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„Conceptual & Applied III: Surfaces and Pattern“ bei Daimler Contemporary

Sieht das schön aus! Renate Wiehager hat wieder ganze Arbeit geleistet: Oberflächen, Materialien und Muster geben den Ton in dieser Schau an, die freie und angewandte Kunst verschmilzt. Mit dem Künstler Luca Trevisani als Co-Kurator ist der Direktorin der Sammlung Daimler Chrysler eine anregende Ausstellung gelungen: Künstler gehen auf Tuchfühlung mit Design und Architektur. Neuerwerbungen junger Zeitgenossen – wie Natalie Czechs Tangoschritte auf Papier, Alicja Kwades Wanduhren oder Trevisanis Rauminstallation – treten in einen fruchtbaren Dialog mit Altmeistern, deren Arbeiten aus den 50er- bis 70er-Jahren so frisch wirken, als wären sie gerade erst entworfen.

Das tomatenähnliche Sitzmöbel aus Fiberglas des finnischen Designers Eero Aarnio zum Beispiel, der in den Sixties eine organische Formsprache mit der Popkultur verwob. Sekundiert wird sein poppiger Sessel von John Armleders Lüster aus dem Jahr 1993 und einer Bodenarbeit aus kreisrunden, farbigen Punkten, die Egon Eiermann 1958-60 für seine Villa in Baden-Baden ersann. Den Berlinern bekannt wurde der Architekt und Möbeldesigner durch die moderne Ergänzung der zerstörten Gedächtniskirche. In der Ausstellung lassen sich noch weitere interessante Gestalter wiederentdecken, etwa die „Bubble“-Lampen von George Nelson, einem der wichtigsten Designer Amerikas. Sie würden gut in aktuelle Design-Programme passen und stammen doch schon von 1947. Progressiv und dabei fantasievoll muten moderne Arbeiten wie diese an.

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Auch die Frauen beeindrucken mit prägnanten Entwürfen: die Österreicherin Helga Philipp etwa schuf 1965 ein praktisches Schaumstoffmöbel sowie kinetische Objekte – und die Allrounderin Lina Bo Bardi den kugeligen Schalensessel. Die visionäre Sprengkraft, mit der diese verstorbenen Gesamtkunstwerker einst kühn die Disziplinen überschritten, sucht in den ausgeklügelten Konzepten von heute ihresgleichen.   

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: r.e.m. / Hans-Georg Gaul

tip-Bewertung: Sehenswert

„Conceptual & Applied III: Surfaces and Pattern“ Daimler Contemporary, Alte Potsdamer Straße 5, Tiergarten, Mo–So 11–18 Uhr,
bis 2.11.

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