Ausstellungen

Das Museum Berggruen ist wiedereröffnet

Berggruen_MatisseRaumDer Erlös sei in „frische Ware“ umgesetzt worden. Im Jahre 2001 sickerte durch, dass er das Mädchen mit dem Strohhut für stolze 16,5 Millionen Dollar versteigern konnte. Bis zu seinem Tode hat Berggruen unentwegt „gesündigt“, wie der soignierte Herr sein notorisches Erwerben taufte. Von den 62 Novitäten/Dauerleihgaben, die seit dem Ankauf der Kollektion im Jahre 2000 hinzukamen, kann sich der Besucher nun selbst ein Bild machen im um das Kommandantenhaus erweiterten Museum.
Die Verdoppelung der Ausstellungsfläche gewährt den am Ende dicht gedrängten Exponaten deutlich mehr Luft. Nachdem man im Stüler-Bau von Giacomettis „Großer stehender Frau III“ begrüßt worden ist, die Berggruen den Berlinern wenige Wochen vor seinem Tod schenkte, kann man sich jetzt durch ein komplettes Picasso-Museum das schnieke Treppenhaus hinaufwendeln. Neunzig Werke des katalanischen Genies kommen hier zusammen, die mit viel Gespür von Kuratorin Kyllikki Zacharias nun Dialoge führen können: So wird Picassos revolutionärer „Tкte de femme“ von 1909, der sich vielen Besuchen im Pariser Völkerkundemuseum verdankt, konfrontiert mit dem scharfkantigen „Memorialkopf“ aus dem Benin des 18. Jahrhunderts. Und sein Harlekin beäugt ein Pastell mit Watteaus Pierrot. Durch einen gläsernen Gang, der Durchblicke in den neuen Skulpturengarten erlaubt, geht’s über eine Giacometti-Blickachse weiter in den frisch sanierten Erweiterungsbau mit den eher kleinteiligen Werken von Klee, Cйzanne und Matisse.

Erfreulich, dass der anmutige Charakter einer Privatsammlung keineswegs geopfert wurde. Sympathisch auch, wie unverstellt der Blick ist: So kann man dem fragilen Köpfchen der jugendlichen Mme Cйzanne so nahekommen wie in keinem Pariser Museum. Eines der letzten Spitzenwerke des großen Provençalen ist der aquarellierte „Gärtner Vallier“ mit einer Farbkultur aus flirrenden Mauve-Lila-Grüntönen, die ihresgleichen sucht. Kurz vor seinem Tod erwarb Berggruen das mirakulöse „Schiff II c im Hafen“ von Klee, neben Picasso unangefochten der zweite Hausgott: Das Wassergefährt wird hier überlagert von Klee-typischen Theatermetaphern. Als Erster hatte der Sammler die Bedeutung der Scherenschnitte für das Werk von Matisse erkannt. Ungemein frisch wirkt die explosive Kraft der ausgelassen Tanzenden auf dem Umschlagentwurf „Verve IV“ (1943). „Überlegen Sie, wo Sie sonst auf der Welt solche Qualität der Klassischen Moderne in dieser Konzentration erleben können?“, sinniert Udo Kittelmann. Und da hat er Recht.

Text: Martina Jammers

Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Museum berggruen / hc-krass.de

tip-Bewertung: Herausragend

Museum Berggruen Schloßstraße 1, Charlottenburg, Di–So 10–18 Uhr

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