Kunst-Festival

Berlin Art Week 2016: Die Messen

Am 13. September startet mit der  Berlin Art Week die wichtigste Kunstwoche des Jahres. Von Projekträumen über Galerien und Museen bis zu den Messen machen alle mit, die in der Stadt mit Kunst zu tun haben.

Carlier Gebaur Laure Prouvost
Jeff McLane/ Courtesy Carlier|Gebaur | Laure Prouvost Lick in the Past, 2016 Courtesy the artist and carlier | gebauer

In diesem Jahr versammeln sich erheblich weniger Galerien in der Station Berlin am Gleisdreieck. Offenbar steht die abc art berlin contemporary an einem Wendepunkt. Nur etwa ein Dutzend von insgesamt 62 Ausstellern kommen aus dem Ausland. „Wir haben gleich viele Bewerbungen, aber wünschen uns in diesem Jahr eine konzentriertere Präsentation“, sagt Silke Neumann von der abc dazu. Vor allem Arbeiten, die speziell für die abc entstanden sind, will man vorstellen und eben keine Messe im engeren Sinne sein.

Zwar fehlt auch von den Berliner Platzhirschen der eine oder andere, Contemporary Fine Arts etwa oder Max Hetzler, dafür haben ihre Kollegen wieder eine Reihe spannender Künstler zu bieten. Marie-Blanche Carlier und Ulrich Gebauer zeigen Werke der Londoner Video- und Multimediakünstlerin Laure Prouvost, die 2013 den Turner Prize gewann. Mehdi Chouakri kündigt den französischen Objekt- und Installationskünstler Saâdane Afif an. Und Fans von Spaßvogel Erwin Wurm – dessen kürzlich zu Ende gegangene Ausstellung in der Berlinischen Galerie  70.000 Besucher hatte – können bei Johann König zum Kauf schreiten.

Denn selbstverständlich geht’s nicht nur um Inhalte und Diskurse, sondern auch ums Geldverdienen. Der Berliner Kunstmarkt ist nicht einfach. Während etwa zehn Prozent der bundesdeutschen Galerien 85 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaften, liegt für die rund 90 Prozent mittelständischer Galerien in Berlin der Jahresumsatz zwischen 150.000 und 200.000 Euro – bei steigenden Kosten. Zuletzt machten die renommierten Galerien Croy Nielsen, cubus-m, VW VeneKlasen/Werner, die Gebrüder Lehmann, Johnen und Zink in der Hauptstadt dicht.

Anemone Vostell, Geschäftsführerin des Landesverbandes Berliner Galerien, kennt Gründe: „Die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes von 7 auf 19 Prozent, die Verschärfung der Künstlersozialabgabe (5,2 Prozent), dies und mehr schädigt vor allem den Berliner Markt, auf dem vor allem mit frischer Kunst direkt aus den Ateliers gehandelt wird.“ Mit diesen neuen Positionen verdiene eine Galerie aber oft erst nach zehn Jahren Geld. Nur fünf bis zehn Prozent der Berliner Galerien könnten das ausgleichen, indem sie am Sekundärmarkt partizipieren.

Natürlich wird der abc ein hoher Stellenwert beigemessen. So sagte Guido Beermann, Staatssekretär in der Wirtschaftsverwaltung, im Vorjahr: „Berlin ist Deutschlands größter Galerien- und Kunstproduktionsstandort. Mit mehr als 2.600 Unternehmen und rund 700 Millionen Euro Umsatz ist der Kunstmarkt inzwischen auch ein starker Wirtschaftsfaktor.“
Was national besehen ein Erfolg ist, relativiert sich dann aber doch im internationalen Vergleich. Das Feld der neunten abc wirkt im Vergleich zu den 100 Teilnehmern 2015 geschrumpft. Es mag an der „Messedichte“ im Herbst liegen und „dem schwachen Berliner Kunstmarkt“, vermutet Silke Neumann, dass die abc „einen eher schweren Stand bei internationalen Galerien hat“.

Die hiesigen Größen arbeiten freilich ebenfalls international. Aus der Berliner Galeriendichte und ihrer Qualität ergab sich von Beginn der abc an ein lokaler Fokus. Mit diesem Heimvorteil punktet im Frühjahr bereits das erfolgreiche Gallery Weekend. In dieser Liga wird sich die abc künftig bewähren müssen.

Die Messen

abc art berlin contemporary
Das kuratiertes Messeformat versammelt alle wichtigen Berliner –  plus nationale und internationale –  Galerien. Ein exzellenter Überblick über die interessanten Künstler am Kunstmarkt. Ein Herzstück der Berlin Art Week.
Station Berlin, Luckenwalder Str. 4-6, Kreuzberg, Do 15.–So 18.9., Eröffnung 15.9. 16–20 Uhr, 16.+17.9. 12–19 Uhr, 18.9. 12–18 Uhr; abc gallery night, verschiedene Orte, Fr 16.9. 18–21 Uhr,  www.artberlincontemporary.com

Positions Berlin
Eine sogenannte junge Kunstmesse mit 74 Ausstellern, die aufstrebende Positionen zeigen. Im Klartext: hier hängen tolle Arbeiten neben Mittelmäßigem. Schön: Vieles ist erschwinglich! Die Positions gehört zur Berlin Art Week.
Postbahnhof am Ostbahnhof, Straße der Pariser Kommune 8, Friedrichshain,  Do 15.–So 18.9., 15.9. 18–22 Uhr, 16.+17.9. 13–20 Uhr, 18.9. 11–18 Uhr; www.positions.de

Berliner Liste
112 Aussteller aus 25 Ländern, dazu gibt es in diesem Jahr noch eine spezielle Sektionen zu junger japanischer Kunst mit 113 Künstlern. Das ist eine Messe für Entdecker. Es gibt richtig gute Arbeiten aber auch Gurken, die Preise sind eher budget. Die Berlinern Liste ist nicht Teil der Berlin Art Week.
Kraftwerk Berlin, Köpenicker Str. 70, Mitte, Do 15.–So 18.9., 15.–17.9. 13–21 Uhr, 18.9. 11–19 Uhr,
www.berliner-liste.org

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