Ausstellungen

Der DAAD hatte sie alle

daad_Cover_c_ilya_kabakow_ausstellung_eines_buches_daadgalerie_1089Edward Kienholz war einer von ihnen und Fluxus-Artist Robert Filliou, Brit-Schocker Damien Hirst ebenso wie die Schweizer Schwestern Irene und Christine Hohenbüchler, der kanadische Videokünstler Stan Douglas, die Bildhauerin Ayse Erkmen, Christian-Ludwig Attersee, der wilde Maler aus Österreich, oder die Vergänglichkeitsforscher Roman Opalka und On Kawara. Was all diese Künstler gemeinsam haben: Sie waren einst Stipendiaten des Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Gäste, die kamen und gingen und manchmal auch blieben, und sei es nur in ihren Werken. Wie Yannis Kounellis in seinen Arbeiten in der Neuen Nationalgalerie oder Alfredo Jaar, dessen Ästhetik des Widerstands im Sommer gleich an drei Orten in Berlin zu erleben sein wird. Seit 1963 bietet das DAAD-Programm jährlich sechs Künstlern der Bildenden Kunst – neben den Sparten Literatur, Musik und Film – die Gelegenheit, hier zu arbeiten. Circa 400 sind allein aus diesem Bereich seither auf diese Weise in die Stadt gekommen. Sie malen, bildhauern, fotografieren oder bauen Installationen – eine Frischzellenkur. Aktuelle Szenestars wie Cyprien Gaillard, der 2011 den Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst erhielt, verdeutlichen dies.

Hat Berlins Aufstieg zur Kunstproduktionsweltstadt auch etwas mit dieser jahrelangen Basisarbeit des Künstlerprogramms zu tun? Ariane Beyn, Leiterin der Bildenden Kunst, findet: „In jedem Fall! Schließlich sind die Gäste des DAAD-Programms Vorreiter gewesen des Ansturms der Künstler auf Berlin.“ Die Beziehung zur Stadt sei überdies „oft sehr langfristig“. Auch wenn die Künstler wieder nach Hause gehen, bleibe der Kontakt bestehen. Andere werden heimisch wie Boris Mi­khailov. In der aktuellen Ausstellung mit Publikationen aus dem Archiv des Künstlerprogramms kann man einen Eindruck gewinnen, wer alles hier war. Berühmte Kataloge wie der zur „Art Show“ von Kienholz zeugen davon. Heute steht sein Ensemble von befremdlich plappernden Vernissagebesuchern in der Berlinischen Galerie, wo auch Mikhailovs Fotografien zu sehen sind. Erst kürzlich erschienen ist eine Publikation des polnischen Künstler-Kurators Artur Zmijewski, der die Berlin Biennale vorbereitet. Er war 2007/2008 DAAD-Stipendiat und mischt nun die Kunstwelt auf.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Katalogumschlag: Ilya Kabakov, „Ausstellung eines Buches“, daadgalerie, 1989

Präsentation des Publikationsarchivs: daadgalerie, Zimmerstraße 90/91, Mitte, Mo–Sa 11–18 Uhr, bis 7.4.

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