Gruppenausstellung

„Common Affairs“ in der DB Kunsthalle

Polnische Positionen: Der Glaube an die Zukunft – neu gedacht:  Mit „Common Affairs“ kommt  zeitgenössische Kunst aus Polen nach Berlin

Common Affairs
Foto: Wojciech Olech Courtesy Karol Radziszewski and CoCA In Torun

Über den Wasserweg kam sie jetzt nach Berlin, die zehn Meter lange Leuchtreklame „Nowe Życie“  („Neues Leben“), die in den 1970er Jahren in einer  Landwirtschaftsgenossenschaft in Bydgoszcz aufgestellt wurde, um dort Zukunftszuversicht zu verbreiten. 2011 von Künstlerin Elżbieta Jabłońska als Kunstwerk reaktiviert, steht dieses imposante Teil heute für die Frage, was aus Zukunftsversprechen wird – nicht nur aus denen der 1970er Jahre, sondern auch aus denen der jungen polnischen Künstlergeneration seit der Wende. Und genau um die geht es in der Ausstellung „Common Affairs“, deren Signalwerk „Nowe Życie“ (Abb. u.) ab 21. Juli im Polnischen Institut Berlin leuchtet.

Alle anderen Werke der Ausstellung werden in der Deutschen Bank Kunsthalle zu sehen sein, denn „Common Affairs“ ist eine Kooperation zwischen DB-Kunsthalle, Polnischem Institut und der Nationalen Kunstgalerie Zachęta in Warschau. Gezeigt werden 16 Positionen von Künstlern und Künstlerinnen, die von 2003 bis heute für den „Views“-Award nominiert waren, einem wichtigen Preis für Gegenwartskunst in Polen, kuratiert von Julia Kurz auf deutscher und Stanislaw Welbel auf polnischer Seite. Die beiden haben diejenigen „Views“-Arbeiten ausgewählt, die sich besonders mit Wandel und Transformationen seit der Wende befassen.
Allerdings sind viele Werke nicht einfach in die Ausstellung übernommen worden: „Wir haben uns zusammen mit den Künstlern gefragt, ob die Arbeiten von damals dem neuen Kontext entsprechen, oder ob es sinnvoll ist, zu aktualisieren“, erklärt Julia Kurz. Diese Reenactments nehmen die Hälfte der Ausstellung ein. Unter anderem ist Aktionskünstler Pawel Althamer mit dabei, der 2003 die Zachęta-Garderobenmitarbeiter in Warschau nach ihren Sorgen befragt hat, um Verbesserungen ihrer Arbeitssituation zu erreichen. Diese soziale Skulptur wiederholt er, diesmal mit den Mitarbeitern des DB-Kunsthalle-Empfangs.

Auch andere Künstler haben kongenial aktualisiert. So zeigt Lukasz Jastrubczak die immer höher drehende Aufwertungsmaschinerie im Kunstbetrieb, indem er vom Material her fast wertlosen Papp-Goldbarren aus einer kleinen Galerie in Stettin in die großen Häuser in Berlin Mitte bringt und mit diesem modernen Alchemismus  die Papp-Barren mit neuem Wert aufladen kann.

Produktionsmöglichkeiten und zeitgenössischen Kunstbetrieb zu beleuchten war für die beiden Kuratoren auch bei der Auswahl der anderen Werke wichtig, und da ist es eine schöne Volte, dass das Kollektiv Azorro, das 2002 die verzweifelte Suche nach einem Ausstellungsort  im Video „The Best Gallery“ dokumentierte, und damals vergeblich auch in der Deutschen Guggenheim vorsprach,  jetzt am gleichen Ort mit der Arbeit „Self-fulfilling Prophecy“  zum großen Auftritt kommt. „Azorro hatte sich 2010 eigentlich aufgelöst, aber eine solche Gelegenheit kann man sich natürlich nicht entgehen lassen“, sagt Kuratorin Julia Kurz.  „Generell haben unsere  Aktualisierungen unterschiedlichste Perspektiven eröffnet, auf gesellschaftliche Zusammenhänge wie auf den Kunstbetrieb. Aber dieses Kammerspiel über individuelle Künstlerkarrieren setzt noch eins obendrauf.“

Common Affairs Deutsche Bank Kunsthalle, Unter den Linden 13–15, Mitte, tgl. 10–20 Uhr;
Polnisches Institut Berlin, Burgstr. 27, Mitte, Di–Fr 10–18 Uhr; Laufzeit in beiden Häusern: 21.7–30.10.

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