Ausstellungen

„Bombenalarm“ von Stefan Hochgesand

Stefan Hochgesand

Gerade kommt einem der Zweite Weltkrieg ganz weit weg vor, 70 Jahre nämlich, und schon platzt die nächste Bombe – da wir im Kunst­ressort zu Hause sind, zum Glück nur im übertragenen Sinne. (Obwohl man sich nicht minder wundern kann, dass auch heute noch riesige Wohngebiete evakuiert werden, um physische Weltkriegs­bomben zu entschärfen.) Nicht wirklich scharf ist der halb nackte Muskel-Superman, der jetzt wieder aufgetaucht ist – aber dafür wasch­echte Nazi-Kunst. Ein Relief, gefertigt von Arno Breker aus Salzburg, Hitlers Lieblingsbildhauer. Zusammen mit Josef Thoraks lebensgroßen „Schreitenden Pferden“ aus Bronze (die einst vor Hitlers Reichskanzlei standen) waren sie 1989 im brandenburgischen Eberswalde verschwunden und tauchten nun im beschaulichen Bad Dürkheim („Mehr Pfalz passt nicht zwischen die Weinberge!“) wieder auf. 100 Tonnen Nazi-Kunst. Und das just zu dem Zeitpunkt, als wir sowieso schon über unserer Story zu Arno Brekers altem Atelier brüteten (S. 84) und in Köln eine fette Weltkriegsbombe entschärft werden musste. Tage gibt’s! Dann sind selbst die „Bild“-Zeitung und das Privatfernsehen scharf auf Kunst. Stichwort „Kunst-Krimi“. Und tatsächlich stellt sich in den Ermittlungen die Frage: Wer kann mal eben 100 Tonnen unbemerkt quer durch die Repu­blik schleifen und ein Vierteljahrhundert lang bunkern? Jetzt aber erst mal Kunst mit Qualität statt Krimi für die Quote.

Mehr über Cookies erfahren