Ausstellungen

Designfestival DMY 2009 in Berlin Kreuzberg

DMY_Peter-Schwartz-Helene-Steiner_ablaufDie Gegend um den Kreuzberger Moritzplatz wird derzeit für die kreative Klientel immer interessanter. Ausgerechnet das Areal, auf dem lange Jahre Design und Gestaltungswille Fremdwörter zu sein schienen. Hinter dem Bechstein-Haus direkt am Platz, in dem 2010 die Edelbastelschmiede Modulor mit einem Kreativkaufhaus und der Aufbau-Verlag einziehen, und dem einstigen Atelierhaus der Armaturenfabrik Aqua Butzke entsteht ein paar Meter weiter, an der Ritterstraße 12-14, auf 10.000 Quadratmetern eine neue Großlocation für Design: das ПMA Design Village. Es ist ein altes Industriegebäude, das gleichfalls ursprünglich Aqua Butzke gehörte.
„Пma“ bedeutet auf Hebräisch „Mutter“. Das Design Village heißt so, weil die Mutter des israelischen Designers Eyal Burstein das Gelände vor ein paar Jahren gekauft und jetzt dem Sohn als großes Kulturobjekt überlassen hat. Gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin, der in Köln aufgewachsenen Marina Ostrowski, ist der 32-jährige Burstein erst diesen Winter aus London nach Kreuzberg gezogen. Ihr Projekt vereint Ateliers, Apartments, Büroräume und Gas­tronomie. Das DMY-Designfestival vom 3. bis zum 7. Juni nutzen sie nun dazu, es der kreativen Szene vorzustellen. Und sich selbst natürlich auch.

IMA_Courtyard BerlinIn einem Großteil der Fabrik, Baujahr 1893, werden sich zur DMY-„Allstars“-Ausstellung 150 etablierte Designer auf 53 Räumen verteilen, darunter Oskar Zieta und Mark Braun. Im Gegensatz dazu gibt die zweite große DMY-Ausstellung „Youngsters“ wie in den vergangenen Jahren der jüngsten Designergeneration in der Treptower Arena eine Plattform.
Das Motto des diesjährigen DMY-Festivals heißt „Same same, but different„, erwartet werden 30.000 Besucher. Mehr als 500 Designer nehmen aktiv teil. Anders sind – neben der neuen Loca­tion ПMA Design Village – diesmal Zeitpunkt und Aufteilung: Nicht mehr im Mai, Namensgeber des Vorläufer­fes­tivals Designmai, sondern eben im Juni ist Festivalzeit. Und eines der neuen Module ist der alte Designmai, der unter seinem Leiter Bernard Stein mit einem Kongress in der Tempo­rären Kunsthalle und einer eigenen Ausstellung in der Internationalen Bauakademie Berlin am Festival teilnimmt.

Zum ПMA Design Village – und damit auch zum Festivalgelände – gehört eine ausgedehnte Parkplatzfläche vor dem Haus, die zum DMY-Festival von einem riesigen Kunstteppich belegt sein wird – und auf dem sich die Besucher häuslich niederlassen können und sollen. Unterstützt wird die Outdoor-Party von einem Designschnittchenlieferanten und der hauseigenen Cafeteria.
Einzig der Regen könnte dem DMY-Projektleiter für das ПMA, Ake Rudolf, noch bei seiner Vorstellung einer riesigen Parkplatz-Partyfläche in die Quere kommen. Rudolf aber gibt sich pragmatisch: „Dann sollen sich die Leute ausziehen und im Regen tanzen.“

Das könnte auch für den großen In­nenhof eine nette Option sein. Der wird zum DMY-Festival ebenfalls zur großen Ausstellungs- und Aktionsfläche, unter anderem mit der knalligen „A-furniture“-Installation der Gruppe Walking Chair. Dieses große Möbel ist gleichzeitig zum Sitzen, Arbeiten und Abhängen gedacht – und zeigt damit, worum es Rudolf bei der Bespielung der Außenfläche geht: „dass wieder Designer den öffentlichen Raum gestalten und nicht alles den Stadtplanern und Ingenieuren überlassen.“

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Sowohl öffentlicher Raum als auch Platz ist in diesem Teil Kreuzbergs genug vorhanden, anders als im kleinkiezigen Kreuzkölln oder im Wrangelkiez mit vielen Ladengeschäften. Rund um den Moritzplatz dominiert eine eher herbe Mischung aus Nachkriegsbebauung, Brachen und alten Industriedenkmälern. Das hat auch Marina Ostrowski sofort fasziniert. Ihr Lieblingsobjekt in ihrem Village ist ganz klar der alte Las­tenaufzug, der – natürlich TÜV-geprüft – Mieter und Besucher charmant rumpelnd über die sechs Etagen des Hauptgebäudes verteilt. Dazu gehören auch die Hotelgäste, für die 22 frisch geweißte Apartments bereitstehen. Der Fahrstuhl verbindet auch die weiten, offenen Souterrain-Flächen mit den kleinteiligen Ateliers auf den oberen Ebenen. „Und gerade unsere internationalen Gäste sind nach dem ersten Schreck hin und weg von dem Ding“, sagt Marina Ostrowski. Hier und da wurde in den 60er Jahren etwas fantasielos renoviert, aber der alte Loftcharme schimmert trotzdem immer durch. Und das hat eben mehr vom New York der 80er als von Westberlin der 60er Jahre, wie Marina Ostrowski oft von Gästen und Mietern hört. Die internationale Szene findet das auch.
Dass allerdings manche Designer und Künstler den Hype um das kreative Berlin schon wieder im Abflauen begriffen sehen, interessiert die Grafikdesignerin ganz und gar nicht: „London zum Beispiel ist nur noch depressiv. Ich glaube, der wahre Run auf Berlin fängt gerade erst an.“

Text
: Iris Braun

www.dmy-berlin.com
www.imavillage.com

10 LIEBLINGSSTÜCK DES DESIGN FESTIVALS

TERMINE:

DMY Allstars
Do 4. bis Sa 6.6., 11-21 Uhr, So 7.6., 11-18 Uhr,
Adresse: IMA Design Village, Tagestickets: 8/6 Ђ

DMY Youngsters
Eröffnung: Mi 3.6. ab 20 Uhr, Do 4. bis Sa 6.6., 12-22 Uhr,
So 7.6., 12-18 Uhr, Arena Berlin, Eichenstraße 4, Treptow, Tagestickets: 8/6 Ђ

DMY Symposium

Workshops und Diskussionen
zum Thema Produktion und Gestaltung sowie zur zukünftigen Rolle des Designs
Sa 6.6., 10.30-20 Uhr,
Kunstfabrik, Am Flutgraben 3, Treptow, Eintritt: 6/4 ¤

DMY Design Shopping Day
Events und besondere Aktionen in vielen Berliner Designläden.
Einen Überblick gibt es im Heft, das in Zusamen­arbeit mit dem tip herausgegeben wird.
Sa 6.6., ab 10 Uhr, Eintritt frei

DMY Klublabor
Es wird wieder getanzt, diesmal an einem zentralen Ort, im ehemaligen WMF
Opening-Party: Mi 3.6., 23-6 Uhr
Klublabor-Partys:
Do 4. bis Sa 6.6., 23-6 Uhr, Klosterstraße 44, Mitte,
Eintritt: Mi, Sa 10 Ђ, Do 6 Ђ, Fr 8 Ђ 

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