Ausstellungen

„Dem Staub ein Gegengewicht“ im Georg-Kolbe-Museum

… die wirken wie dem Unterbewusstsein entschlüpfte (Alb-)Traumbilder. In einem der Ausstellungsräume liegen sich zwei lebensgroße, schwarz ummantelte Körper auf allen Vieren gegenüber. Sphinxgleiche Gestalten mit ausgestreck­ten Händen,
in deren Fingerkuppen Miniaturglühbirnen brennen. Schaut man genauer hin, fehlen den Mänteln Kopf und Körper – sie sind hohl (Inwendiges Warten, 2005).?Körperlosigkeit bildet nur eine Facette in Rennerts vielschichtigem assoziativen Formenkanon. Nichts ist, wie es scheint, denn die Künstlerin spielt gekonnt mit Ge­gensätzen, mit Sichtbarem und Verborgenem, mit Volumen und Vakuum. Rennerts oft menschengroße Plastiken stellen sich dem Betrachter bewusst in den Weg. Motive findet Rennert in Sigmund Freuds Tiefenpsychologie und in tiefgründigen literarischen Werken, so Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“, Franz Kafkas Körper­metamorphose in „Die Verwandlung“, Edgar Allan Poes Gruselgeschichten und vor allem Märchen der Gebrüder Grimm.?Eines der ergreifendsten Ausstellungsstü­cke nimmt Bezug auf „Das Mädchen ohne Hände“ der Gebrüder Grimm. Im Märchen schließt ein geldgieriger Müller einen Pakt mit dem Teufel. Der hat es auf seine Tochter abgesehen. Ob der Reinheit des Mädchens kann der Teuflische sie aber nicht bekommen, weshalb der Müller gezwungen wird, ihre Hände abzuhacken. Sowohl das fatale Abhängigkeits­mus­ter des Kindes als auch die irrationale Gewalt des Vaters macht Rennert sichtbar.

Text: Laila Niklaus

 

 


Nadine Rennert „Dem Staub ein Gegengewicht“
,

Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25,
Di-So 10-17 Uhr, außer 24.+31.12., bis 1.2.2009,
www.georg-kolbe-museum.de



Weitere Ausstellungen:

 

Mehr über Cookies erfahren