Installation

Caline Aoun im Palais Populaire

Im Palais Populaire nutzt Caline Aoun ihren neuen Status als Deutsche-Bank-Künstlerin-des-Jahres souverän und durchaus spektakulär

Ausstellungsansicht: im Vordergrund die Arbeit „Infinite Energy, Finite Time“, Foto: Mathias Schormann / Caline Aoun

Das etwas, das nicht zu sehen, nicht zu fühlen oder zu schmecken ist, für die Menschheit trotzdem von lebensbestimmender Wichtigkeit sein kann ist, nicht neu – die ganze Religionsgeschichte basiert auf diesem Prinzip. Neu ist jetzt, dass das Leben der meisten Menschen nicht mehr von höheren Wesen bestimmt wird, außer man hält Mark Zuckerberg für so eines, sondern von Datenflüssen, die alles und jede*n und auch so gut wie jedes  Gesellschaftssystem beeinflussen.

Dass das schon lange nicht mehr nur für die westzentrierte Welt gilt, zeigt Caline Aoun, eine junge Künstlerin aus Beirut, die sich den Datenströmen annimmt und sie in ziemlich aufregenden Arbeiten sichtbar macht. Sie sozusagen materialisiert. Dazu gehören Versuchsanordnungen wie das Sammeln von Daten im Beiruter Hafen umgeschlagener Waren von 2003 bis 2018, die sie in Diagrammen umsetzt. Die wirken durch die an- und abschwellenden Datenströme wie sanfte Hügellandschaften – und lassen in tiefen Tälern auch Brüche in der Handelskette erkennen,  wie zu Beginn des Libanon-Kriegs im Jahr 2006.

Farbige Vergänglichkeit

Das Hauptwerk der aktuellen Ausstellung „Seeing is Believing“ ist aber die spektakuläre Brunneninstallation „Infinite Energy, Finite Time“, aus der heraus es mittlerweile schon recht schwerfällig blubbert. Dass war zu Beginn der Ausstellung im November noch anders, da sprudelte es frisch und leuchtend farbig aus den durch Schläuche miteinander verbundenen Brunnen.

Und damit wäre man auch bei einem weiteren Thema der Künstlerin: Zeit, beziehungsweise Vergänglichkeit. Wenn es so läuft wie von ihr gedacht, werden die Brunnen zum Ende der Ausstellung im März gar nicht mehr oder kaum noch funktionieren: die Düsen verstopft, aus den Leitungen nur noch röchelnde Geräusche und in den Becken dann nur eine trübe Brühe – so soll diese Arbeit dann eine erschöpfte Welt zeigen, die wohl an ihrem eigenen, nicht mehr zu kontrollierenden oder zu lenkenden  Überfluss zugrunde gehen wird.

Palais Populaire Unter den Linden 5, Mitte, Mi–Mo 11–21 Uhr, 9/erm. 6 €, montags Eintritt frei, bis 2.3.

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