Ausstellungen

Das Atelierhaus The Wye

Kai_Oliver_GoldmannSeitdem The Wye Mitte September offiziell eröffnet hat, sind nicht nur die 25 Atelier-Büros bezogen worden, sondern hat auch ein reger Eventbetrieb eingesetzt. Das Haus haben die drei Macherinnen rund um die New Yorkerin Leah Stuhltrager dabei ganz in Eigenregie mit viel Einsatz, geglückten Kooperationen und einer gehörigen Portion Optimismus selbst instandgesetzt. Das Gebäude war früher im Besitz der Post und beherbergte ein Schulungszentrum für Postzusteller. Im Inneren verspürt man noch immer die Überreste des Behörden-Charmes der späten Bundesrepublik. Nach rund sieben Jahren Leerstand bietet The Wye jetzt über 2?000 Quadratmeter Fläche für Kreative und Künstler – Ateliers, Büros, zwei Co-Working Spaces, ein Veranstaltungssaal und eine Galerielounge für wechselnde Ausstellungen. Das Haus soll sich ohne jegliche Zuschüsse selbst tragen, worauf die drei jungen Frauen, die vorher gemeinsam eine Galerie in der Fichtestraße geführt haben, stolz sind. Sie wollten auch zeigen, sagen sie, was möglich ist, jetzt, in Berlin, ganz ohne staatliche Förderungen oder einen finanzkräftigen Mäzen im Hintergrund.

Im Gegensatz zu klassischen Atelierhäusern verfolgt The Wye einen eher multidisziplinären Ansatz. Neben Künstlern und Kuratoren haben auch ein kleiner Kunstbuchverlag, ein Medienkunstkollektiv, Fashiondesigner und die Berlin Film Society Räumlichkeiten im Wye bezogen. Zudem gibt es einen Fashion-Store mit Mode junger Berliner Designer, ein Wohnatelier für ein Residence Programm und sogenannte Project Spaces, die nur für begrenzte Zeit vermietet werden. Lokales soll sich so mehr mit international tätigen Künstlern mischen, und die weite Bandbreite an Kreativen lässt auf innovative und überraschende Kooperationen hoffen. Ganz sicher verleitet sie dazu, einmal über den Tellerrand der eigenen Szene hinauszublicken. So eröffnete am 11. Oktober eine von einer im Haus ansässigen Künstlerin und Kuratorin entwickelte Street-Art-Ausstellung in der Lounge, für die in Berlin ansässige Street-Art-Künstler Werke zu Vorlagen antiker und prähistorischer „Graffiti“ hergestellt haben. Gleichzeitig zeigte die Berlin Film Society im Veranstaltungssaal Kurzfilme aus der Shortlist des in London ansässigen The Smalls Festivals. Nicht ausgeschlossen, dass der eine oder andere seine Nase auch mal beim Event der anderen reingesteckt hat.

Text: Philipp Koch

Foto: Kai Oliver Goldmann

The Wye Skalitzer Straße 86, Kreuzberg, http://thewye.de

Mehr über Cookies erfahren