• Kultur
  • Ausstellungen
  • In den Uferhallen zu „Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit“ aufbrechen

Ausstellungen

In den Uferhallen zu „Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit“ aufbrechen

Expeditionen in Ästhetik und NachhaltigkeitVorsichtig beugt sich die Künstlerin über
das Einstiegsloch zur Panke hi­nunter und füllt einen Eimer mit schmutzig
graubraunem Wasser. Anja
Schoeller wird dann zusammen mit Kerstin Polzin ihre „Berliner Schöpfung“ durch
Verwirbelung mit Sauerstoff anreichern und vor Ort und Publikum bis zur
Trinkwasserqualität filtern
. Begleitet von Tonaufnahmen der plätschernden Panke
bietet sich hier die Gelegenheit, im Zuge des Schöpfungsprozesses auch die
Gedanken fließen zu lassen – das Wasser ist nur eine der Lebensgrundlagen, die
durch Gewinnsucht gedankenlos zerstört werden. In den Weddinger Uferhallen wird
auf sehr sinnliche Weise an all die täglichen Umweltsünden erinnert.

Um die vierzig
Künstlerinnen und Künstler hat Kuratorin Adrienne Goehler in die Hallen am
Pankeufer eingeladen. Oft voller geradezu wissenschaftlichem Eifer,
beschäftigen sie sich mit umwelttechnischen und damit einhergehenden sozialen
Problematiken
. Ein riesiger Quader aus Braunkohlebriketts, den Michael Saup in
die Ausstellung schaffen ließ, zeigt eindrucksvoller als tausend Worte die
Dimensionen unseres Ressourcenverschleißes beim Internetsurfen. Die
Selbstzerstörung der menschlichen Spezies veran­schaulicht Superflex wunderbar
metaphorisch mit dem Abfilmen eines überflutenden McDonald’s. Jae Rhim Lee
erforscht Pilzsporen, die einen Leichnam in Kürze kompostieren und so das
Umweltgift Mensch schneller aus der Welt schaffen. Sie arbeiten agitatorisch,
wie Hermann Josef Hack mit seinen aufmerksamkeitserregenden Installationen von
Flüchtlingszelten, oder poesievoll wie Nйle Azevedo mit ihren zarten,
dahinschmelzenden Eisskulpturen. Oder mit Humor: Die Natur einzupacken und vor
den Menschen zu schützen, schlägt Ilkka Halso vor. Sie sind die jungen Nachfolger
der Künstler aus den 1960er-Jahren, die als Erste mit viel Engagement an
marktwirtschaftlich nicht verwertbaren Kunstwerken arbeiteten. An
Pioniere wie Gordon Matta-Clark, Joseph Beuys, Helen Mayer Harrison, Newton
Harrison und Robert Smithson erinnern Videoberichte. Einer der Jüngeren,
Gustavo Romano, verkauft Zeit. Zeit, in der etwas Sinnvolles getan werden kann.
Hier sollte man unbedingt eine zusätzliche Stunde für die Besichtigung der
Ausstellung erwerben!

Text: Constanze Suhr

TIP-Bewertung: Herausragend

Zur Nachahmung empfohlen! Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit
Uferhallen, Uferstr. 8-11, Wedding
bis 10.10.2010, Rahmenprogramm unter http://www.z-n-e.info/

 

WEITERE KUNSTREZENSIONEN:

Hans Hartung im Kupferstichkabinett (bis 10.10.)
Emil Nolde in der Nolde-Stiftung (bis 31.10.)
„A Gentil Carioca“ in der ifa-Galerie (bis 10.10.)
„Treibsand“ in der Martin-Luther-Gedächtniskirche (bis 9.10.)
Yoko Ono: Das Gift (bis 13.11.)
„By, With and Of“ im Direktorenhaus (bis 9.11.)

 

KUNST UND MUSEEN IN
BERLIN VON A BIS Z     

Mehr über Cookies erfahren