Ausstellungen

Carl Blechen in der Alten Nationalgalerie

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Dem „Amalfi-Skizzenbuch“ Carl Blechens haftet ein Ruf des Legendären an. Erst im 20. Jahrhundert in seiner wahren Bedeutung erkannt, galt es lange Zeit als „ungehobener Schatz“, der aus dem Nachlass des Künstlers in den Besitz der Berliner Akademie der Künste gelangte, auseinandergerissen wurde und erst in den 90er Jahren mit der Zusammenführung der Akademien in Ost und West wieder vereint wurde. Das macht erklärlicher, warum das revolutionäre Werk erst jetzt erstmals vollständig zu sehen ist. Die unmittelbare Nachbarschaft der Zeichnungen zu den Werken Schinkels und Cas­par David Fried­richs in der Ausstellung im Obergeschoss der Alten Nationalgalerie erweist sich als besonders erhellend und un­terstreicht den einzigartigen Rang des Skizzenbuches. Blechen teilt lediglich die motivischen Interessen der Romantik, das zeigen seine Ansichten
von Klos­ter­rui­nen, verwinkelten Gäss­­chen, ein­samen Bergdörfern, Schluchten und Flussläufen. Die Freiheit der Skizzen lässt auch den preußischen Klassizismus hinter sich. Was die meist menschenleeren Sepia- und Bleistiftzeichnungen aus der Bergregion um Amalfi und der Küste vor Neapel dagegen bezeugen, ist das Verschwinden des Selbst im Anblick der Landschaft, das vollständige Eintauchen im Atmosphärischen, das radikal subjektiv ist. Man sieht das Auflösen der Konturen in Licht und Farbe, das in den bekanntesten Sepia-Blättern („Bäume und Häuser“, 1829, siehe Abb.) das Flirren der südli­chen Hitze nachzuformen scheint. Es ist eine Kunst der Auslassung und Abstraktion, die den Eindruck flüchtiger, präziser Momentaufnahmen erweckt und Blechen zu einem Vorläufer impressionistischer Freilichtmalerei und einer modernen Landschaftsauffassung macht. Darin blieb er ein Solitär.

Text: J. v. Zitzewitz

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Mit Licht gezeichnet. Das Amalfi-Skizzenbuch von Carl Blechen
in der Alten Nationalgalerie, Museumsinsel, Mitte,

Di+Mi, Fr 10-18 Uhr,
Do 10-22 Uhr, bis 11.4.

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