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„Bar Berlin“ – Die neue tip Kunstedition von Jim Avignon

"Bar Berlin" - Die neue tip Kunstedition von Jim Avignon

„Wenn es ein wiederkehrendes Motiv bei meinen Bildern gibt, dann ist es die Bar“, sagt Avignon beim Gespräch in der ­Ankerklause, einer Bar an der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln, direkt am Landwehrkanal. Alteingesessene, Hipster, Touristen und Punks wuseln über die Kottbusser Brücke. Eine ­Szenerie wie aus einem Avignon-Bild. Grell, bunt, dynamisch – Pop eben, Berliner Pop. Avignon ist unser Andy Warhol, wenn man so will. Als umtriebiger Tausendsassa prägt er seit gut einem Vierteljahrhundert die subkulturellen Geschicke dieser Stadt, trotz eines mehrjährigen Intermezzos in New York. Er ist mehr als ein Maler, er war der „schnellste Maler der Welt“, außerdem Illustrator, Kurator, Partyveranstalter, Musiker und DJ.

Meist wird Jim Avignon mit der Frühzeit der Berliner Technoära in Verbindung gebracht, den frühen Neunzigern. Seine bunten, zwischen Comic, Pop-Art und Expressionismus oszillierenden Bilder schmückten die temporären Clubs und Bars und auch die Wagen der ersten Loveparades. Er drückte Techno visuell einen Stempel auf, machte später viel Geld im Dienste der Werbeindustrie, bekam Gewissensbisse, brannte aus und verpulverte schließlich die Kohle für eine irre Ausstellungstour quer durch Europa.

Als eine Party seines Radiobar-Kollektivs im Künstlerhaus Bethanien 3.000 Menschen anlockte, zog er auch da die Notbremse. Das waren seine 90er-Jahre.

Avignon blieb kreativ, bis zur Erschöpfung, malte Bild um Bild, Motiv um Motiv. Stadt, Straßen, Alltag, Partys und immer wieder Bars. Er bemalte Pappkartons, Leinwände, die Berliner Mauer, Hauswände und ein Flugzeug. Dem Kunstmarkt hat er sich verweigert. Statt in sterilen Galerien stellte er lieber an ungewöhnlichen Orten aus, in Hotels, im Fernsehturm oder in Kneipen, wo er seine Bilder direkt von der Wand verkaufte. Nebenbei startete er das Musikprojekt Neoangin und irritierte sein Umfeld mit elektronischer Musik, zu der er sang, richtige Lieder mit richtigen Texten!
Irgendwann wollte er mehr von der Welt sehen und haute ab nach New York. Sieben Jahre blieb er dort und kehrte 2012 in ein verändertes Berlin zurück. „Ich kann schon verstehen, dass die Touristen, das Englisch in den Straßen und die gestiegenen Preise den Locals gegen den Strich gehen, aber im Vergleich zu New York ist das noch harmlos und eher ein Zeichen, dass Berlin internationaler wird“ sagt er. Er zog nach Neukölln und sitzt dort gerne mal in Hipster-Bars, wo die Leute Englisch sprechen und Craft-Beer trinken, und zeichnet das Geschehen.

Auch für den tip hat er das Motiv aufgenommen: Seine Kunstedition „Bar Berlin“ ist eine Liebeserklärung an die Bar als sozialen Raum, in dem sich Leute, die es zu Hause nicht aushalten, treffen, trinken, quatschen, sich verlieben, streiten, tanzen oder Drogen nehmen. „Die Bar ist eine Bühne für hundert Dramen gleichzeitig, lustige und traurige“, sagt er. Wenn er könnte, würde er jeden Tag in die Bar gehen, als Familien­vater geht das nicht mehr und eine Bar zu betreiben, wäre auch nichts für ihn. „Ich bin lieber Gast als Barkeeper“. Außerdem kann er ja immer noch Bars malen.

Foto: Jim Avignon

tip Siebdruck-Edition Nr. 4: „Bar Berlin“ von Jim Avignon. Handgefertigter Siebdruck, Auflage 99 Stück, signiert und nummeriert, im Format 50 x 70 cm. Jedes Exemplar kostet 99 Euro zzgl. Verpackung und Versand.

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