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Das Jüdische Museum zeigt die erste umfassende Retrospektive von Fred Stein

Fred_Sein_Kinder_Harlem_c_EstateOfFredSteinDoch dann willigte er für zehn Minuten ein. Es vergingen zwei Stunden, in denen sich die Männer angeregt unterhielten. Das Resultat ist eines der bekanntesten Bilder des Physikers – aufgenommen von Fred Stein. Die Reihe seiner Porträts großer Persönlichkeiten lässt sich mit Marlene Dietrich, John F. Kennedy, Salvador Dalм, Willy Brandt fortsetzen. Letzteren lernte Stein im Pariser Exil kennen, ein Umstand, der die beiden lebenslang freundschaftlich verband.

Stein war überzeugter Sozialist. Als Hitler an die Macht kam, hatte er antifaschistische Flugblätter verteilt. Im Oktober 1933 flüchtete der Sohn eines Rabbiners mit Ehefrau Lilo unter dem Vorwand einer Hochzeitsreise aus seiner Heimatstadt nach Paris. „Dresden vertrieb mich, und so wurde ich Fotograf“, sagte er später. Die Leica-Kamera im Gepäck, ein Hochzeitsgeschenk, war der Wegweiser in ein neues Leben, denn der studierte Jurist konnte als solcher im Ausland nicht arbeiten. Es dauerte keine drei Jahre, und seine Bilder wurden auf Ausstellungen neben Werken von Man Ray gezeigt. 1941 emigrierte das Paar nach Amerika. So wurde Fred Stein zum Chronisten seiner Zeit.

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Die erste Retrospektive seines Werkes im Jüdischen Museum zeigt 133 Aufnahmen seiner beiden Exilstationen Paris und New York in den 30er- und 40er-Jahren. Keine Originale, sondern Injekt Prints, die sein den Nachlass verwaltender Sohn Peter Stein eigens für die Ausstellung angefertigt hat. Neben den Porträts sind es thematisch zusammengestellte Milieustudien des städtischen Alltagslebens: spielende Kinder, Straßenverkäufer, Liebespaare, Spaziergänger, Festparaden und Stadtansichten, die Fred Stein immer mit dem Blick für den aussagekräftigsten Moment festhält, in dem er die Zeit durch den Auslöser stillstehen lässt.

Text: Lea-Maria Brinkschulte

Foto: Estate Of Fred Stein

tip-Bewertung: Sehenswert

 Im Augenblick. Fotografien von Fred Stein Jüdisches Museum, Lindenstraße 9-14, Kreuzberg, Mo 10–22 Uhr, Di–So 10–20 Uhr,
bis 23.3.14

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