Gruppenausstellung

daHEIM im Museum Europäischer Kulturen

Fluchtgeschichten – in der Gruppenausstellung „daHEIM“ kommen Asylsuchende im Kunstasyl zu Wort und Bild

KUNSTASYL im Heim für Geflüchtete und Asylsuchende in Berlin-Spandau
Foto: Kunstasyl

Es ist eine ungewöhnliche Ausstellung, die unter dem etwas sperrigen Titel „daHEIM: Einsichten in flüchtige Leben“ im Museum Europäischer Kulturen angelaufen ist. Grob gesagt geht es um Flüchtlinge, ihre Wege und Beweggründe für eine Flucht. Dankbarerweise wird dies aber nicht mit viel Text und erhobenem Zeigefinger getan, nein, man hat die Flüchtlinge sozusagen selbst zu Wort kommen lassen. Dafür hat ab März diesen Jahres eine Gruppe von Asylbewerbern aus einem Heim in Spandau gemeinsam mit Helfern und Kunstschaffenden der Initiative Kunstasyl drei großzügige Räume des Museums in eine in sich schlüssige Ausstellung verwandelt. Die Wände sind teils bemalt, Statements der einzelnen mitarbeitenden Asylsuchenden sind zu lesen. Hinzu treten Zitate von Anna Seghers und Installationen mit Schuhen und den in allen drei Räumen auftretenden Metallröhren und Stangen von auseinandergeschraubten Hochbetten, welch die teils wild, teils ruhig bespielten Räume auch aus ästhetischer Sicht zusammenhalten. Besonders gelungen ist die Inkorporation von einigen Biografien mitteleuropäischer Auswanderer im 20. Jahrhundert, durch die sich die Lesart der teils sehr emotionalen Fluchtgeschichten auch in einen weiteren historischen Horizont einbetten lässt. Was der Ausstellung leider fehlt, ist eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem „fremden Blick“; damit, was die Flüchtlinge in und an Deutschland oder Europa kurios, neu, verängstigend, anders finden.

Museum Europäischer Kulturen Lansstraße 8/Arminallee 25, Zehlendorf Di–Fr 10–17, Sa 10 –18, So 11–18 Uhr, bis Juli 2017

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