Galerien und Museen

Kunst und Ausstellungen in Berlin: 12 Tipps draußen, drinnen und online

Ob in Museen oder Galerien, online oder draußen – in der Stadt gibt es momentan viel zu sehen. Das sind unsere Kunst-Tipps für dieses Wochenende in Berlin: von Modeikonen über Architektur-Touren bis zum digitalen Besuch im Museum. Wenn ihr Kunst und Ausstellungen in Berlin vor Ort sehen wollt, braucht ihr derzeit ein Zeitfensterticket oder müsst euch anmelden. Und den tagesaktuellen negativen Schnelltest bitte auch nicht vergessen.


Berliner Modeikone

Sexy Strickmode von Claudia Skoda. Foto: Claudia Skoda/SMB/Kunstbibliothek/Dietmar Katz
Sexy Strickmode von Claudia Skoda. Foto: Claudia Skoda/SMB/Kunstbibliothek/Dietmar Katz

Seit den 1970er-Jahren gehört Claudia Skoda zu den coolsten Modemacherinnen der Stadt. Mit ihren avantgardistischen Entwürfen revolutionierte sie die Strickmode, sie erschuf ein kreatives Umfeld aus Künstlern, Musikern und Szenegestalten, das weit über ihre eigentliche Tätigkeit hinausreichte und wurde so zur Ikone der Subkultur. Die Ausstellung „Dressed to Thrill“ in der Kunstbibliothek widmet sich Skodas Leben und Werk.

  • Kunstbibliothek am Kulturforum Matthäikirchplatz, Mitte, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, www.smb.museum

Realitätsgewinn

In der Kunstwelt hat die technische Entwicklung von Virtual-Reality-Werken unsere Bilderwelten buchstäblich auf den Kopf gestellt. So ist die VR-Realität seit einigen Jahren zum neuen Spielfeld gerade
für junge Künstler*innen geworden. In den Räumen des Hauses am Lützowplatz kann man sich, mit VR-Brille auf der Nase, in die digitalen Kosmen der Künstlerinnen Banz & Bowinkel, Evelyn Bencicova, Patricia Detmering, Armin Keplinger und Lauren Moffatt eintauchen. Sie alle sind nominiert für den VR-Kunstpreis der DKB.

  • Haus am Lützowplatz Lützowplatz 9, Mitte, 17.4. bis 6.6., Di-So 11-18 Uhr, www.hal-berlin.de

Exzessive Gegenwart

Ausstellungsansicht von Pauline Curnier Jardin „Fat to Ashes“. Foto: Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Mathias Völzke

Ein sonderbares Konstrukt hat die französische Künstlerin Pauline Curnier Jardin in die große Halle im Hamburger Bahnhof, dem Museum für zeitgenössische Kunst, platziert. Es sieht aus wie Mischung aus dem römischen Kolosseum und einem Zelt. Wer es betritt, wird mit einer raumgreifenden Leinwand konfrontiert. Darauf zu sehen ist eine Videoarbeit, die es in sich hat: Gewalt, Kontemplation, Tanz und Trance. „Fat to Ashes“ von der Trägerin des Preises der Nationalgalerie 2019 ist nichts für schwache Nerven – aber das ist unsere Gegenwart auch nicht.

  • Hamburger Bahnhof Invalidenstraße 50-51, Mitte, bis 19.9., Di-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, www.smb.museum

Fenster-Bilder

Nach Sabine Hornings Textildruck von nächtlichen Fenstern zeigt Berlin Weekly Malereien des Kölner Künstlers Raimund von Lickwald. Das Motto der Ausstellung ist pandemietauglich: „Jedes Gehirn wird auf Dauer die Abbildung seiner Wohnung, wenn es nicht die Wohnung zu seinem Abbild macht“.

  • Berlin Weekly Linienstr. 160, Mitte, bis 19.4., Mo-So bis 22 Uhr erleuchtet

Gespenster der Geschichte

Die kleinen Totenmasken sind Teil der Arbeit "Gespenster" von Roland Boden. Foto: Roland Boden
Die kleinen Totenmasken sind Teil der Arbeit „Gespenster“ von Roland Boden. Foto: Roland Boden

Viele Denkmäler stehen zur Zeit auf dem Prüfstand: Ehrungen für einstige Helden, die die Geschichtsschreibung inzwischen als Kolonialisten, Kriegstreiber kennt. Wie damit umgehen? Der Berliner Künstler Roland Boden greift das Thema auf: in einer Schaufensterschau in der Heinrich-Böll-Bibliothek von Pankow, organisiert im Rahmen des Festivals Art Spring vom Kunstraum Korn. Dabei bezieht sich Bode mit seiner Installation „Gespenster“ auf den KPD-Politiker Ernst Thälmann, dem zu Ehren unweit der Bibliothek zu DDR-Zeiten ein Denkmal gesetzt wurde.

  • Heinrich-Böll-Bibliothek Greifswalder Str. 87, Pankow, bis 23.5., Mo–So 0–24 Uhr

Briefe an uns

Der Projektraum Diskurs zeigt mit „Letter (to us)“ auf einer Leuchttafel an den Treptower Elsenbrücke in zwei Staffeln Arbeiten internationaler Künstler:innen aus Korea. Den Anfang machten Yeondoo Jung und Kira Kim, ab 19. April folgen Young-jun Tak und Seongwon Won. Ihre Arbeiten haben den Bezug zu gesellschaftspolitischen Themen und das Spiel mit Träumen und Symbolen gemein.

  • Diskurs An den Treptowers 1, Treptow, bis 18.4. bzw. 7.5.

Sonne im Untergrund

Die Berliner Künstlerin Bettina Weiß hat für eine Vitrine im U-Bahnhof Kleistpark eine Installation aus Holzbildern geschaffen. „Unter der Sonne“ heißt ihre Arbeit, die sich der lebensspendenden Kraft des Fixsterns unseres Planetensystems annähert. Die Arbeit entstand in Kooperation mit Atrans, einer Plattform für die Verbindung von Kunst mit Architektur mit dem Stadtraum.

  • Vitrine im U-Bahnhof Kleistpark (U7) Schöneberg, 15.4.–6.6.

Fliegende Objekte

Installationsansicht von "Into Space" im Haus am Waldsee, 2020. Foto: Roman März
Installationsansicht von „Into Space“ im Haus am Waldsee, 2020. Foto: Roman März

Um Raumfahrt und Galaxien dreht sich die aktuelle Ausstellung „Into Space“ im Haus am Waldsee. Ausgestellt sind verblüffende und dynamische Skulpturen sowie Installationen von Naum Gabo, Berta Fischer und Björn Dahlem. Online findet man dazu aufgezeichnete Gespräche mit Berta Fischer und Björn Dahlem. Im Skulpturenpark des Hauses am Waldsee kann man Arbeiten unter anderem von Tony Gragg und Angela Bulloch sehen. Zudem kann man auf der Internetseite Filme von Berliner Künstler:innen-Duo Nina Fischer/Maroan el Sani gucken.


Bilder einer Weltmacht

Pieter Lastman: Jephta und seine Tochter, 1611, Öl auf Holz, 122,5 x 200 cm © Kunst Museum Winterthur, Geschenk der Stiftung Jakob Briner, 2018

Als der große Rembrandt malte, handelten und kämpften sich die Niederlande zur Weltmacht empor. Die Ausstellung „Rembrandts Orient“ im Museum Barberini in Potsdam thematisiert anhand von 110 Exponaten, wie sich dieses Kapitel der Weltgeschichte in damaligen Porträts, Stilleben und und biblischen Szenen spiegelte. Das Museum ist zwar momentan geschlossen. Die Ausstellung kann man dennoch in einem virtuellen 360-Grad-Rundgang besuchen und Führungen per Zoom buchen.

  • Museum Barberini Alle Infos zur aktuellen Ausstellung findet ihr hier

Dunkle Dekadenz digital

Schaurig-Fröhlich: James Ensor „Das malende Skelet“, 1896 Foto: Hugo Maertens/ Royal Museum of Fine Arts Antwerp, www.lukasweb.be – Art in Flanders

Die Lust am Abgründigen und übersteigerter Ästhetizismus lebten vor allem in der belgischen Kunst Ende des 19. Jahrhunderts auf. Wer letztes Jahr die beeindruckende, große Sonderausstellung „Dekadenz und dunkle Träume. Der belgische Symbolismus“ in der Alten Nationalgalerie verpasst hat, kann diese nun in einem 360-Grad-Rundgang virtuell besuchen.

  • Alte Nationalgalerie Den Blick in die Ausstellung mit Kunst aus Belgien findet ihr hier, Hintergrundinformationen haben die Staatlichen Museen zu Berlin hier aufbereitet

Internationale Videokunst

Die Julia Stoschek Collection gehört zu den wichtigsten Medienkunst-Sammlungen weltweit. Neben einem Privatmuseum in Düsseldorf gibt es auch eines in Berlin. Seit diesem Jahr ist ein Teil der Sammlung in einem Online-Katalog für jeden kostenlos zugänglich. Über 215 Arbeiten sind zu sehen, unter anderem von namhaften Künstler:innen wie John Bock und Monica Bonvicini, Ian Cheng, Pipilotti Rist oder Wolfgang Tillmans.


Architektur-Spaziergänge mit der Berlinischen Galerie

Eine Ausstellung? Nicht ganz. Die Berlinische Galerie bietet Touren zu Architektur-Meilensteinen an. Eine davon führt durch Kreuzberg und erklärt, was es mit John Hejduks Turm auf sich hat. Foto: Imago/Schöning
Eine Ausstellung? Nicht ganz. Die Berlinische Galerie bietet Touren zu Architektur-Meilensteinen an. Eine davon führt durch Kreuzberg und erklärt, was es mit John Hejduks Turm auf sich hat. Foto: Imago/Schöning

Die Berlinische Galerie bietet kostenlos drei Touren auf ihrer Website als Teil der Ausstellung “Anything Goes? Berliner Architektur der 1980er Jahre“ an. Ausgangspunkt sind die Internationalen Bauausstellung (IBA) im Westen und der Bauausstellung im Osten Ende der 1980er Jahre. Dabei beleuchten die Audiowalks anhand prägender Bauten in Kreuzberg und entlang der Friedrichstraße die Geschichten und Visionen dahinter. Unterhaltsam, kurzweilig und lehrreich.

Berlinische Galerie Mehr Infos zu den Touren hier


Mehr Kunst und Ausstellungen in Berlin

Sie war mit David Bowie und Iggy Pop befreundet, der junge Martin Kippenberger wohnte in ihrer Kreativzentrale, der Kreuzberger Fabrikneu. Im Interview erzähl Claudia Skoda aus ihrem aufregenden Leben. Im Sommer soll es wieder so weit sein: Die Halle am Berghain plant eine neue immersive Kunstausstellung. Was ist gerade eigentlich möglich? Wir haben zusammengestellt, welche Galerien und Museen geöffnet sind.