Ausstellungen

Carlfriedrich Claus in der Akademie der Künste

Claus_adkSchwerelos treibt in „Postverbales Objekt“ ein feinmaschiger Zeppelin durch luftige Gaze-Gardinen, gewebt aus winzig kleinen Schriften. In „Jabboq, der Totenstrom im Hirn“ (1966) kristallisiert sich aus taubenblauen Fond ein Delta aus tintenschwarzer Substanz heraus. Ein Davidstern und hebräische Buchstaben kommentieren das Ganze. „Vom Tode her leben“ wurde Carlfriedrich Claus (1930-1998) zur Maxime: „Das Denken des Sterbens kann Vorahnung letzter Angst wecken, aber auch ihres Vergehens.“ Seine grafischen Blätter indes wirken noch heute quicklebendig. Strudel von filigranen Zeichen verklammern sich zu organischen Konstellationen. Seine „Schreibblätter“ sind gleichermaßen Text wie Bild. Auf spektakuläre Weise stehen diese minimalistisch gefüllten Transparentpapiere nun hochkant in der Wandelhalle der Akademie der Künste, sind so von beiden Seiten ‚lesbar‘. Die Überlagerungen von Bildern, Buchstaben und Kritzeleien durchdringen sich plastisch, lassen das Tief- und Abgründige an die Oberfläche gelangen.

Der einst im erzgebirgischen Annaberg lebende Künstler agiert als Grenzgänger zwischen Lyrik, Grafik und musikalischen Experimenten. Mit seinen „Aurora-Tafeln“ kündet er von der Morgendämmerung der Utopie. Jede dieser 15 Radierungen ist umgeben von handschriftlichen Notaten von Ernst Bloch, Paul Eluard, Karl Marx oder Paracelsus. Die Йcriture automatique des Surrealismus verbündet sich in magischer Manier mit der Dialektik der Aufklärung.

Text: Martina Jammers

tip-Bewertung: Sehenswert

CarlFriedrich Claus Akademie der Künste am Pariser Platz, bis 5.6.2011

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