Ausstellungen

„Berlin Plein Air.“ Malerie 1995-2012″ in der Alten Münze

christopher_lehmpfuhl_c_florian_seligPackeisartige Schollen treiben auf der Spree. Seltsamerweise wirken die Farbblöcke dennoch schwerelos. Christopher Lehmpfuhl malt bei jedem Wetter draußen. Ob es stürmt oder schneit. Nicht von ungefähr zählt er Lesser Ury mit seinen regennassen Berliner Straßen zu seinen Kronzeugen. Einmal rieselten dicke Schneekristalle in die weiß-bunte Farbschicht. „Das ergab dann diesen speziellen Mousse-au-Chocolat-Effekt!“, scherzt der Maler. Wer in den letzten Jahren durch Mitte spazierte, ist dem Unentwegten vielleicht begegnet. Minutiös verfolgte er den Rückbau des Palasts der Republik, baute sich mit seinen kolossalen Leinwänden vor spektakulären wie beiläufigen Szenerien auf. Proportional zum Format begann er den Farbauftrag zu steigern. Während ihn zunächst das Eliminieren von alter Bausubstanz in der Hauptstadt interessierte, kapriziert er sich nun zunehmend auf neue Bauten. Ungeschlacht wüten seine Farbbahnen über die aufgerissene Erde. Über 400 Stadtansichten Berlins hat der einstige Meisterschüler von Klaus Fußmann geschaffen.

Was er von seinem Lehrer Wesentliches gelernt hat? „Dass man aus Nichts etwas machen kann, aus Ölspuren auf dem Boden, einer verschmutzten Wand, einem Spiel von Licht und Schatten, aus etwas Unbedeutendem ein sinnliches Erlebnis kreieren.“ An einem Gemälde arbeitet er ein bis zwei Stunden. Unorthodox ist auch Lehmpfuhls Malweise, hat er doch die meisten seiner Bilder mit den bloßen Händen gemalt. Wenn man seine Werke abgebildet sieht, erschließt sich ihre Wucht nicht. Der Betrachter muss sie von der Seite beäugen: Da türmen sich zentimeterdicke Farbkaskaden auf. Den Künstler wurmt es, wenn Passanten in ihm einen gewöhnlichen „Straßenmaler“ sehen – und die Augen aufsperren, wenn er für eines seiner Stadtporträts 25?000 Euro verlangt. Kulturstaatsminister Neumann sowie die Sponsoren Daimler & Deutsche Bank stifteten bei der Vernissage höhere Weihen. 

Text: Martina Jammers

Foto: Florian Selig

Berlin Plein Air.“ Malerie 1995-2012 Alte Münze, Molkenmarkt 2, Mitte, tgl. 12–19 Uhr, Do 12–21 Uhr, bis 23.12.

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