Ausstellungen

Berlin Art Week 2014

Berlin Art Week 2014

Die Berlin Art Week ist ein Festival. Es geht um Kunst, klar. Es geht aber auch um die Energie, ?die freigesetzt wird, wenn sehr viele Menschen gemeinsam dasselbe machen. Verkommt­ ­deshalb die Kunst zum Event? Nein. Denn die Idee, Ereignisse seien an sich schlecht und Kunst erschließe sich nur in der kontemplativen ­Zweisamkeit von Werk und Betrachter, ist längst überholt. Erleben und Mitmachen dagegen sind ­State of the Art. Also stürzen wir uns in die Kunstmetropole Berlin.

Das Leben mag ein langer, ruhiger Fluss sein, das Berliner Kunstgeschehen ist es ganz sicher nicht. Es verläuft in Wellen, wenn alle paar Wochen die Ausstellungen in den Galerien wechseln. Und in Sturmfluten, wenn wieder Gallery Weekend oder, wie jetzt vom 16. bis 21. September, Berlin Art Week ist. Dann drängt sich das Publikum als riesige Traube vor dem Eingang der Kunst-Werke oder reist in randbezirkliche Off-Spaces, die in dieser Zeit mehr Besucher zählen als im restlichen Jahr. Dann eröffnen kleine Schauen und große Häuser, wie am 13. September das Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst, ein privat finanziertes Ausstellungs­haus in den tollen Gebäuden der ehemaligen Kindl-Brauerei, im Neuköllner Rollbergviertel, wo man Projekträume erwartet, aber kein Groß­investment eines Schweizer Sammlerpaars. Dass es die Art Week gibt, ist wichtig für Berlin als Zeichen: Hier ist Deutschlands Kunst­hauptstadt. Und um den Kunstmetropolen-Anspruch in der Welt zumindest anzumelden.  Ersteres ist unbestritten. Bei Zweiterem ist die internationale Konkurrenz groß. Doch Berlin zieht weiterhin junge Künstler aus allen Teilen der Welt wie ein Magnet an, weil die Stadt unzählige, oft bedrohte Freiräume und ein exzessives Boheme-Leben verspricht. Und ein Künst­ler allein über den Wohnort Berlin das Signal „interessant“ aussenden kann. Einlösen kann Berlin solche Versprechen zwar viel weniger als früher, aber offenbar immer noch mehr als andere Städte. Und Stars wie Olafur Eliasson oder Tino Sehgal leben und arbeiten hier schon lange, doch eigentlich ist ihr Arbeitsplatz die ganze Welt, denn der Kunst­betrieb funktioniert inzwischen global. Die Sammler fehlen in Berlin. Die großen Umsätze den meisten Galerien auch. Die Förderung wird weniger. Dafür spucken die Kunsthochschulen ständig Nachwuchs aus. Und die Kritiker sorgen mit ihrer Theorie- und Text­produktion für die Kriterien, mit denen der Wert der Kunst taxiert werden kann.
Die Kunstmetropole Berlin ist extrem vielstimmig. Das zeigt auch die Art Week. Damit sie funktioniert, mussten sich elf Partner zusammenraufen: Messen, Museen, Privatinstitutionen. Zum zweiten Mal sind Projekt­räume dabei, weil eine Kunst­stadt nur im Zusammenspiel von etablierten und experimentellen Akteuren gelingen kann. Und die Zuschauer dürfen auch immer häufiger mitmachen.

Text: Stefanie Dörre

Foto: Art and Religion Room, from Museum of Contemporary African Art 1997-2002, Installation shot at Tate Modern, 3 July – 22 September 2013 

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