Ausstellungen

Der Himmel im Raum

Martin Gehrlein, © Gregor HildebrandtMit ihm macht das Nachdenken Spaß. Zum Beispiel über die Frage, was das Holz eines Baums mit einem Tonband verbindet. Denn beides taucht als Material bei Gregor Hildebrandt auf und tauscht gewissermaßen die Rollen. Auf eine Baumscheibe, an deren Jahresringen man sonst ihr Alter abliest, stempelt er „Eichendorff“ und behauptet im Titel, dies sei eine Baumstammschallplatte, als ob man das jahrzehntelange Wachs­tum nun hören könnte. Statt über Parketthölzer läuft man hingegen in Gregor Hildebrandts Ausstellung „Der Himmel im Raum“ in der Berlinischen Galerie über versiegelte Tonbänder, zu den parketttypischen Streifenmustern verklebt. Beides, das Holz und das Tape, sind Speichermedien von Zeit. Man geht also in der Ausstellung über nicht mehr hörbare Musik und denkt womöglich da­rü­ber nach, dass in jedem Holzfußboden auch ein gewesener Wald steckt, in dem kein Vogel mehr singt. Mit den Ton- und Videotapes, die Gregor Hildebrandt seit zwölf Jahren als visuelles Material einsetzt, in zart flatternden Vorhängen, verklebt zu glänzenden Flächen oder aufgekratzt zu ornamentalen Mustern, bringt er meis­tens eine zusätzliche Spur, eine Verbindung zu anderen Erscheinungsweisen der Kultur ins Spiel. Etwas Wehmütiges und etwas Glamouröses spricht mit, wenn er aus der Bandfläche abstrakte Formen herausholt, die an die gestische Erregtheit des Informel erinnert. Die Askese einer formal strengen Kunst trifft auf die Ausschweifung einer Partynacht – so turnt Hildebrandt die Lust an der Verknüpfung mit sehr einfachen Kunstgriffen an.

Text: Katrin Bettina Müller
Foto: Martin Gehrlein, © Gregor Hildebrandt, Courtesy Galerie Wentrup, Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

Gregor Hildebrandt „Der Himmel im Raum“
, Berlinische Galerie (Adresse + Googlemap), Mi-Mo 10-18 Uhr, bis 31.8.

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