Ausstellungen

Berliner Medizinhistorisches Museum der Charitй

Dr_Schnalke_c_HSDie düsteren Räume im Keller der Ostberliner Charitй mit ihren Skeletten, Präparaten und Gläsern mit konservierten Organen und Föten sind der angemessen gruselige Schauplatz für Hettches Geschichte aus der Nacht, als die Mauer fiel. Zu dieser Zeit war die Sammlung tatsächlich in der Charitй untergebracht und nur zum Teil öffentlich zugänglich. Heute ist die immer noch bemerkenswerte Virchow-Sammlung Teil des Medizinhistorischen Museums der Charitй. Den Krieg hat nur ein Bruchteil der ursprünglich 35?000 Objekte überstanden. Nach der Wiedervereinigung sollte diese Sammlung jedoch nicht einfach wieder zugänglich gemacht werden. Die Fragestellungen an die Exponate hatten sich grundlegend verändert. Eine pathologische Sammlung, die Virchow ursprünglich für seine Studenten angelegt hatte und deren spektakulärsten Objekte schon Ende des 19. Jahrhunderts einem schaudernden Publikum präsentiert wurden, war ethisch nicht nur ausgesprochen fragwürdig, sondern passte auch nicht mehr in die Zeit. Als Teilbereich des Medizinhistorischen Museums wird die Virchow-Sammlung heute in ihren zeithistorischen Kontext gestellt. Dabei wird ihre Bedeutung in der Nazizeit nicht unterschlagen, wie Thomas Schnalke (Bild), der Leiter des Museums, betont: „Die Medizin an der Charitй hat sich im Dritten Reich sehr bereitwillig rassen­ideologischen Gedanken geöffnet.“ Und das wird auch gezeigt.

Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erzählt das Medizinhistorische Museum die Geschichte der Medizin. Wie ändert sich der Blick auf den Körper? Krank oder gesund, was ist Krankheit überhaupt und wie wird mit ihr umgegangen? Die Medizin, wie sie das Medizinhistorische Museum präsentiert, ist eine interdisziplinäre Wissenschaft. Thomas Schnalke: „Medizin ist keine reine Naturwissenschaft, ganz im Gegenteil. Medizin ist Heilkunst und Heilkunde. Es geht immer um das Wissen vom Menschen und die Frage, wie ich dieses Wissen anwenden kann.“ „Visite im Depot“ ist der Titel der aktuellen Sonderschau, in der weitgehend unbearbeitete und für die Sammlung noch gar nicht erschlossene Exponate neben Schätzen gezeigt werden, die nicht in der Dauerausstellung zu sehen sind. Das Medizinhistorische Museum befindet sich im ehemaligen Museumshaus von Virchows Institut für Pathologie. Der von außen eher unspektakuläre Bau bewahrt im Innern eine besondere Attraktion. Die vom Krieg angeschmauchten Überreste von Virchows Hörsaal sind so etwas wie der Eingang zum „Time Tunnel“, als der das Medizinhistorische Museum so großartig funktioniert. Und wie es sich für echte Geisterbahnen gehört, dürfen Kinder das Museum nur in Begleitung ihrer Eltern besuchen.   

Berliner Medizinhistorisches Museum der Charitй Charitйplatz 1, Mitte, www.bmm-charite.de, Di, Do, Fr, So 10–17 Uhr, Mi und Sa 10–19 Uhr, Mo geschlossen, Eintritt  7?/?3,50 Ђ

Text: Nicolaus Schröder / Mitarbeit Siyuan He

Foto: Harry Schnittger

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