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Das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf eröffnet neu

Museum_Charlottenburg-Wilmersdorf_Kunstsammlung_CharlottenburgIm Morgengrauen schnaubt Hans Baluscheks Lok an verschneiten Kohlkopffeldern vorbei, während im Hintergrund eine Phalanx von Kumpels mit Grubenlampen ihrem unterirdischen Arbeitsplatz entgegenstrebt. Constantin Meuniers zierlicher Glasbläser pustet mit Effet in sein mannsgroßes Rohr. Und im flirrenden Licht tummeln sich unbekümmert Philipp Francks „Badende Jungen“ (Abb.). Diese Exponate markieren das Spektrum der Kunstsammlung Charlottenburg, die ab 24. Januar das Museumsquartier um die Sammlungen Berggruen, Scharf-Gerstenberg und Bröhan bereichert. Die Kollektion hängt dann in der mondänen Villa Oppenheim am Schustehruspark.

Die Sammlung geht zurück auf eine 1908 vom Charlottenburger Magistrat einberufene „Deputation für Kunstzwecke“. Damals appellierte die prosperierende Stadt im Westen Berlins an ihre wohlhabenden Bürger, am Aufbau der Sammlung mäzenatisch mitzuwirken, Leistikows stimmungsvoll verschattete „Brücke am Dianasee“ war die erste Schenkung. Eine beträchtliche Erweiterung erfolgte mit der Stiftung des Unternehmerpaares Antonie und Hugo Raussendorff, die dank einer Fabrik für ätherische Öle Millionäre geworden waren: Über 100 Gemälde, Graphiken und Skulpturen hinterließen sie. Zunächst wurde die Kunstsammlung im Charlottenburger Rathaus präsentiert. Schließlich fasste man den Bau einer Städtischen Galerie ins Auge, wozu es aber am Vorabend des Zweiten Weltkriegs nicht mehr kam. Die Sammlung konzentrierte sich auf das 19. Jahrhundert und die Klassische Moderne, wobei ein Schwerpunkt auf der Berliner Secession liegt. Im Obergeschoss der Villa Oppenheim wird sie jetzt erstmals geschlossen als ständige Ausstellung gezeigt und bietet trotz erheblicher Kriegsverluste erstklassige Kunst ebenso wie Einblicke in die rasante Entwicklung der Stadt Charlottenburg.

Die parallele Sonderausstellung „Sorgenfrei“ dokumentiert das Leben der Familien Mendelssohn und Oppenheim, die der Villa als ihrem Sommersitz den nonchalenten Namen „Villa Sorgenfrei“ verliehen. Exemplarisch steht das Gebäude für den Typus der repräsentativen Stadtvilla der Gründerzeit, der bis heute das Bild der Schloßstraße prägt. Hinzu kommt die ebenfalls in der Villa untergebrachte Dauerausstellung „Von der Residenz zur City West“. In das Dauerfanal vom angeblich „abgehängten Westen“ mag man kurz vor der Eröffnung des Waldorf Astoria und angesichts der Sanierungen von Bikinihaus und Gedächtniskirche nicht mehr so recht einstimmen.

Text: Martina Jammers

Foto: Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, Kunstsammlung Charlottenburg

Museum Charlottenburg Wilmersdorf Villa Oppenheim, Schloßstraße 55, Charlottenburg, Di–Fr 10–17 Uhr, So 11–17 Uhr, ab Di 24.1.

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