Ausstellungen

„Berlin surreal“ im Camaro-Haus

„Es war eine unglaublich aufregende, turbulente Zeit damals im zerstörten Berlin“, schrieb Heinz Trökes 1995 im Vorwort zu Markus Krauses Buch über die Galerie Gerd Rosen, die erste private deutsche Kunstgalerie nach Kriegsende. Trökes’ Gemälde „Tanz auf schwankendem Grund“ von 1947 spiegelt die kreative Aufbruchsstimmung inmitten einer skurrilen Trümmerlandschaft in leuchtenden Farben wider – ähnlich wie bei „Mondkanone“.

1949, kurz nach der Blockade West-Berlins, gab es kaum etwas zu essen, aber reichlich Fantasie. Pinsel, Farbe, Leinwand und vor allem Ateliers waren Luxusgüter, auch wenn die Künste von den Besatzungsmächten gefördert wurden. In diesem Jahr gründete eine Handvoll Künstlerinnen und Künstler aus dem Umkreis der Galerie Gerd Rosen wie der Maler und Tänzer Alexander Camaro, Heinz Trökes, Wolfgang Frankenstein, Werner Heldt und Jeanne Mammen das Künstlerkabarett Die Badewanne.

Inspiriert vom Absurden Franz Kafkas, dem französischen Surrealismus und dem Expressionismus, riefen die Kreativen im Keller das experimentelle Projekt ins Leben. Das gleichberechtigte Zusammenspiel aller Kunstsparten sollte Programm sein. Aus Text, Bild, Skulptur, Musik und Tanz wurde ein Gesamtwerk entwickelt.

Kunst kaufen: Kat Menschik gehört zu den bekanntesten Zeichnerinnen Deutschlands. Für den tip gestaltete sie die Arbeit „Berlin Wild Life“, die als limitierte Siebdruckedition erscheint

Mit Werken einiger am Kabarett beteiligten Malerinnen und Maler, dokumentarischen Fotos und Originaltexten stellt die Camaro-Stiftung das Projekt 65 Jahre nach dessen Gründung vor und trägt so hoffentlich dazu bei, dass es nicht aus der Geschichtsschreibung zur Berliner Kunstszene verschwindet.

Text: Constanze Suhr

Foto: Eric Tschernow / Camaro Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2014

tip-Bewertung: Sehenswert

Berlin surreal Camaro-Haus, Potsdamer Straße 98a, Tiergarten, Di, Do–Sa 13–17 Uhr, Mi 13–20 Uhr, bis 24.7.

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