Ausstellungen

Das XX. Jahrhundert – Fotografien des 20. Jahrhunderts

Als Schnittstellen zwischen persönlicher Erinnerung und kollektivem Gedächtnis nehmen Fotografien einen prominenten Platz in der Alltagskultur ein. Daran erinnert eine Schau im Deutschen Historischen Museum, die die umfassende Fotosammlung des Hauses vorstellt. Im Bildjournalismus, Schwerpunkt der Sammlung, verschwindet der Fotograf nicht selten hinter seiner Aufnahme, die in millionenfacher Verbreitung ein Eigenleben führt. Wohl jeder kennt das Foto des in seinem Blut liegenden Benno Ohnesorg, die wenigsten aber erinnern sich an den Fotografen Jürgen Henschel. Der chronologisch voranschreitende Parcours widmet sich den Querverbindungen zwischen ?Fotografie- und Zeitgeschichte. Neben Fotos, die historisch bedeutsamen Momenten wie Kriegsende oder Mauerfall gewidmet sind, geraten Bilder in den Blick, die gesellschaftliche Zustände schildern – wie die Fotos, die Willy Römer 1910 in den überfüllten Berliner Mietskasernen aufnahm. Zu Beweisstücken im historischen Prozess wurden die Bilder des Propagandafotografen Gerhard Gronefeld von deutschen Exekutionskommandos im Zweiten Weltkrieg, in der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ erhielten sie neue Aktualität. Solchen Einblicken in Abgründe stehen Fotografien gegenüber, die zu den Highlights der deutschen Fotogeschichte zählen: die Porträts von August Sander und Roger Melis, Walter Ballhause und seine Reportagen aus der Zwischenkriegszeit oder die Modeaufnahmen Sibylle Bergemanns. Die heikle Balance der Schau zwischen Foto- und Zeitgeschichte mag an manchen Stellen für fragwürdige Zuweisungen sorgen, sie bietet aber ein bemerkenswert offenes Bilderspektrum.     

 

Text: Jutta v. Zitzewitz

Foto: Stiftung Deutsches Historisches Museum

tip- Bewertung: Sehenswert

 

Das XX. Jahrhundert ?Deutsches Historisches Museum,?Unter den Linden 2, Mitte, ?täglich 10-18 Uhr, bis 20.6.2010

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