Ausstellungen

Ausstellungs-Festival „Based in Berlin“

based_in_berlinSchon wieder Berlin Biennale? Nein, erst im nächsten Jahr. Doch Aufwand und Anspruch der Ausstellung Based in Berlin erscheinen ähnlich. Es geht um internationale Kunst, made in Berlin. Was gezeigt wird, ist keine Importware. Vorgestellt wird eine bunte Truppe aus Neu- und Wahlberlinern, 80 Künstler aus 26 Ländern, die hier leben und arbeiten. Und einige sind sehr erfolgreich.

Nina Canell und Danh Vo beispielsweise. Die Schwedin und der Vietnamese mit dänischem Pass zählen am Kunstmarkt zu den gefragten Aufsteigern. Was in den Ateliers von Wedding, Friedrichshain oder Kreuzberg gezimmert wird, ist längst ein Exportschlager. Die Ausstellung lenkt den Blick aber auch auf die weniger Bekannten der hiesigen Szene. Mission: Erkundung Basisgeschehen. Erkenntnis: Die Hauptstadt als Ort der Produktion und kreativen Innovation. Fernziel: Neue Kunsthallen braucht Berlin. Oder etwa nicht?
Die Vorgeschichte zu dieser Schau, die sich der Senat 1,6 Millionen Euro kosten lässt, war denkbar unrühmlich. Erst kam massive Kritik an der „Leistungsschau“, so der erste Titel, besonders aus der Off-Szene. Dann die Notlandung im Monbijoupark, nachdem zunächst der Standort Humboldthafen favorisiert worden war – dort wo schon Klaus Wowereits Träume einer (privat finanzierten) Kunsthalle geplatzt waren. Immerhin ist das Graffiti beschmierte ehemalige Atelierhaus im Monbijoupark als Ausstellungsort schäbig genug, um angesagt retro zu wirken.

Und es strahlt mächtig aufgemotzt. Die Fackel der Freiheitsstatue, eine Arbeit von Danh Vo, reckt sich 16 Meter hoch zum Gruß. Spektakulär. Eine begehbare Open-Air-Terrasse, auf der drei Edel-SUVs thronen, die Oliver Laric in China nachbauen ließ, zieht schon aus der Ferne den Blick auf sich. Sie überformt in 13 Meter Höhe die bescheidene Hütte, die bis vor Kurzem noch von der Kunsthochschule Weißensee genutzt wurde. Bald wird das Atelierhaus abgerissen. Künstler wie Dieter Goltzsche hatten hier ihre Arbeitsstätte. Der Zeichner aus der DDR gehört freilich nicht zur Elite-Riege, die nun die Räume aufmischt. Warum eigentlich? Weil die fünf Kuratoren plus drei Berater, welche die Auswahl der Mitwirkenden trafen, wissen, was Blümchenkunst ist und was nicht? „Ich wette, die kuratieren sich wieder nur ihren bescheuerten Galeristenszenegossip in diese Show – es kennt ja jeder jeden und alle sind sich gegeneinander wieder mal verpflichtet“, meinte im Vorfeld ein Berliner Maler. Die Kunst ist auch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Based_in_BerlinHerbert Mondry, Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlin, erhob seine kritische Stimme: „Tausende von Künstlern wurden mit einem ‚Open Call‘ zur Einreichung von Mappen für das Projekt Based in Berlin aufgefordert. (…) Nahezu alle von ihnen müssen sich betrogen fühlen, wenn die Projektkuratoren ohnehin nur 80, natürlich ohne Ausschreibung bereits bekannte, ‚Emerging Artists‘ ausstellen wollen.“

Die Kunsthochschule Weißensee hat einen eigenen „Open Call“ ausgerufen und organisiert zeitgleich in der Kunsthalle am Hamburger Platz eine „unzensierte Ausstellung“ mit Berliner Künstlern. Titel: „Die Leistungsschau“. Based in Berlin sei eine Instrumentalisierung von Kunst und Künstlern, so wurde es im Offenen Brief „Haben und Brauchen“ angeprangert. Ellen Blumenstein vom Salon Populaire, die Initiatorin des Offenen Briefes an den Regierenden Bürgermeister, und 2.500 Unterzeichner bemängelten, dass der Imagegewinn für die Stadt auf Kosten der Akteure gehe. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Künstler verschlechterten sich zusehends. Sie wünschte sich „eine strukturelle Unterstützung des Kontextes“ statt 1,6 Millionen Euro für ein Sechs-Wochen-Projekt.

Die Citywerbung wird durch Based in Berlin freilich befeuert, und so ein Kunstfestival macht ja auch Spaß. Party bei freiem Eintritt. Kunstfilmabende auf der großen Open-Air-Leinwand im Park, Erkundungen des überwucherten Bunkers, den Köken Ergun bespielt, oder unkonventionelle Spontan-Aktionen in der vom Künstler Tjorg Douglas Beer initiierten Forgotten Bar sorgen für jene Abwechslung, die der Art-Junkie sucht. Wildwuchs-Strukturen. Das ist typisch für Berlin und auch für die Kunst, die hier entsteht. Projekträume wie Autocenter und After the Butcher sind daher ebenso Bestandteil der Schau wie die Emerging Artists. Dieser Wildwuchs auf der ewigen Baustelle Berlin verleiht dem Alltag das Flair des Abenteuers, bevor er zum Glamour-Faktor mutiert. In der Diskussion zur Berliner Stadt- und Kunstpolitik, die am 8. Juni im Salon Populaire stattfindet, wird dieser Aspekt sicherlich aufgegriffen.

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Fotos: Michael Milosh (oben), Harry Schnitger

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