Ausstellungen

„Der goldene Vorhang“ im Haus am Lützowplatz

Karl-G__rlich_-Aint-no-fun_-2011Für das Ausstellungsprojekt „Der goldene Vorhang“ haben sich die Künstler Claas Gutsche und Karl Goerlich zusammengetan, beide Anfang der 1980er Jahre geboren und Absolventen der Hochschule für Kunst und Design in Halle. Mit Gespür für die unterschwelligen Gemeinsamkeiten in ihren Arbeiten wurden die Galerieräume mit schwarz-weißen Zaun-, Stacheldraht- und Mauermotiven tapeziert, von Gutsche entworfen und in Linolschnitttechnik realisiert. Das gibt den gezeigten Arbeiten einen Rahmen und macht sie gleichzeitig als miteinander verbundene Installation wahrnehmbar. Auf diesem ungewöhnlichen Hintergrund, der Begrenzung ausdrückt und etwas Bedrückendes in die Atmosphäre der weiten Räume einsickern lässt, inszeniert Goerlich seine intensiv farbigen, durch den dunklen Untergrund besonders hervortretenden Gemälde. Die schwarz-weißen Linolschnitte Gutsches wiederum profitieren durch ihre unheimlichen wie vertrauten Motive – eine Haussiedlung im Wald, ein Schilfdickicht – vom Thema der Tapeten.

So wirkt der Blick auf die Bilder wie ein Blick über eine Mauer oder durch einen Zaun, bekommt etwas Heimliches und Verbotenes und unterstützt die Aura des Unheimlichen, die von ihnen ausgeht. Eben dieser Blick des Voyeurs durch den Zaun (oder der Blick aus dem Bild hinaus auf uns, die Betrachter?) ist die hintergründige Verbindung zwischen den Arbeiten der beiden Künstler. Bei Goerlich wird dieses Spiel mit dem Blick noch durch das Kreismotiv verstärkt. Wie in einem Lichtkegel oder durch ein Bullauge sieht der Betrachter die mit popkulturellen Motiven angereicherten Szenen. So ist auf der Arbeit mit dem Titel „Der große Grinser auf Canossafahrt“ eine junge Frau im Sommerkleid zu sehen, die im Hocken spiegelverkehrt „resources“ schreibt. Der anziehende Körper der jungen Frau wird konterkariert durch das grinsende Smiley, das ihr Gesicht ersetzt. Nicht nur die junge Frau wirkt so zutiefst bedroht und bedrohlich, auch das Smiley als popkulturelles Emblem des freudigen Lachens erfährt eine Transformation hin zum Hämischen und Abgründigen.

Text: Philipp Koch

Foto: Karl-Görlich

tip-Bewertung: Herausragend

Haus am Lützowplatz Lützowplatz 9, Tiergarten, Di–So 11–18 Uhr, bis 28.8.2011

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