Kommentar

„Chapeau Madame!“ von Iris Braun

Den intellektuelleren Kunstbetrieb abseits der Messeempfänge dominieren zurzeit zwei Themen: Provenienz und Repräsentanz

Iris Braun

Also kurz gefasst die Frage nach der Herkunft eines Kunstwerks und die sich draus ableitende Diskussion, wer daran Rechte hat – und zwar nicht nur an seinem tatsächlichen, materiellen Wert, sondern auch, wer es in wessen Sinne deuten und nutzen darf.
Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy hat auf diese Fragen auch keine endgültigen Antworten, aber sie will sie stellen können, was ihr im Expertenrat des Humboldtforums zwar nicht komplett verwehrt wurde, aber dort auch nicht für Jubel sorgte, und letztens Endes Savoys medial begleitete Demission zur Folge hatte.
Die Professorin macht jetzt das Beste aus dieser Situation, nimmt die 2,5 Millionen Preisgeld, die zu dem ihr zugesprochenen Wilhelm-Leibniz-Preis gehören, und startet an der TU ein Forschungsprojekt, das sich genau mit solchen Fragen beschäftigt. Hier wird sie versuchen, die Schlagworte Beutekunst, Kolonialismus, Kulturgüterverlagerung und Verstaatlichung wissenschaftlich präziser einzuordnen, als es zurzeit noch der Fall ist. Und eine wissenschaftliche Unterfütterung solch wichtiger Themen kommt jetzt, mit dem sich abzeichnenden Einfluss der AfD auf die bundesweite Kulturpolitik plus dem einhergehenden völkischen Geraune so was von zur richtigen Zeit, dass man nur sagen kann: Chapeau Madame! Und: Viel Erfolg!

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