Ausstellungen

Der ausländische Mitbürger im Mitte Museum

Mitte-MuseumEin leicht vergilbtes Foto zeigt türkische Kinder, wie sie auf dem Mariannenplatz spielen. Auf einer anderen Aufnahme posiert eine türkische Fußballmannschaft, die gegen deutsche Beamte der Berliner Senatsverwaltung antritt. Die Fotos sind Teil der Schau „Der ausländische Mitbürger“, die im Mitte Museum in Wedding zu sehen ist. Sigrid Schulze, die Kuratorin, beschäftigte das Thema Arbeitsmigration schon länger. „Mir fiel auf, dass in die sozial- oder kulturgeschichtliche Darstellung von Migration kaum Bildmaterial eingeht“, sagt sie. „Ich verstehe die Ausstellung auch als Gelegenheit zum Quellenstudium. Der künstlerische Wert der Fotos steht eher an zweiter Stelle.“ Die Bilder sind von Fotografen der Landesbildstelle Berlin in der Zeit von 1961 bis 1983 gemacht worden. Deren Aufgabe war es, die Entwicklung des Westberliner Stadtlebens zu dokumentieren. Ein Schwerpunkt lag auf dem kommunalen Leben der Gastarbeiter, aus denen Ende der Sechzigerjahre offziell die „ausländischen Mitbürger“ wurden. Männer und Frauen aus Italien, Jugoslawien, Griechenland und der Türkei, die bald das Straßenbild in Kreuzberg, Wedding und Schöneberg prägten. Die über 1?000 Bilder landeten anschließend im Archiv – bis Schulze 200 für die Ausstellung wieder ausgrub.

Zu den Fotos gibt es einen informativen historischen Abriss, der die Geschichte der Migranten in die Phasen der Anwerbung, des Nachzugs der Familien und der dauerhaften Bleibe in Deutschland auf Texttafeln zusammenfasst. Darüber hinaus ist auch die Darstellung des Fremden in den Auftragsfotografien thematisiert: „Die Art der Darstellung wird im Laufe der Zeit distanzierter“, fiel Sigrid Schulze bei der Sichtung der Bilder auf. „Es wurde deutlich, dass die Fotos nicht nur die Lebensbedingungen der Migranten zeigen, sondern auch die sich verschärfende Integrationsdebatte zum Ausdruck bringen.“ Besonders deutlich wird diese Frage an dem wohl signifikantesten Symbol der Integration – dem Kopftuch. Sind auf den Fotos der Sechzigerjahre noch junge Türkinnen mit modischer Hochsteckfrisur zu sehen, zeigen die Abbildungen aus den Siebzigerjahren ältere Frauen mit Kopftuch, das lässig unterm Kinn zugeknotet ist. Auf dem letzten Foto der Ausstellung ist schließlich eine Frau mit Tschador zu sehen, die ihr Gesicht abwendet.

Text: Cosima Grohmann

Foto: Bezirksstelle Mitte

Der ausländische Mitbürger
Mitte Museum, Pankstraße 47, Wedding, bis 30.6.2011, So-Mi 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, www.mittemuseum.de, Eintritt frei

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