Ausstellungen

„Berlin.Status“ im Künstlerhaus Bethanien

Berlin.Status_c_CyrillLachauerGut ein Jahr nach ihrer ersten Bestands­aufnahme aktueller Tendenzen in der jüngeren Kunstszene haben sich Sven Drühl und Christoph Tannert erneut an eine Überblicks­ausstellung zum Stand der Dinge gemacht. Ihre fulminante Schau „Berlin.Status (2)“ vereint im Künstlerhaus Bethanien museumsreife Werke von rund 50 in Berlin ansässigen Künstlern und Künstlerinnen um die 30 Jahre. Sie zeugt von Anspruch und Ambition, paart Spürsinn mit Feingefühl. Trotz der prekären Situation – nicht nur für Künstler – ist deren Blick erstaunlich selten sozialkritisch, dafür gerne rückwärtsgerichtet oder auf die Natur und das eigene Selbst, oft auf surreale sowie morbide Effekte. Aber auch eine neue Schlichtheit und meditative Kraft ist auszumachen, ebenso ein Hang zum Clownesken, trashig Abgedrehten und Ausgefallenen. Also von vielem etwas und das vor allem schwer gekonnt. Man staunt über die technische Versiertheit der Jungkünstler und ihre ausgeklügelten Werke. Regelrechte Virtuosen sind zu entdecken!

Darunter klassische Zeichner wie Tim Plamper und Dennis Scholl ebenso wie experimentierfreudige Allrounder mit progressiven Methoden, etwa Wolfgang Ganter oder Robert Seidel. Seidels 2-Kanal-Projektion auf Papierskulpturen ist eine hochkomplexe Angelegenheit und doch einfach schön. Dasselbe lässt sich über Ganters ausgefeilte Reminiszenz an Sandro Botticellis Venus sagen. Insgesamt wirkt nichts dahingerotzt oder müde gekleckert. Mehrheitlich sind die Arbeiten durchdacht und fantasievoll. Humor scheint eher selten auf. Er ist in der poetischen Körper-Bild-Sprache von Mariechen Danz präsent oder den eigenwilligen Uhren-Skulpturen von Nuri Koerfer. Ihre Farbdrucke auf Metall ragen martialisch und vorwitzig zugleich aus der Wand. Viele, die tolle Arbeiten beisteuern, wären noch zu nennen: Song-Ming Ang, John Kleckner, Marcellvs L. oder Emma Waltraud Howes. Handwerk, so zeigt die Schau, ist beherrschbar und Kunst kommt anscheinend bei der jungen Generation wieder von Können. Verweigerung war einmal. Oder liegt das nur am guten Geschmack und der gelungenen Auswahl der Kuratoren?

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Cyrill Lachauer

Berlin.Status (2) Künstlerhaus Bethanien – Schauraum, Kottbusser Straße 10, Kreuzberg, Di–So 14–19 Uhr, bis 16.6.

Mehr über Cookies erfahren