Archäologie-Ausstellung

„Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ im Gropius-Bau

Was glänzt denn da? „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ zeigt Migration als Motor für Entwicklungen

Himmelscheibe von Nebra Bronze und Gold, ca. 1600 v. Chr. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Juraj Lipták

Was man so alles im Wald finden kann. Einer jener Hobbyarchäologen, die den Kindheitstraum vom Sachensucher weiterträumen und mit Metalldetektoren durch die Gegend streifen, machte dort eine tolle Entdeckung. Leider verwischte der Raubgräber wichtige Spuren und polierte den Fund blank – goldene Kleidungsbesätze in reiternomadischer, vielleicht hunnischer Tradition und einen fragilen, römisch inspirierten Klappstuhl aus Silber.

Inzwischen ist der „Barbarenschatz“ in den richtigen Händen und Teil der Leistungsschau der Landesarchäologen im Gropius Bau. Der sogenannte „Feldherrenstuhl“ zählt neben dem Pferdekopf von Waldgirmes in Hessen und der bronzezeitlichen Himmelsscheibe von Nebra aus Sachsen-Anhalt (in Kopie zu sehen) zu den spektakulären Neufunden der letzten zwei Jahrzehnte. Als Vollmond (oder Sonne), zunehmender Mond und Sternenhimmel werden die Goldauflagen der grünlichen Bronzescheibe gedeutet. Zusammen mit den zeremoniellen „Goldhüten“ aus dem Neuen Museum glänzen die Stücke um die Wette.

„Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ zeigt über 1.000 Exponate aus 16 Bundesländern. Anlass war das Europäische Kulturerbejahr 2018. Es lenkt den Blick auf die Beziehungen innerhalb Europas. Heute ist das Leben vernetzt und mobil, doch „Menschen sind immer unterwegs“, sagt Matthias Wemhoff, Leiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte, der die Schau mit erarbeitete. Die Zeiten seien früher nicht statischer gewesen. Es gab Klima-Flüchtlinge, Menschenhandel und Welthandel.
„Die Wege, auf denen wir uns heute bewegen, sind ganz alt.“ So beginnt der Rundgang mit der Mobilität. Animationsfilme zeigen Wanderungsbewegungen. Präsentiert werden die ersten Räder – im Olzreuter Ried (Oberschwaben) gefunden in Pfahlbausiedlungen von 2900 vor Christus. Diese ältesten Räder Europas begleiten Wegespuren, Brückenreste, Straßenbeläge aus verschiedenen Epochen und Orten. Stets suchten Menschen nach neuen Siedlungsplätzen, als Händler und Eroberer, aber auch als neugierige Pilger und Entdecker.

Das führte zum Konflikt, dem zweiten von vier Themenkomplexen der Schau, die unter anderem mit dem ältesten Schlachtfeld bekannt macht – im Tollensetal nahe dem heutigen Neubrandenburg. Auch das bewusste Zerstören von Symbolen aus religiösen Gründen – wie heute im Irak, Syrien oder Afghanistan – gab es schon immer. Doch genauso brachten kreative Ideen Veränderungen. Das älteste Kunstwerk der Menschheit: die Venus vom Hohle Fels, ca. 40.000 Jahre alt, aus Mammut-Elfenbein geschnitzt, leitet das Kapitel Innovation ein.

Im Zentrum der Fundgrube an Fundstücken liegt der Lichthof. Dort ist ein Teil der Hafenmauer des römischen Köln ausgestellt. Sie wurde beim Erweiterungsbau der U-Bahn freigelegt. Die mächtigen Überreste einer hohen Spundwand aus Eichenbohlen sind fast 2.000 Jahre alt. Diese „vielleicht größte Grabung in Deutschland“ hat ans Licht gebracht, dass Köln um 90 nach Christus eine pulsierende Metropole am Schnittpunkt vieler Handelswege war. „Alle Kölner sind zugereist zu jener Zeit“, so Wemhoff. Warenströme lassen sich durch die Ausgrabungen nachvollziehen. Sie belegen, was an der Wende vom ersten zum zweiten Jahrhundert in Köln gehandelt wurde: Olivenöl aus Spanien und Nordafrika, Oliven aus Südfrankreich, Wein aus Italien. Austausch sei der Beginn aller Entwicklung.

Die Botschaft der Schau: Herkunft teilen. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Vielleicht wird mancher Besucher danach über Fragen wie Migration und Globalisierung anders denken.

Martin Gropius Bau Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–19 Uhr, bis 6.1.2019

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