Ausstellungen

Berlin Transfer in der Berlinischen Galerie

Berlin_TransferGASAGEs ist aus Muranoglas, und es ist groß, größer als alle deko­rativen Objekte, die sonst aus dem venezianischen Glas hergestellt werden, um die Blicke zu fangen: ein Auge, überdimen­sioniert dargestellt mit Sehnerven und Muskeln und in einem überdimensionierten Fischernetz gebettet in Raimund Kummers Installation „Eyecatcher“. Der Schatten des Auges gleicht einer riesigen Krake, und schon deshalb passt es gut in jenes Fischernetz, das ebenso wie das Glas auf den Herstellungsort und die Mythen von Venedig verweist. Dieses Auge starrt den Besucher an, macht ihn selbst zum gesehenen Objekt in der Ausstellung „Berlin Transfer – Junge Kunst der Berlinischen Galerie und der Gasag“ in der Berlinischen Galerie.

Dass der Blick sich umkehrt, passiert auch in der zweiten Installation im Raum, „Eckensteher“ von Adrian Rovatkay, die miniaturisiert, wo Kummer vergrößert. Vier klei­ne Stereokästen hängen in den Raumecken, an die man sehr nahe herangehen muss, um die skurrilen, dramatischen Szenen im Inneren mit fliegenden und verzerrten Figuren zu sehen. Wer da hereinschaut, bietet für die übrigen Besucher wiederum selbst das Bild eines merkwürdig angespannten Körpers, ganz auf das Sehen ausgerichtet.
Ein solches oft heiteres Doppelspiel konnten die Kuratoren fast in allen Räumen spielen, um die Gasag-Sammlung, die als Leihgabe ins Museum gekommen ist, dort erstmals vorzustellen. Einzig das Wort „Junge Kunst“ wirkt angesichts der vielen seit zehn oder 20 Jahren in Berlin etablierten Künstler unter den 50 Teilnehmern etwas deplatziert. Viele der ausgestellten Werke wurden übrigens auch schon in den tip-Kunstnotizen vorgestellt, als sie in Berliner Galerien oder in Off-Spaces vor Jahren das erste Mal zu sehen waren.    

Text: Katrin Bettina Müller
Foto: „Schrat „web“ von Roman-März/Henrik Schrat

(tip-Bewertung: Sehenswert )

Berlin Transfer – Junge Kunst der Berlinischen Galerie und der Gasag
Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, Kreuzberg, Mi-Mo 10-18 Uhr,
bis 24.5.

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