren Glaubenssätze westlicher Gesellschaften aus kommerzkritischer und feministischer Sicht. Für ihre Ausstellung „Bitte lachen/ Please Cry“ bespielt die New Yorker Konzeptkünstlerin nun den Boden der Neuen Nationalgalerie mit einer Schrift-Installation. Bis einschließlich 27. August ist die Ausstellung freitags und samstags erst recht einen Besuch wert. Denn dann ist von jeweils 18 bis 22 Uhr die Sundowner-Bar auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie geöffnet, in Anlehnung an Ludwig Mies van der Rohes Architektur gestaltet von Karsten Konrad. Krugers Installation kann man dann mit einem Drink in der Hand bewundern.

  • Neue Nationalgalerie Potsdamer Str. 50, Tiergarten, Fr–Mi 10–18, Do 10–20 Uhr, 12/ 6 €, Zeitfenstertickets: hier, bis 28.8., Bar bis 27.8., immer Fr + Sa 18-22 Uhr

Herlinde Koelbl

Herlinde Koelbl: Angela Merkel, 1991. Foto: Herlinde Koelbl

Die Fotografin Herlinde Koelbl hat Angela Merkel über drei Jahrzehnte seit 1991 regelmäßig abgelichtet, also seit weit vor der Kanzlerschaft, wie das Deutsche Historische Museum ab 29. April zeigt. Koelbls Konzept steckte in der Frage: Frage: Was macht die Macht mit einem Menschen? Was kann Fotografie davon vermitteln? Koelbl war unvoreingenommen und neugierig. Das Foto oben ist übrigens von 1991.

  • Deutsches Historisches Museum Unter den Linden 2, Mitte, Fr–Mi 10–18, Do 10–20 Uhr, 8/ 4 €, bis 18 J. frei, Zeitfenstertickets: hier, bis 4.9.

Moses Mendelsohn

Brille Moses Mendelssohns mit Etui. 2. Hälfte 18 Jahrhundert. Foto: Mit freundlicher Genehmigung des Leo Baeck Institute, New York

Mit Argumenten für Minderheitenrechte und für die Trennung von Staat und Religion, so eine These der neuen Ausstellung im Jüdischen Museum, bereitete auch der Berliner Philosoph Moses Mendelssohn (1729–1786) den Weg in die Moderne. Zur Ausstellung erscheint unter anderem die Graphic Novel „Moische“. Sechs Anekdoten aus dem Leben des Moses Mendelssohn“ von dem niederländischen Künstler Typex, der schon Warhols Biografie zeichnete.

  • Jüdisches Museum Lindenstr. 9-14, Kreuzberg, Mo-So 10-19 Uhr, 8/ 3 €, bis 18 J. + ALG II frei, Zeitfenstertickets: jmberlin.de, bis 11.9.

1910 – Brücke. Kunst und Leben

Ernst Ludwig Kirchner: „Heckel, ruhend“, 1909/10, Tusche, Brücke-Museum; Foto: Roman März / Ernst Ludwig Kirchner

Berlin war Thema im ersten Teils einer Ausstellungsreihe des Brücke-Museums, die Leben und Wirken der expressionistischen Brücke-Künstler untersucht. Die Kurator:innen arbeiten sich rückwärts vor: Der aktuelle zweite Teil rückt Dresden und die Moritzburger Teiche in den Mittelpunkt, an deren Ufer sich die expressiven Künstler vor ihrem Umzug nach Berlin an Natureindrücken erprobten. Interessant wird, ob auch Erkenntnisse aus derAusstellung zur Brücke und der Kolonialzeit Anfang 2022 in die neue Schau finden. Mehr zur Ausstellung über den Durchbruch der Brücke-Künstler lest ihr hier.

  • Brücke-Museum Bussardsteig 9, Dahlem, Mo, Mi-So 11-17 Uhr, 6/ 4 €, bis 28.8.

Candida Höfer

Alles im Blick: „Wartesaal Düsseldorf III“, Candida Höfer, 1981. Foto: Candida Höfer/VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Moskau, New Haven und Düsseldorf, wo sie in den 1970er-Jahren studierte: Überall fotografiert Candida Höfer große Räume, in Konzerthäusern etwa, Universitäten, Museen und Zoos. Menschen sind in ihren Aufnahmen nicht zu sehen, doch die Architektur und Ausstattung der Säle zeugen von ihrem Denken und ihrem Umgang miteinander. Das Museum für Fotografie zeigt 90 Aufnahmen von Höfer aus 40 Jahren und vergleicht sie mit Architekturfotos aus Seinen Beständen.

  • Museum für Fotografie Jebensstr. 2, Charlottenburg, Di + Mi, Fr–So 11–19, Do 11–20 Uhr, 10/ 5 €, bis 18 J. + ALG II frei, bis 28.8., Tickets

Frauen im Bode-Museum

Sie soll die schönste Frau Europas zu ihrer Zeit gewesen sein: Juliette Recamier, Kopie nach Joseph Chinard um 1800
Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt

Es ist ein bisschen wie auf einer Schnitzeljagd. Wir betreten einen Saal im Bode-Museum und halten Ausschau nach dem Hinweis: ein grün-schwarzer Aufkleber mit der Aufschrift  “Der zweite Blick”. Und dann entdecken wir ihn an der Vitrine neben dem kleinen Bronzerelief (1520) von Hans Schwarz, das die Römerin Lucretia beim Selbstmord zeigt. In einer Hand hält sie den Dolch, mit der anderen streift sie das Oberteil herunter, entblößt ihre Brust. Auf dem dazugehörigen Zettel in einem Kasten neben der Vitrine erwarten uns aber kein Rätsel, sondern Aufklärung: über Lucretias tragische Geschichte genauso wie über die Entblößungsgeste, die letztlich nur der erotischen Aufladung der brutalen Szene dient.

So entdecken wir mehr als 60 weitere Frauendarstellungen, überall in der großen Sammlung spätantiker bis klassizistischer Kunst verteilt. Die innovative Ausstellungsreihe „Der zweite Blick” widmet sich in der zweiten Ausgabe der Frau, genauer den Geschichten und Rollenbildern hinter den Werken – und unterzieht diese einer heutigen, kritischen Betrachtung. Auf sechs thematischen Routen lernen wir Frauen aus Europas (Kunst-)Geschichte und Mythologie kennen, aber auch Berlinerinnen von heute wie die Straßensexarbeiter:innen aus der Kurfürstenstraße.


Mehr Kunst und Ausstellungen in Berlin

Immer gut über das Leben in Berlin informiert: Abonniert jetzt unseren wöchentlichen tipBerlin-Newsletter. Ihr wollt wissen, was in der Gastro-Welt Berlins geschieht? Hier entlang. Unsere Empfehlungen für eure Ohren: Konzerte in Berlin. Tipps und News für Party in Berlin findet ihr in der Club-Rubrik. Nach Feierabend noch was unternehmen? Diese Museen in Berlin sind auch abends länger geöffnet. Immer neue Texte und Tipps findet ihr in unserer Rubrik „Ausstellungen“.

Share

Mit der weiteren Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden um Ihnen die Nutzerfreundlichkeit dieser Webseite zu verbessern. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.