Museen

Brücke-Museum: Zurück auf Anfang

Die erste Ausstellung der neuen Direktorin des Brücke-Museums, Lisa Marei Schmidt, rekonstruiert die Eröffnungsschau von 1967

Foto: Max Kaus / Brücke-Museum Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn

Es gibt nicht viele Künstlermuseen in Berlin. Georg Kolbe hat rechtzeitig vorgesorgt und auch Karl Schmidt-Rottluff. An seinem 80. Geburtstag, 1964, schlug er vor, ein Museum zu errichten. Durch ihn und die Schenkungen seines Freundes Erich ­Heckel schlug die Geburtsstunde des Brücke-Museums. Der Architekt Werner Düttmann baute es, Leopold Reidemeister begleitete die Gründung und leitete die Schatzkiste.
Über 300 Werke hat Schmidt-Rottluff dem 1967 eröffneten Museum geschenkt. Etwa 150 expressionistische Gemälde und Skulpturen seiner Brücke-Kollegen – Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Otto Mueller – kamen hinzu, zudem Tausende Grafiken und Zeichnungen. Die neue Direktorin, Lisa Marei Schmidt, schöpft in ihrer Antrittsausstellung aus dem Vollen.

Ihre Hommage rekonstruiert die elegante Ersteinrichtung der expressiven Sammlung – mit 39 Gemälden, 72 Papierarbeiten und sieben Skulpturen. Im kieferngesäumten Garten des Grunewald-Refugiums tun sich überdies neue Perspektiven auf: Die Künstlerin Sol Calero errichtete ihren bunten Pavillon „Isadora“, eine begehbare Skulptur mit viel Platz.

Seit der Eröffnung vor 50 Jahren gilt das Haus als wegweisende Institution zum deutschen Expressionismus. Es versammelt Meisterwerke wie Schmidt-Rottluffs „Mädchen bei der Toilette“ (1912), das 1952 auf der Biennale von Venedig glänzte, Heckels Holzschnitt des „Stehenden Kindes (Fränzi)“, Pechsteins „Fischerboot“ und Kirchners elegant gekleidete Damen „Im Cafégarten“ anno 1914.

Doch es sind nicht nur bekannte Bilder zu sehen. „Viele Werke wurden noch nie gezeigt“, sagt Lisa Marei Schmidt, die Detektivarbeit leistete, um neben der Sammlung auch die Geschichte des Hauses zu durchforsten.

Die Konterfeis der Gründungsväter: Düttmann, Reidemeister, Schmidt-Rottluff, in Bronze festgehalten von Emy Roeder, sind natürlich präsent. Man wandelt durch die vier Räume des Flachbaus, die einen begrünten Innenhof umschließen, und spürt den Zeitsprung. Einzelne Lücken verweisen auf Werke, die nicht rekonstruiert werden konnten oder ausgeliehen wurden. Doch vor allem ist es der neuen Chefin samt Team gelungen, den Dreiklang aus Architektur, Natur und Kunst erfahrbar zu machen. „Das Brücke-Museum ist ein Gesamtkunstwerk aus Sammlung, Bauwerk und Umgebung“, findet sie. Jeder dieser Aspekte sei für die Ausrichtung des Museums wichtig. Fürs Erste wurden Fenster behutsam geöffnet und Natureindrücke freigelegt.

„Die Lichteinfälle sind überhaupt die Lösung, und die Landschaft ist geradezu beglückend einbezogen. Es müsste jeder Besucher für eine Weile dort froh werden“, urteilte Schmidt-Rottluff kurz nach der Eröffnung. Aufgrund seiner begrenzten Fläche sind nur zwei Prozent der Bestände zu besichtigen. „Wir haben sehr viel mehr im Keller“, meint die Direktorin.

Ein Künstlermuseum für ­Berlin: Karl Schmidt-Rottluff, ­Leopold Reidemeister und ­Werner Düttmann Brücke-Museum, Bussardsteig 9, Dahlem, bis 12.8., Mi–Mo 11–17 Uhr, 6/4 €

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